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Moralische Anatomie

Da hat mir kürzlich mitten im Bett
eine Studentin der Jurisprudenz erklärt:
Jungfernschaft sei, möglicherweise, ganz nett,
besäß aber kaum noch Sammlerwert.

Ich weiß natürlich, daß sie nicht log.
Weder als sie das sagte,
noch als sie sich kenntnisreich rückwärtsbog
und nach meinem Befinden fragte.

Sie hatte nur Angst vor dem Kind.
Manchmal besucht sie mich noch.
An der Stelle, wo andere moralisch sind,
da ist bei ihr ein Loch…

                                Erich Kästner

Entnommen aus: Das Erich Kästner-Buch. Hrsg. R.Hochhut. Artium Verlag AG, Zürich.

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Morgens und abends zu lesen

Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Daß er mich braucht

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen könnte.
 

                                Bertolt Brecht

Aus: Gedichte, die glücklich machen. ISBN 978 3 458 35997 5

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken

Ich habe dir nichts getan
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

                                Joachim Ringelnatz

Im Online-Lexikon Wikipedia gibt es zu diesem Künstler einen umpfangreichen Artikel.

Rumpelstilzchen_ still standig

Frühling. Die Vögel waren geschäftig dabei, ihre Verhältnisse zu regeln. Die Abendluft hat sich bereit erklärt, alle meine Sinne zu verwöhnen. Ich weiß auch nicht wie plötzlich diese Stadt jetzt daherkam. Weiß nicht einmal, welche es war. Nicht klein und nicht groß war diese Stadt. Diese Stadt ist so schön, wie eben eine Stadt schön sein kann. Und, diese Stadt ist eben so häßlich, wie eine Stadt häßlich sein kann. Ein bißchen langweilig und ein bißchen aufregend.

Eine Allerweltsstadt im Frühling also. Dieser Frühling kam zu früh. Und obwohl wir uns über Unregelmäßigkeiten mokieren, nehmen wir es doch hin, weil wir die kalten Füße satt haben. Wir erlauben uns die Kumpanei mit den Unregelmäßigkeiten, denn wir versprechen uns kleine Nettigkeiten.

Ein Mann geht eine Straße entlang. Da begegnet ihm ein zweiter. Kommt gerade auf den Mann zu. Der Mann will ihn ignorieren. Doch der andere ist schon da. Faßt ihn beim Arm und fragt unverhohlen, wo er denn hin wolle, so spät noch. Der Mann antwortet widerwillig, er wolle voran, habe es eilig. Was er denn dort vorhabe, will der andere nun wissen. Zurückschauen! sagt der Mann und will nun endlich weitergehen.

Doch der andere schlägt jetzt vor, dass sie von nun an zusammen gehen, weil er – der andere – das gleiche Ziel habe. Zusammengehen, wiederholt er, und blickt entschlossen den Mann an,  der es jetzt noch eilig hat. Der Mann – seinerseits – hält den Fremden für einen Lügner und nimmt an, dass er aus der Bahn geworfen werden soll; traut sich aber nicht, es zu sagen (wohl aus Höflichkeit). Statt dessen versucht er sich frei zu machen, von dem anderen. Noch immer hält der Fremde den Mann beim Arm. Der Mann fühlt sich jetzt etwas eingeengt.

Zu diesem Zeitpunkt geht die Sonne unter, und die Laternen werden hell, als ob sie um Erlaubnis fragen müßten. Die Vögel haben fürs erste ihre Verhältnisse geklärt, und sind stumm geworden. Auch die Männer sind stumm, rühren sich nicht von der Stelle. Als die Sonne aufgeht, stehen sie immer noch dort. Sprachlos. Blicken knapp aneinander vorbei und können sich nicht lösen, weil sie Stein geworden sind.

Auch die Vögel bleiben stumm, wie eine Versammlung, die eine lebenswichtige Entscheidung abwartet. Schritte sind zu hören. Eilige und wichtige Schritte. Eine Woge von Schritten überspült den Weg mit den – nunmehr – Steinernen und Betriebsamkeit erfüllt die Luft. Die Menschen verfolgen ihre morgendlichen Ziele, vorbei an den Steinernen. Man hält sie wohl für ein Denkmal, überflüssig und etwas störend mitten auf dem Weg.

So schlängelt sich ein Menschenstrom, bisweilen rempelnd, an ihnen vorbei. Von Zeit zu Zeit stockt der Verkehr und man ärgert sich über unvorhergesehene Verzögerungen. Auch hört man Bemerkungen über die Verwaltung, die solchen und ähnlichen Unsinn genehmigt. Schließlich hat jeder wichtigere Ziele, als hier seine Zeit zu vergeuden. Verkehr muß fließen! Verkehr muß fließen.

