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Rumpelstilzchen_ still standig

Frühling. Die Vögel waren geschäftig dabei, ihre Verhältnisse zu regeln. Die Abendluft hat sich bereit erklärt, alle meine Sinne zu verwöhnen. Ich weiß auch nicht wie plötzlich diese Stadt jetzt daherkam. Weiß nicht einmal, welche es war. Nicht klein und nicht groß war diese Stadt. Diese Stadt ist so schön, wie eben eine Stadt schön sein kann. Und, diese Stadt ist eben so häßlich, wie eine Stadt häßlich sein kann. Ein bißchen langweilig und ein bißchen aufregend.

Eine Allerweltsstadt im Frühling also. Dieser Frühling kam zu früh. Und obwohl wir uns über Unregelmäßigkeiten mokieren, nehmen wir es doch hin, weil wir die kalten Füße satt haben. Wir erlauben uns die Kumpanei mit den Unregelmäßigkeiten, denn wir versprechen uns kleine Nettigkeiten.

Ein Mann geht eine Straße entlang. Da begegnet ihm ein zweiter. Kommt gerade auf den Mann zu. Der Mann will ihn ignorieren. Doch der andere ist schon da. Faßt ihn beim Arm und fragt unverhohlen, wo er denn hin wolle, so spät noch. Der Mann antwortet widerwillig, er wolle voran, habe es eilig. Was er denn dort vorhabe, will der andere nun wissen. Zurückschauen! sagt der Mann und will nun endlich weitergehen.

Doch der andere schlägt jetzt vor, dass sie von nun an zusammen gehen, weil er – der andere – das gleiche Ziel habe. Zusammengehen, wiederholt er, und blickt entschlossen den Mann an,  der es jetzt noch eilig hat. Der Mann – seinerseits – hält den Fremden für einen Lügner und nimmt an, dass er aus der Bahn geworfen werden soll; traut sich aber nicht, es zu sagen (wohl aus Höflichkeit). Statt dessen versucht er sich frei zu machen, von dem anderen. Noch immer hält der Fremde den Mann beim Arm. Der Mann fühlt sich jetzt etwas eingeengt.

Zu diesem Zeitpunkt geht die Sonne unter, und die Laternen werden hell, als ob sie um Erlaubnis fragen müßten. Die Vögel haben fürs erste ihre Verhältnisse geklärt, und sind stumm geworden. Auch die Männer sind stumm, rühren sich nicht von der Stelle. Als die Sonne aufgeht, stehen sie immer noch dort. Sprachlos. Blicken knapp aneinander vorbei und können sich nicht lösen, weil sie Stein geworden sind.

Auch die Vögel bleiben stumm, wie eine Versammlung, die eine lebenswichtige Entscheidung abwartet. Schritte sind zu hören. Eilige und wichtige Schritte. Eine Woge von Schritten überspült den Weg mit den – nunmehr – Steinernen und Betriebsamkeit erfüllt die Luft. Die Menschen verfolgen ihre morgendlichen Ziele, vorbei an den Steinernen. Man hält sie wohl für ein Denkmal, überflüssig und etwas störend mitten auf dem Weg.

So schlängelt sich ein Menschenstrom, bisweilen rempelnd, an ihnen vorbei. Von Zeit zu Zeit stockt der Verkehr und man ärgert sich über unvorhergesehene Verzögerungen. Auch hört man Bemerkungen über die Verwaltung, die solchen und ähnlichen Unsinn genehmigt. Schließlich hat jeder wichtigere Ziele, als hier seine Zeit zu vergeuden. Verkehr muß fließen! Verkehr muß fließen.

Zwei Ecken weiter, in einer schmalen Seitengasse hüpft ein Männlein auf einem Bein und summt fast beiläufig das Lied vom Rumpelstilzchen. Jetzt bleibt es stehen. Es wendet sich zu dem Tor, das in den Hinterhof führt, und geht hinein. Dort besieht es sich zufrieden einen Wald von steinernen Figuren. …

Für ernst geht das schon in Ordnung aber willi kommt mit dieser Geschichte immer noch nicht klar.
1990/2017

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Blick aus dem Fenster

Ein dreifarbiger Hund beschnüffelt den Weg. Die Holztauben spielen Verstecken. Ein Amselkommando geht Würmer jagen und die Kohlmeisen können sich mal wieder nicht für den richtigen Zweig entscheiden.

