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Rumpelstilzchen_ still standig

Frühling. Die Vögel waren geschäftig dabei, ihre Verhältnisse zu regeln. Die Abendluft hat sich bereit erklärt, alle meine Sinne zu verwöhnen. Ich weiß auch nicht wie plötzlich diese Stadt jetzt daherkam. Weiß nicht einmal, welche es war. Nicht klein und nicht groß war diese Stadt. Diese Stadt ist so schön, wie eben eine Stadt schön sein kann. Und, diese Stadt ist eben so häßlich, wie eine Stadt häßlich sein kann. Ein bißchen langweilig und ein bißchen aufregend.

Eine Allerweltsstadt im Frühling also. Dieser Frühling kam zu früh. Und obwohl wir uns über Unregelmäßigkeiten mokieren, nehmen wir es doch hin, weil wir die kalten Füße satt haben. Wir erlauben uns die Kumpanei mit den Unregelmäßigkeiten, denn wir versprechen uns kleine Nettigkeiten.

Ein Mann geht eine Straße entlang. Da begegnet ihm ein zweiter. Kommt gerade auf den Mann zu. Der Mann will ihn ignorieren. Doch der andere ist schon da. Faßt ihn beim Arm und fragt unverhohlen, wo er denn hin wolle, so spät noch. Der Mann antwortet widerwillig, er wolle voran, habe es eilig. Was er denn dort vorhabe, will der andere nun wissen. Zurückschauen! sagt der Mann und will nun endlich weitergehen.

Doch der andere schlägt jetzt vor, dass sie von nun an zusammen gehen, weil er – der andere – das gleiche Ziel habe. Zusammengehen, wiederholt er, und blickt entschlossen den Mann an,  der es jetzt noch eilig hat. Der Mann – seinerseits – hält den Fremden für einen Lügner und nimmt an, dass er aus der Bahn geworfen werden soll; traut sich aber nicht, es zu sagen (wohl aus Höflichkeit). Statt dessen versucht er sich frei zu machen, von dem anderen. Noch immer hält der Fremde den Mann beim Arm. Der Mann fühlt sich jetzt etwas eingeengt.

Zu diesem Zeitpunkt geht die Sonne unter, und die Laternen werden hell, als ob sie um Erlaubnis fragen müßten. Die Vögel haben fürs erste ihre Verhältnisse geklärt, und sind stumm geworden. Auch die Männer sind stumm, rühren sich nicht von der Stelle. Als die Sonne aufgeht, stehen sie immer noch dort. Sprachlos. Blicken knapp aneinander vorbei und können sich nicht lösen, weil sie Stein geworden sind.

Auch die Vögel bleiben stumm, wie eine Versammlung, die eine lebenswichtige Entscheidung abwartet. Schritte sind zu hören. Eilige und wichtige Schritte. Eine Woge von Schritten überspült den Weg mit den – nunmehr – Steinernen und Betriebsamkeit erfüllt die Luft. Die Menschen verfolgen ihre morgendlichen Ziele, vorbei an den Steinernen. Man hält sie wohl für ein Denkmal, überflüssig und etwas störend mitten auf dem Weg.

So schlängelt sich ein Menschenstrom, bisweilen rempelnd, an ihnen vorbei. Von Zeit zu Zeit stockt der Verkehr und man ärgert sich über unvorhergesehene Verzögerungen. Auch hört man Bemerkungen über die Verwaltung, die solchen und ähnlichen Unsinn genehmigt. Schließlich hat jeder wichtigere Ziele, als hier seine Zeit zu vergeuden. Verkehr muß fließen! Verkehr muß fließen.

Zwei Ecken weiter, in einer schmalen Seitengasse hüpft ein Männlein auf einem Bein und summt fast beiläufig das Lied vom Rumpelstilzchen. Jetzt bleibt es stehen. Es wendet sich zu dem Tor, das in den Hinterhof führt, und geht hinein. Dort besieht es sich zufrieden einen Wald von steinernen Figuren. …

Für ernst geht das schon in Ordnung aber willi kommt mit dieser Geschichte immer noch nicht klar.
1990/2017

Schon wieder

…ein voller Mond.

Das passiert doch monatlich. (Nicht, dass wir das vergessen.)
Um es mit Jochen Malmsheimer zu sagen: Früher war nicht alles besser.
Vieles war aber immerhin brauchbar.

Das nette ist ja, dass unsere Vorurteile nichts mehr Wert sind.
Geiz ist eben geil.
Denkste!