Zwei Ecken weiter, in einer schmalen Seitengasse hüpft ein Männlein auf einem Bein und summt fast beiläufig das Lied vom Rumpelstilzchen. Jetzt bleibt es stehen. Es wendet sich zu dem Tor, das in den Hinterhof führt, und geht hinein. Dort besieht es sich zufrieden einen Wald von steinernen Figuren. …

Für ernst geht das schon in Ordnung aber willi kommt mit dieser Geschichte immer noch nicht klar.
1990/2017

Nicht schon wieder Stau!

Ein Treffer

Das Buch könnte auch verpaßte Gelegenheiten, displaced Persons oder schilcht Warten zum Titel haben. Denn gewartet wird genug in den Geschichten: auf Leute, auf Gelegenheiten. Und immer sind Hoffnungen und Menschen im Spiel. ….

Nicht schon wieder Stau! war als Joke gedacht. Mein Mitfahrerin brachte es mir, von ihren posturlaublichen Einkaufsbummel mit. Es war ein schöner Urlaub an der See aber dort hatte sie nicht das richtige Gefunden. Ich hatte mir vor dem Spiegel unserer Ferienwohnung – quasi als Resümee der Reise – vorgenommen nie mehr auf bessere Zeiten zu hoffen. Statt dessen sollte alles so genommen werden, wie es war.

Und so kam es denn, daß wir direkt von einem Stau zum nächsten fuhren. So ruhig war ich selten angesichts der erwartbaren Zeitverschwendung. Unsere Verweildauer auf der Bahn verdopplte sich. (Gefühlt war es das vierfache!)

Auf der S.23 las ich später bei John Irving folgenden Satz:
„Die Gefühle am frühen Morgen gehören zu den Illusionen, denen wir uns hingeben müssen, wenn wir je irgendetwas schaffen wollen.“

Die Geschichten waren vielleicht als Entschädigung gedacht, für das was hinter uns lag. Pottendorf war das Ende von allem. Ich habe diesen Ort nie gesehen. Der Name, in Echt war er etwas anders, ich wollte niemandem zu Nahe treten.

So wurde aus Wut Spaß. Auf jeden Fall standen wir in der Nähe dieses Ortes in einer Schlange, mit den anderen von der Autobahn… um zu warten. Nahe der Heimat, auf sog. Schleichwegen ist das besonders schlimm.

„Die Leute lernen in Wirklichkeit nur sehr wenig über sich selbst, als würden sie es in Grunde genießen, sich fortwährend preiszugeben.“ S.36 (Irving)

Gewartet wird immer… und wenn es nur auf den Bus zur Arbeit ist. Solange man das Gefühl hat, es ginge irgenwie weiter, ist noch Hoffnung da; so hält es die Geister scheinbar wach.
Warten trägt dann.

>>Reisen ist eine arge Beschäftigung. Das moderne Unterwegs ist womöglich noch schlimmer als das vergangene. Früher wurde man von unkonzessionierten Räubern überfallen und ausgezogen, und man hatte immerhin das Gefühl, dass einem Unrecht geschähe. Das hat sich geändert<<, so Erich Kästner. Statt Raubüberfällen gibt es heute Flugverspätungen, verlorene Gepäckstücke und verstopfte Straßen. Da kann man froh sein, wenn man überhaupt ans Ziel der Reise kommt. Nicht schon wieder Stau! versammelt wunderschön hinterhältige Reisegeschichten von John Irving, T.C. Boyle, Martin Suter, Doris Dörrie, Anna Gavada und vielen anderen. *

Nicht schon wieder Stau! Hinterhältige Reisegeschichten. Diogenes TB. Zürich 2009. ISBN 978 3 257 23949 2

* Text vom Umschlag hinten, ebenda.

Willemsen, Steinbeck, Josef Beuys und so

Forensiker aller Länder vereinigt euch!

– Haben die doch längst. Die sind auf dem Vormarsch.

Ok. Die Forensiker haben es also fast geschafft? War denn der Steinmeyer auch so einer?

– Den kenne ich nicht. Steinbeck, den kenne ich. Und das war keiner.

Ahh, Du meinst so einen Satz wie: Vielleicht ist ein Begreifen immer erst hinterher möglich. S.120*

Politik ist lustig. Stammt, soweit ich informiert bin, von Josef Beuys. Grandios aber auch kein ausgesprochener Forensiker, obwohl? Nein, eher nicht.

Und wer war jetzt einer, Deiner Meinung nach?

– Roger Willemsen (zum Beispiel). Er beobachtet ein Ehepaar, offensichtlich haben sie sich längst arrangiert. Er sieht den Ehemann an und spürt, was er denkt.
Im Grunde aber, schießt es ihm durch den Kopf, ist es aber noch schlimmer: Wenn das Leben nicht aus Dingen bestünde, die einem das Leben erleichtern sollen und hinter denen man lebenslänglich her ist, man wüsste gar nicht, warum man leben sollte. (S.12)
Dafür könnte ich ihn heute noch drücken, knutschen. So etwas in der Art. (Was er sich – aus gutem Grund – sicherlich verbeten hätte, wir kannten uns doch gar nicht.)