Wolken. Was, wenn jetzt die Sonne schiene?

Ganz oben in der Esche sitzt Frau Elster, wippend, und hält Ausschau nach hilflosen Opfern. So schön und so niederträchtig. Ansichtssache, wird Herr Elster so gleich einwenden. Es scheint, als seien die Enten auf Betriebsausflug.

Ich stelle mir vor: Fünfundzwanzig Hausenten unter Führung einer Pommerngans besichtigen die Wartburg. Dazwischen ein paar Stockenten, die sich natürlich daneben benehmen. Nun ja, man kennt das, und schließlich ist nicht alle Tage Betriebsausflug. Quak.

Ich frage mich gerade, wer hält da wen fest: Der Herr mit Hut und Bogartmantel seinen Aktenkoffer? Oder der Aktenkoffer den Herrn mit Hut und Bogartmantel. Die Bäume schütteln überlegen mit den Köpfen.-

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Schnell sein ist manchmal sehr anstrengend – hinterher.

Komischerweise sagt man dazu ‚vorschnell‘. Meiner Meinung nach máte das ja ‚hinterherschnell‘ heißen, oder so. Gestern hatte ich Dich gelöscht. Heute Morgen habe ich Dich gerettet (heißt wirklich so). Obiges kommt dabei raus, wenn man schnell mal eben …

So, jetzt muss ich was tun und darum schreibe ich nachher erst weiter. Für die Rettung danken wir dir herzlichst Arny-Baby! (Computer).

Ps.: Die Enten sind von ihrem Betriebsausflug wieder da. Sehen ganz schön fertig aus, diese Vögel.

Ps.: Ps.: Arny brummt zufrieden – ich auch. Eben hast Du Dich auf diese Bank da unten gestellt. Schönes Bild, das. Hast Du den roten Busch bemerkt? Ziemlich genau hinter Dir, weia! Was jetzt kommt, das kannst Du Dir ja denken.

Denk mal: …………………………………………………………………………….. reicht’s? nein? Okay noch’n bißchen: …………………………………….! So, jetzt reicht’s aber.

Gerade kommt mein Lieblingskind angelaufen und bleibt mitten auf dem Weg stehen. Es sieht sehr konzentriert aus. Wichtiges bahnt sich an. Jetzt popelt es sehr ernsthaft in seiner Nase. Du glaubst gar nicht wie tief so ein Kleines popeln kann. Und mit Hingabe!

Glücklicherweise ist die Mama nicht in Sichtweite. Die verbietet sowas. Es popelt immer noch, angestrengt. Ah, geschafft! Und jetzt Süßes, wohin mit dem Schatz? Genau! Richtig! Ins andere Nasenloch. Wegen dem Gleichgewicht. Beeil dich Kleines, Mama hat dich entdeckt und wedelt mit dem Taschentuch.

Mama sieht verzweifelt aus. Jetzt soll sich die Süße die Nase putzen. Nein. Doch. Nein. Doch. Nein. Doch. Doch. Doch. Doch! Mittwochs um 15 Uhr 5 wird ein ungezogenes Popelkind aus dem Stadtpark abgeführt, zwecks weiterer Erziehung …

© willi 1990

[Noch ein Nachsatz: 1990 habe ich den Drucktreiber für den IBM-Proprinter dann selbst geschrieben. Es war einfach notwendig. Da ging sowas noch. – Geht heute wohl auch, ich habe nur vergessen wie.]

Zeitlos

Kumma, kumma, kumma, watt macht der denn da?
Kumma, kumma, schon widder. Watt macht der da?

Ja, weiss ich doch auch nich. Macht der eben!
Da kannse ma sehn, watt man so machen kann! Mittn am Tach.

Ja eben nicht, du Doofmann! Siehs doch gar nix, steht da so rum.
Watt macht der da?!

Ja eben nix, selber Doofmann! Rumstehn eben! Und überhaupt, watt willsse denn, lassn doch.
Iss doch schön, wenn einer nur so rumsteht! Soll er liegn?

Quatsch, watt machen soller. Ein Mensch muß doch watt machen!
Kann doch nich einfach so rumstehn!
Kumma, kumma, steht schon widder da, und macht nix! Soll datt?

Ja weiss ich auch nich. Jetz laß mich endlich in Ruhe mit dein ‚Kumma macht nix‘.
Iss doch alles Quatsch, ker. Gehn wir jetz und lassn ihn stehn, wenner stehn will … komm jetz …

Ich glaub et nich! Finnse wohl gut, wa? Mittn am Tach, so rumstehn und auch noch grinsen.
Kumma, kumma! Und jetz geht er!