So ist es aber auch umständlicher. Auf nichts scheint mehr Verlass.
Außer dem Vollmond (den kaum einer mehr wahrnimmt).
Statt dessen sind wir alle verlassen.
Wir sind ja so beschäftigt.

War der Prüfauftrag einstmals die Kür
ist er nun verbindlich für alles und jeden.

PS.: Dazu gibt es nochmal Jochen Malmsheimer. Dieses Mal im ICE unterwegs.

Gestern Abend war schon wieder Vollmond

Um es mit Jochen Malmsheimer zu sagen: Früher war nicht alles besser. (Das Wurstbrot)

Vieles war immerhin brauchbar.

Das nette ist ja, dass unsere Vorurteile
nichts mehr Wert sind.
Geiz ist eben geil.

So ist es aber auch umständlicher.
Auf nichts ist mehr Verlaß.
Statt dessen sind wir alle verlassen.
Oder werden es.

War der Prüfauftrag die Kür
ist er nun verbindlich für alle und jeden.

PS.: Dazu hatte ich Leonard Cohen im Ohr. Er singt Dance Me to the End of Love

Spatenforschung

Still crazy after all these years. P. Simon

Weil willi sich der Tragweite dieses, und auch ähnlicher, Gedanken bewusst war, hatte er beschlossen, in aller Stille sich dieses Themas zu widmen. Schließlich war er ja privat unterwegs. willi wurde jedoch an seinem Projekt gehindert. willi war kein Systematiker. Im Gegenteil.

Er ließ sich all zu oft einschüchtern von der Mächtigkeit der Aufgaben, denen er, von Zeit zu Zeit, gegenüberstand. So auch hier. willi kniff, ließ sich treiben. Schließlich gelangte er – gewiss über Umwege – zu dem Punkt, die semantische Umgebung des Begriffes Spatens näher zu betrachten.

Bei der willi anhaftenden Schluderigkeit konnte auch dies schlechterdings Ergebnisse minderer Qualität zeitigen. Aber willi brauchte dieses Thema. Jetzt! willi sah sich plötzlich gezwungen die Spatenforschung voranzutreiben. Es ist daher für den Betrachter müssig, jedweden Gedanken an willis Gründe zu verschwenden. Das Kind war quasi schon in den Brunnen gefallen. Plumps.

Der Spaten als solcher, so fand willi heraus, ist funktional eindeutig belegt. Er war erleichtert, dass er zu diesem Gedanken gefunden hatte. Gerade, als willi sich selbstzufrieden zurücklehnen wollte, überfiel ihn wieder diese Unruhe. Aber daran war er nicht ganz unschuldig, er musste ja nachschlagen! Für die Ahnung eines Augenblicks zögerte er, um dann auf später zu stossen.

Auf Spaten folgt später! Und damit nicht genug: spät – später – zu spät. So seine Überlegung. Es war infam. willi konnte sich nicht lösen. Und, es sollte noch schlimmer kommen. Das ging wie im Galopp (kommt noch, kommt noch).

Spasmen und Spaß! willi sah sich einem anrückenden Schweißausbruch ausgeliefert. Dann: Spat, was eine – ihm bis dahin unbekannte – Pferdekrankeit ist. willi konnte etwas Luft holen bei der Betrachtung dieses Ausdrucks.

Eine kurze Linderung seines allgemeinen Zustandes, denn was um alles in der Welt war der Zusammenhang zwischen der Sequenz von früh bis spat mit der o.g. Pferdekrankheit und einem gewöhnlichen Haushaltsspaten? willi wußte nicht, wie er das alles unter einen Hut bringen sollte. Er fürchtete ernsthaft um seine Nachtruhe.

Erschöpft ließ er sein Auge nach unten wandern und fand nach Spätgotik und Spätgeburt den Ausdruck Spatikum, was soviel wie Zwischenraum bedeutet. Im Zusammenhang mit dem nun folgenden Spatz, der ihn unweigerlich an eine Spätzin erinnerte, fühlte unser willi die nun drohende Agonie auf sich hereinbrechen.

Da konnte auch ein an sich frohgestimmtes Spätzle auch nichts mehr ausrichten, zumal er Nudeln sowieso nie sonderlich zu schätzen gelernt hatte. Spektabel, was etwa ansehnlich bedeutet, führte willi – schon merklich geschwächt- über Spekulatius zu dem verhängnisvollen Ausdruck: spekulativ. Ermattet ließ Willi den Duden zu Boden gleiten und erklomm mit letzter Kraft das Bett.