Ja prima, wirssen wohl verscheucht haben, Doofmann! Sah doch so schön aus! Und so besinnlich.
Wenn wir jetz noch ma ein sehn, dann hällse einfach mal die Klappe!
Sonns geht der widder so schnell und wir könn kuckn, watt wir machen. Son Mist!

Ach iss doch alles Quatsch, so rumstehn mittn am Tach! Zum Deubel damit, Doofmann!

Gleich krisse se. Selber Doofmann!

Hau dir selber gleich ein rein! Doofmann!

Sach datt noch mal, Doofmann!

Hau dir gleich ein rein! …

Diese Zwei haben sich noch bis in die Dämmerung so unterhalten. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Geht mich ja auch eigentlich nichts an. Gestern, jedenfalls, sah ich sie friedlich, unverletzt und guter Dinge beim Stadttor auf einer Bank sitzen und gestikulieren. Ich war etwas in Eile.

Ps.: ‚Kumma‘ bedeutet auf Hochdeutsch soviel wie guck mal, schau einmal aber auch sieh mal einer an in Sinne von denk doch mal nach. Hier ist also so ein Begriff wie Wundern auch angebracht.
‚Kumma‘ wurde zu ‚Zeitlos‘, weil es möglicherweise eine Daseinsform, und nicht so leicht zeitlich einzuordnen ist. Von daher habe ich die Überschrift und den Begleittext etwas geändert.

1989/2014, willi.

Kommt so einer

Kommt so einer
stiefelschwer und spatenstark.
Mustert die Bäumchen, die noch nicht wissen,
welche Frucht sie einmal tragen werden – gerade,
dass sie ahnen einen Stamm zu haben,
und verwundert nachdenken, warum
ihre paar Blätter bunt am Boden liegen.
Kommt so einer und
nach zielsicherem mustern
setzt er seinen Spaten an.

Armes Bäumchen.
Ich kann deinen Schrecken so gut fühlen:
Er gräbt dich aus, reißt was ab
und nimmt dich mit.
Hättest du dich entscheiden können,
wärst du geblieben.
Aus Furcht vor dem Riss;
armes Bäumchen, wächst alles nach.

Woher
sollst du auch verstehen,
dass der Stiefelschwere
sein Handwerk versteht?
Dass der Spatenstarke,
Bäumchen liebt?

Du wirst lange brauchen, um zu verstehen,
dass es liebe ist,
wenn er auf dich zutritt mit Eimern,
um dich zu begießen,
wenn er einen Pflock neben dich schlägt,
um dich zu binden,
wenn er dich beschneidet,
um dir Luft zu verschaffen.

Wenn du alt bist erst,
wirst du begreifen,
was mit dir geschehen ist.
Wenn du alt bist erst,
wirst du wissen,
wozu du genommen wurdest.

1988/2014

 

Betrachtung über die Flöte

Alles eine Frage der Phrasierung.*

Eine Flöte die piept öfter. Daher wohl auch der Ausdruck bei dir piepst wohl – immer auch wenn jemand flöten geht. Piepmätze flöten seltener, gehen dafür aber öfter mal flöten. Man sieht, alles in der Welt hat einen Zusammenhang.

Eine Flöte ist hohl und undicht, wegen der Löcher. An dieser Stelle macht sich ein, mir sehr unangenehmer, Gedanke breit: Was ist ein Loch? Ein Loch ist, wenn etwas nicht da ist. Ein Rand darum gehört dazu. Sonst wäre es ja Nichts. Wenn jemand nicht da ist, kann sich – unter Umständen Leere einstellen. Das jedoch ist nicht Nichts.

Also. Eine Flöte kann sehr reizvoll sein, richtig gehandhabt. Ohne Löcher wäre eine Flöte bloß eine Pfeife und als solche nur in der Lage unangenehme Töne zu erzeugen.

Jemandem die Flötentöne beibringen, kann man auch ohne Instrument. Man selbst braucht eigentlich nur Geduld und etwas Einfühlungsvermögen, solange der andere nicht drauf pfeift. Hier wird es jetzt ungereimt. Weil, wenn der nicht drauf pfeift, heißt man ihn dann Pfeifenheinrich. Ich glaube wirklich, es müsste in Wirklichkeit Flötenheinrich heißen.

Das ist sonnenklar, denn man bringt gewöhnlich einem die Flötentöne bei, indem man ihn ständig löchert und so. Auf jeden Fall tanzt der dann nach einer Pfeife. Aua, jetzt habe ich mich doch verfranst. Nun, das werde ich jetzt einfach beiseite legen, für später. Man muss auch mal auf etwas verzichten können!

Viel dringlicher scheint mir hier der Übergang zu willi. Gar nicht so selten nämlich wird so ein Pfeifen- oder Flötenheinrich von Fremden auch willi genannt. Es gibt auch Gegenden, da heißt es jedoch ungeniert Pfeifenheinz oder auch armer Wilhelm.

* Phrasierung, die: …Wie beim Heben und Senken der Stimme, Kürzen und Dehnen von Silben in der Sprache folgen auch in jeglicher Musik nie Töne gleichen Ranges aufeinander. Tonfolgen besitzen immer eine Struktur, z. B. durch Schwerpunkte melodischer, rhythmischer oder harmonischer Art, so dass sich einzelne Tongruppen (Motive) von anderen abgrenzen. …
Zitiert aus https://de.wikipedia.org/wiki/Phrasierung

Nachsatz: Oft geht das tagelang so. Unter uns: Manchmal ganz schön aber auf Dauer auch anstrengend. ernst.

Wenn das nicht so war, ist auch egal [V]

Hubert

Hubert M war total besoffen und hatte deswegen Nasenbluten. Wir waren im Eiscafé Venezia und tranken Espresso, um wieder einigermaßen klar zu werden. Der Chef kannte uns längst, denn nach der Schule trafen wir uns oft dort.

Das aber durfte Hubert nicht machen. Versaute das ganze Klo mit seinem Blut und seiner Kotze. Vorher hatte er sich noch in die Parkanlagen gelegt, voll Rotze und Blut. Sah schrecklich aus. Das also war die sog. Mittlere Reife! Schulentlassung – Abschied.

Der heulte wirklich wegen mir – oder er bildete es sich ein. Auf jeden Fall sagte er immer, dass er mich vermissen würde. Das bekümmerte mich und es verwunderte mich auch. Hubert war so ein Außenseiter. Immer irgendwie dabei aber nie wahrgenommen. Ich weiß nicht warum, jedenfalls hatte ich nie wirklich Kontakt mit ihm.

Aber an diesem Tage hatte ich ihn am Hals; es brachte mich dazu, seine Kotze und das Blut weg zu machen – mit Servietten! Das dauert ewig und am Ende sieht man selbst bekotzt aus. Der Chef beruhigte sich dann trotz allem wieder und wir gingen. Hubert haben wir so nach Hause verfrachtet und wie der Nachmittag dann zu Ende ging, ich weiß es nicht mehr.

Die Marty-Feldmann-Zeit

Es war die Marty-Feldmann-Zeit. Jürgen M wußte immer die neuesten Sketche von Marty Feldmann und konnte auch so gucken. Ich war die Stimme. Wir hatten auch eine Nummer einstudiert, die wir der bekloppten Englischlehrerin servieren wollten, sind aber immer nur bis zur Generalprobe gekommen. Das hat unserem Ruhm in der Klasse aber nicht wirklich geschadet. Schließlich probten wir immer in der Pause.

Bis heute bin ich so ein Pausenprober geblieben. Wenn der Kohlenkastenblues in mir aufsteigt, mache ich oft für mich den Pausenclown. Manche meinen, ich mache es für sie. Eine Art Zimmertheater, oder so. Ich hatte so verdammt viele Freunde. Immer schön der Reihe nach.

Es gibt Leute, die gehen auf ein Fest in eine Stadt, irgendwo, wo sie früher mal gewesen sind. Die treffen da fünfzig Bekannte und lachen dabei. Egal wo ich hingehe, ich treffe mit Unglück einen, dann auch noch im falschen Augenblick.

Sorry, jetzt bin ich wieder in der Stadt mit dem großen O gelandet. Das ist meine Kohlenkiste. Ich glaube, wenn man meint, man hätte einen Freund gefunden gehört dazu, dass man fühlt, es sei für immer. Dieser Satz ist so verschachtelt und blöd gebaut, wie er wahr ist. Für mich, jedenfalls.