Mach Dir nichts draus willi, und schlaf gut!

Anmerkung:
Es fing alles damit an, dass ich im Baumarkt vor dem Regal mit den Spaten stand. Meiner Konstitution folgend habe ich mich dann doch für einen handelsüblichen Damenspaten entschieden. Dieser Spaten ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Schließlich hatte ich damit einiges vor. Die Flächen lächelten mich überlegen an. So etwas verbindet. Das Fräulein von damals habe ich längst aus den Augen verloren. Zuletzt hörte ich, sie sei mit ihrem Prinzen sehr glücklich. Das ist auch gut so.

Den Spaten habe ich immer noch. Es war ein guter Kauf. Ich habe sogar einmal eine etwas metaphysisch anmutende Wette wegen ihm gewonnen. (Ich spiele sonst nie.)

mick (1987/2013, 2015)

Das Ding mit der gemeinsamen Sache

Es gibt Dinge, die gehen gar nicht.

Jemanden drangsalieren, zum Beispiel. Geht nicht!

– Versteht sich.

Oder gar töten – geht natürlich auch nicht. Versteht sich von selbst.

– Ist ja wohl logisch.

Metadings, Kant oder so.

– Hä?

Alles, was schon mal gedacht wurde, ist in der Welt.

– Wie jetzt?

Auch wenn es nur so rumsteht. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

– Also, das ist doch infam!

Ja. Aber wozu widerspricht man sich?

– Hörmal, das is‘ jetzt abgefahrn.

Man widerspricht sich, um Dinge zu klären… die nicht klar sind?

– Ja, auch das noch.

Sein Ding aber macht jeder für sich.

– Geht doch…

Natürlich kann man gemeinsame Sache machen, anders.

– Ja, nee. Is klar.

Bemerkung zu Graf Öderland

Willie’s Heartbreak Hotel

Don_Quichote

Die paar Windmühlen, die zu bekämpfen sind, wollen wir selbst bestimmen.

„Sein Irrtum besteht darin, zu meinen, daß er damit die anderen zwinge, ein gleiches zu tun…“ (S.354)

Willie’s Heartbreak Hotel war mal ein ziemlich berühmter Schuppen im In-Viertel der Stadt. Er ist immer noch angesagt. Dahin gezogen hat es mich nie wirklich.

Obwohl der Name schon verlockend war – und ist !
Vor langer Zeit bin ich einmal drin gewesen und dann prompt ziemlich versackt. Das Bier dort war nicht mal nach meinem Geschmack.

„Manchmal schon, früher, hatte ich dieses Gefühl, es ist eigentlich das einzige, woran ich mich erinnere, so ein blödes Gefühl, daß man irgendwo erwartet werde, anderswo, und daß man irgend etwas ganz Bestimmtes machen müßte!“ *

In dem Tagebuch gibt es einen Dialog zwischen Graf Öderland und seiner späteren Geliebten **:

„Woher kennen wir uns eigentlich?“
„Alle Menschen kennen einander…“
„Meinst du?“
„Wenn sie sich selber kennen.“

Zurück zum Heartbreak Hotel. Die Nacht verlief übrigens damals sehr erfolgreich. Es wurde daraus eine Freundschaft, die lange trug. Weil sie auf einem Irrtum beruhte, musste sie dann doch irgendwie zu Ende gehen.

[Eigentlich ging sie nicht zu Ende. Sie verlief sich einfach. So etwas gibt es auch. Wie ich damals nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Im Nachhinein ist das auch nicht von Belang.]

Weiterhin lässt Frisch den Grafen Öderland sagen „…im Grunde sind es drei oder fünf Menschen denen wir ein Leben lang begegnen, immer die gleichen, und wenn man um die Erde liefe, da ist immer ein Mädchen, ein Gesicht wie das deine, jung, ernst, schüchtern und verwegen zugleich wartend, gläubig, fordernd und da ist immer ein Gendarm, der wissen muß, wie man heißt, wohin man geht, und immer, wenn man gehen will und nichts als gehen, gibt es Stäbe…“ ***

Willie’s Heartbreak Hotel

Die Kneipe gibt es immer noch. Nach ihrer Karte zu urteilen, haben sie die Biersorten geändert. Und das Publikum ist lange ein anderes. Ansonsten ist alles wohl so geblieben. Nur älter halt.

„Wir haben eine Quantenlehre, die ich nicht verstehe, und keiner ist aufzutreiben, der alles zusammen versteht, keiner, der unsere ganze Welt in seinem Kopf trüge; man kann sich fragen ob es überhaupt eine Welt ist. …“ (S.450)

Oder:

„Man fragt sich manchmal, inwiefern eine Gegenwart überhaupt erlebbar ist. Könnte man unser Erleben darstellen, und zwar ohne unser Vorurteil, beispielsweise als Kurve, so würde sie sich jedenfalls nicht decken mit der Kurve der Ereignisse; eher wäre es eine Welle, die jener anderen verwandt ist, die ihr vorausläuft und wieder als Echo folgt; nicht die Ereignisse würden sich darstellen, sondern die Ereignisse der Ahnung, die Anlässe der Erinnerung. Die Gegenwart bleibt irgendwie unwirklich, ein Nichts zwischen Ahnung und Erinnerung, welche die eigentlichen Räume unseres Erlebens sind; die Gegenwart als bloßer Durchgang; die bekannte Leere, die man sich ungern zugibt.“ (S.451f)

Während eines Ausflugs in die Schweiz, nahe Schaffhausen stand ich plötzlich vor einem alten Fachwerkhaus. Ein Metzger, der es einst im Besitz hatte – vielleicht im beginnenden neunzehnten Jahrhundert – ließ wohl folgende Inschrift an die Fassade anbringen:

Dies Haus ist mein und doch nicht mein. Das Leben ist kurz.
Es wäre für willi sicherlich sehr interessant zu wissen, was sich dieser Mensch dabei gedacht hat.

* S.417, ** S.418, *** S.419

Max Frisch: Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Bd. II. Hier: Tagebuch 1946-1949. (Bemerkung zu Graf Öderland.) Suhrkamp-Taschenbuch. Frankfurt 1998. ISBN 3 518 06533 5

Blick aus dem Fenster

Ein dreifarbiger Hund beschnüffelt den Weg. Die Holztauben spielen Verstecken. Ein Amselkommando geht Würmer jagen und die Kohlmeisen können sich mal wieder nicht für den richtigen Zweig entscheiden.

Wolken. Was, wenn jetzt die Sonne schiene?

Ganz oben in der Esche sitzt Frau Elster, wippend, und hält Ausschau nach hilflosen Opfern. So schön und so niederträchtig. Ansichtssache, wird Herr Elster so gleich einwenden. Es scheint, als seien die Enten auf Betriebsausflug.

Ich stelle mir vor: Fünfundzwanzig Hausenten unter Führung einer Pommerngans besichtigen die Wartburg. Dazwischen ein paar Stockenten, die sich natürlich daneben benehmen. Nun ja, man kennt das, und schließlich ist nicht alle Tage Betriebsausflug. Quak.

Ich frage mich gerade, wer hält da wen fest: Der Herr mit Hut und Bogartmantel seinen Aktenkoffer? Oder der Aktenkoffer den Herrn mit Hut und Bogartmantel. Die Bäume schütteln überlegen mit den Köpfen.-

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Schnell sein ist manchmal sehr anstrengend – hinterher.

Komischerweise sagt man dazu ‚vorschnell‘. Meiner Meinung nach máte das ja ‚hinterherschnell‘ heißen, oder so. Gestern hatte ich Dich gelöscht. Heute Morgen habe ich Dich gerettet (heißt wirklich so). Obiges kommt dabei raus, wenn man schnell mal eben …

So, jetzt muss ich was tun und darum schreibe ich nachher erst weiter. Für die Rettung danken wir dir herzlichst Arny-Baby! (Computer).

Ps.: Die Enten sind von ihrem Betriebsausflug wieder da. Sehen ganz schön fertig aus, diese Vögel.

Ps.: Ps.: Arny brummt zufrieden – ich auch. Eben hast Du Dich auf diese Bank da unten gestellt. Schönes Bild, das. Hast Du den roten Busch bemerkt? Ziemlich genau hinter Dir, weia! Was jetzt kommt, das kannst Du Dir ja denken.

Denk mal: …………………………………………………………………………….. reicht’s? nein? Okay noch’n bißchen: …………………………………….! So, jetzt reicht’s aber.

Gerade kommt mein Lieblingskind angelaufen und bleibt mitten auf dem Weg stehen. Es sieht sehr konzentriert aus. Wichtiges bahnt sich an. Jetzt popelt es sehr ernsthaft in seiner Nase. Du glaubst gar nicht wie tief so ein Kleines popeln kann. Und mit Hingabe!