Freunde finden ist ganz leicht. Da reichen manchmal schon zwei Bier oder andere Nachlässigkeiten. Jeder hat es wohl schon Mal bemerkt: Freundschaften können schmilzen, wie der Schnee in der Frühlingssonne. Und trotzdem hat der Ausdruck Freund so etwas Ewiges. Es gibt Sicherheit – egal ob es sich um ein Mädchen oder um einen Jungen handelt.

Verlieren ist nicht schön.

Das macht keinen Spaß. Auch nicht, wenn man sich öfter damit beschäftigt. Nachdem der Prinz sich für seine Taten hatte feiern lassen, fand er sich in der Wüste wieder. Er fühlte unter den Sternen seine Kleinheit. Ich wollte nie der Erste sein, weil ich es hasse, wenn man mir ungefragt auf die Schulter klopft.

Hab nichts gegen Sympathie, misstraue aber Schulterklopfern. Dabei habe ich wohl übersehen, dass Schulterklopfen und Konversation notwendige Rituale sind. Man kann sich ja nicht ständig hauen oder umarmen. Wir sind darauf angewiesen unsere Instinkte zu zügeln. Das habe ich nie wirklich begriffen. Ich kann dich nicht umarmen, weil ich fühle, dass deine Nähe mir gut tut (und ich weiß, dir geht es ebenso).

Geschieht es doch, ist der Preis allgemeine Konfusion. Das gute Gefühl im Bauch schlägt um in Unsicherheit. Plötzlich sind Bausparverträge in Gefahr. Das ist ein Grund, warum Männer sich besaufen. Oder Geld verdienen, oder beides. Oder beides wollen und nur eins von beiden tun.

Treibsand

Ich verzichte an dieser Stelle auf Schmähungen der weiblichen Hemisphäre. Die kann das dieses mal mit sich selbst ausmachen. Wer das nicht verstehen will, kann mich gern haben (im Wortsinn). Wenn du dir auch nur vage vorstellen kannst, was Treibsand ist, dann weißt du, wie das bei mir abgeht, wenn ich einen Menschen treffe. Und wenn du eine Ahnung von Beton hast, dann weißt du, wie das bei mir abgeht, wenn wir Konversation treiben.

Für dein Lächeln bringe ich mich um. Na ja, das ist auch so ein Bild: immerhin werde ich ziemlich wetzen, damit du lächelst. Und wenn ich dich umarme, dass die Glieder knacken, ist es der triviale Versuch die Biologie zu überlisten. Die übliche Einzelhaft des Menschen soll außer Kraft gesetzt werden.

Solches wird landläufig auch Liebe genannnt. Das ist lächerlich. Die Bausparverträge wollen nicht tatenlos zusehen. Sie zähmen die Instinkte beständig. Es gibt nur dieses eine Thema: hilflos verliebt zu sein; oder hast Du schon mal einen Bausparvertrag geknutscht?

Die größte Sicherheit ist die einer schlaflosen Nacht.

Some pity-gritty anyphrases

Wanted you to make my day
anyway and anywhere.
Got the blues, today
my definite affair.

So, as you felt wrong
while rooming my air
I imagined that song
because you wouldn’t dare.

Now, all – I did – was wrong
anyhow in any way.
Regarding that never ending song
I dearly want you, to make my day!

Although you wouldn’t so
nothing else there is to say
I’d rather like you though
anyhow in any way.

willi (1989/2013)

Alternative Boxbude

Hereinspaziert, hereinspaziert
hier läuft es heute wie geschmiert
wir haben keine mühe gescheut
zu zeigen, was das volk erfreut

Komm’se her, bleiben’se stehen
hier gibt’s was dolles anzusehen
die sensation, die alles von den stühlen reißt
(was schon der andrang hier beweist)

So mancher, der mal hier gewesen
ist von dem schock nicht mehr genesen
ja, nur nicht drängeln junger mann
in diesem haus kommt jeder dran

Ich kann sie ja so gut verstehen
sie wollen auch das monster sehen
der schauer ist nun sehr phantastisch
und das erleben wirklich plastisch

Und glaubt’s nur, ich mach keine witze
das ding heißt die ‚beziehungskiste‘
so, nun mal ran, nun mal ran
gleich fängt die schose wirklich an.

Erwachsene ’nen heiermann, jugendliche die hälfte.