Glücklicherweise ist die Mama nicht in Sichtweite. Die verbietet sowas. Es popelt immer noch, angestrengt. Ah, geschafft! Und jetzt Süßes, wohin mit dem Schatz? Genau! Richtig! Ins andere Nasenloch. Wegen dem Gleichgewicht. Beeil dich Kleines, Mama hat dich entdeckt und wedelt mit dem Taschentuch.

Mama sieht verzweifelt aus. Jetzt soll sich die Süße die Nase putzen. Nein. Doch. Nein. Doch. Nein. Doch. Doch. Doch. Doch! Mittwochs um 15 Uhr 5 wird ein ungezogenes Popelkind aus dem Stadtpark abgeführt, zwecks weiterer Erziehung …

© willi 1990

[Noch ein Nachsatz: 1990 habe ich den Drucktreiber für den IBM-Proprinter dann selbst geschrieben. Es war einfach notwendig. Da ging sowas noch. – Geht heute wohl auch, ich habe nur vergessen wie.]

Naseweiß

Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich N a s e w e i ß . Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß.
Ich weiß  …

Pecunia non olet

Pecunia non olet

Pecunia non olet

Pecunia non olet *

Geld will beständig Wachsen.
Dafür braucht man keine Nase.
Geld hat ein gutes Gespür für Achsen.
Das schnüffelt keine Gase.
Und so ein Konto macht – bedingt – nur Faxen.

Die Liebe findet ihre Nase fein.
Auch den Bauch mit dem Gefühl.
Verhandlungen machen sie eher klein.
Und ist sie klein, dann wird ihr kühl.
So Liebe kann nur eines: sein.

Sitzen zwei in der Dämmerung am Kanal.
Plötzlich sagt einer: „Gestern habe ich hier einen Hecht rausgezogen, der war einen Meter lang.“
Darauf, der andere: „Ich hatte Gestern einen Kronleuchter. Zwölf Arme und die Lampen waren noch an.“
„Du hasse ja wohl nich alle,“ sagt darauf der erste, „die Lampen noch an!“
Es entsteht unmerklich eine Pause, wie sie nur Profies platzieren können.
Ohne jede Spur von Erregung, sagt dann der andere:
„Okay, wenn du deinen Hecht fünfzig Zentimeter kürzen kannst, dann lösche ich bei meinem Kronleuchter die Lampen.“
**

Ich erinnere den Film Jede Menge Kohle von Adolf Winkelmann, ein Heimatfilm aus dem Ruhrgebiet. In diesem Film gibt es eine Szene, in der ein Protagonist in der Garage seiner Siedlung ein Auto betrachtet und Rost diagnostiziert. Darüber kommt er ins sinnieren, was so alles unbemerkt vom täglichen Leben passiert.
Wie vieles Weltbewegende ereignet sich, während die überwiegende Mehrheit der Menschen im Bett liegt und dabei ruhig schläft.
Faszinierend.

Adolf Winkelmann: Jede Menge Kohle. Film 1981 (s. dazu auch einen Eintrag zum Film in Wikipedia.)

* Kaiser Vespasian
** Diese Geschichte wurde in Anglerkreisen der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts gern wiedergegeben.

Unsinn ist kein Quatsch

Entwürfe

Entwürfe

Bei dem Versuch, immer einen Fuß vor den anderen zu setzen
nicht auf Morgen blinzeln.
Ich stolpere.

Im Morgen angekommen
hat es sich schon auf den Weg nach Übermorgen gemacht.
Wieder nicht gewartet. Son Pech.

Mein Bus ist immer pünktlich wenn ich es fast auch bin.
Habe ich Zeit, hat er sie auch.
Irgendwas stimmt da nicht.

Weg ist weg.
Oder auch, weg ist Weg.
Das dauert (so oder so).

Im zweiten Fall dauert es etwa eine Stunde.
Tageszeit spielt eine, Rolle
Wetter spielt keine.

Unsinn ist kein Quatsch
oft aber merkwürdig, selten komisch,
lustig nur bedingt.

Quatsch ist ein Schmierstoff.
Ohne Schmiere knirscht es
(im Gebälk). Oha!

Gewollte Komik produziert gern Fremdscham.
Wer nicht über sich selbst lacht
hat Mitgefühl redlich verdient.

Lächeln hat was mit Anlachen zu tun.
Grinsen mit Verbrüderung
(oftmals mit der falschen Person).

> Neue alte Geschichte:
Der Stolperer