DIE BEZIEHUNGSKISTE: ein Gesellschaftsspiel für mindestens 2 Personen; mit der Anzahl
der Mitspieler erhöht sich allerdings der schier unnachahmliche Reiz dieses Spiels. Es
empfiehlt sich jedoch, bei mehr als zwei Mitspielern, in lockerer Mannschaftsformation
anzutreten, da sonst schon nach wenigen Spielrunden ein vollkommenes Chaos
unvermeidlich auftreten wird.

Bei Ausfall eines – oder mehrerer – Mitspieler ist im Interesse eines reibungslosen Spielverlaufs für genügend Ersatzspieler zu sorgen. Im Idealfall kann auf eine, möglichst vor Spielbeginn angelegte, Reserveliste zurückgegriffen werden. Der neue Mitspieler bekommt einen einmaligen Startbonus, er kann als JOKER gezogen werden. Die Spielregeln sind im übrigen  denen des THAI-BOXEN nicht unähnlich.

Wir danken für ihre Aufmerksamkeit.

mick (1989/2013)

Der Bergtourist

VONZEITZUZEITSOLLTENSIEIHRENVERSICHERUNGSCHUTZüBERPRüFENUNDAKTU
ALISIERENLASSENDERVERSICHERUNGSBEDARFVERäNDERTSICHIMLAUFEEINESLE
BENSDURCHVERäNDERTEBESITZUNDEIGENTUMSVERHäLTNISSEFAMILIENSTANDA
LTERANZAHLDERKINDERDAMACHTSICHDERRATEINESFACHMANNESBEZAHLT!MA
CHENSIEDENSORGLOSTESTBEIDEMVERSICHERUNSFACHMANNIHRESVERTRAUENS
LASSENSIESICHKOSTENLOSEINERUNDUMBERATUNGVERPASSEN..

Im gegenlicht der eigernordwand
baumelt – seicht im abendwind –
der bergtourist.
keck deutet die gequollene zunge
auf das tal;
die verdrehten augen bezeugen
verachtung für sein
sicherungsseil,
das ihn stranguliert.
er hat jetzt keine angst mehr
vor dem absturz,
totsicher.

VONZEITZUZEITSOLLTENSIEIHRENVERSICHERUNGSCHUTZüBERPRüFENUNDAKTU
ALISIERENLASSENDERVERSICHERUNGSBEDARFVERäNDERTSICHIMLAUFEEINESLE
BENSDURCHVERäNDERTEBESITZUNDEIGENTUMSVERHäLTNISSEFAMILIENSTANDA
LTERANZAHLDERKINDERDAMACHTSICHDRRATEINESFACHMANNESBEZAHLT!MA
CHENSIEDENSORGLOSTESTBEIDEMVERSICHERUNSFACHMANNIHRESVERTRAUENS
LASSENSIESICHKOSTENLOSEINERUNDUMBERATUNGVERPASSEN..
..

mick/1989

Siehe dazu auch den Artikel: Ich habe einen Vogel!

Zwieback

möchte dir eine geschichte erzählen.
eine geschichte, deren anfang mir entfallen,
deren ende mir unvorstellbar
und deren hauptteil mir unklar
ist.

die teile verschwimmen und tanzen
vor meinen augen eine polka für mich
bisweilen erwische ich einen zipfel
sie zerbröseln in meinen
händen

wie zwieback.
das knirscht unangenehm unter den schuhen
wird durch das ganze haus getragen.
BRANDT`S MARKENZWIEBACK
MAN NEHME:

EIN KILO MEHL marke BÄCKERBLUME
EIN PÄCKCHEN HEFE damit die sache schön geht
EIN EIDOTTER damit die sache schön glänzt
UND WASSER für die feuchtigkeit. ansonsten
manschen.

mengen, kneten, in form bringen
und gehen lassen. die sache SICHGEHENLASSEN
FETT habe ich vergessen, fett nicht zu knapp bemessen.
und immer: manschen, mengen, kneten
usf..

ja und dann die hitze.
alles schön der reihe nach
manschenmengenknetensichgehenlasseninformbringen
hitze. zweimalzwiemal von daher
ZWIEBACK.

in appetitliche scheiben teilen
schön verpacken
gegen feuchtigkeit schützen.
dann bleibt er lange so knusprig,
wie wir ihn mögen..

– im lichte der küchenlampe saßen wir, zu zweit
am hölzernen tisch und auf stühlen
und hatten des abends öfter mal zeit
an unsern körpern den zwieback zu kühlen
früher
war das mal eine sinnliche angelegenheit