Das Ehepaar hat sich abgefunden und aufgegeben.

– Genau. Und mit solchen Sätzen hantierte der ständig. Willemsen erklärt den Gedanken kaum. Gibt aber die Situation wieder, in der er es fühlte. Das gilt für viele Zusammenhänge. Und Zusammenhänge konnte er sehen. Er seziert, breitet aus, lässt die Leser dann selbst (be)urteilen.

Eine poetische Reportage, so zu sagen.

– Ein anderes Beispiel. Der Heller schrieb einmal: mit welchem tonarm sie diese platte abspielen ist uns scheißegal **

Du bist davon überzeugt, das war ernst gemeint?

– Natürlich war das ernst gemeint.

Du meinst, denen war allesamt wichtig, dass sie sich erst ein mal selbst zurechtfanden. Wenn dabei noch ein paar ihrer Erzeugnisse verkauft wurden, umso besser?

– Man könnte es auch so sagen: Wer je von der Atmosphäre alter Bahnhöfe berührt wurde, auf denen Menschen, noch ganz mit Fremde behangen, ankommen, um ihren ersten Blick auf das Neuland zu werfen, der sieht der Umwandlung dieser sozialen Umschlagplätze von Hoffnung und Elend in Zentren des Erlebnis-Shoppings mit Widerwillen zu. (S.40)

Roger Willemsen: Deutschlandreise Fischer-TB, Fankfurt am Main April 2004. Hier: 12. Auflage 2016

* John Steinbeck: Die Reise mit Charley. Auf der Suche nach Amerika. Wien, 2002. Paul Zolany Verlag. Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von B. Kroeber. (Die Originalausgabe erschien 1962.)
ISBN 3 552 05190 2

** André Heller: Platte (1970). AVRS 9265 St

PS.: Forensik meint hier die Art wie jemand seine Gedanken formuliert. Es ist von einem Qualitätsurteil sehr weit entfernt. Wie überall gibt es solche und solche.

So Tage – auch in Bielefeld!

Bielefeld hat etwa die Ausmaße von Palma de Mallorca, der Schönen im Mittelmeer. Niemand käme wohl auf die Idee Bielefeld mit dieser Metroplole zu vergleichen. Warum eigentlich nicht? Bielefeld bietet seinen Bewohnern viele schöne Quatiere, die man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann. Den üblichen Verkehrsstau hat Palma auch.

Zu Bielefeld gehört neben der Natur im Teuto und den netten Quatieren auch so etwas wie der Bahnhof von Brackwede. Dort kann man sich genau so verloren und deplaziert fühlen, wie in einem schmutzigen Vorort von Palma oder sonst wo auf der Welt. Oder glücklich, dass man Sinne hat, die etwas fühlen. Das eigentlich Internationale ist der Schmutz und die Schönheit. Sie sind Geschwister. Es liegt alles im Betrachter. Der Ort ist dann gleichgültig.
 

es gibt tage, da träum ich mich
in die schmierigste bahnhofskneipe
im westlichen ruhrgebiet
wo mich keiner mehr findet
und keiner mehr sieht
wo kein spruch mehr landet
und kein spruch mehr zieht
dort kaufe ich mir bier
und dünne zigarren
höre dabei die zugansagen

vielleicht
gehe ich später
auf den bahnsteig und
esse ein stinkendes phosphorwürstchen
ich töte -wennderintercitydurchrauscht-
den widerlichen wurstgeschmack
mit reichlich löwensenf
der fahrtwind macht mir gänsehaut …
dahinten wollen zwei abschied nehmen

ich beobachte
wie sie bedacht ihre netten
lügen austauschen und dabei
von einem fuß auf den anderen treten
mich ekelt
die netten lügen wollen gut plaziert sein
darum
wünsche ich den beiden eine
saftige zugverspätung …
und kotze direkt in den abfalleimer
neben dem kiosk – volltreffer!
erleichtert suche ich mir ein taxi
und fahre irgendwohin …

(manchmal reicht mir auch diese autobahnraststätte
bei castrop-rauxel, dann ergibt sich dieses truckstopfeeling,
was auch nicht zu verachten ist,
wenn das kotzen nicht selbsttätig von statten gehen will.)

Nachsatz: An diesem Artikel ist der Titel geändert und ein paar Kleinigkeiten. Sonst nichts. Eine wilde Gans, eine die Mützen faltet, eine die Sätze findet und noch viele andere haben mich an diese Geschichte im westlichen Ruhrgebiet erinnert. Den Nachsatz hier, wurde selbstverständlich auch umgeschrieben. Ich war noch niemals in Castrop-Rauxel. Und schmierige Bahnhofskneipen sollte es nicht mehr geben, jedenfalls hier nicht. Sonst hat sich wohl nichts geändert. Ich danke sehr.

willi (1987/2016)

Zu: Der Name der Leute

Ignorieren hilft nicht. Und Gewalt gebiert immer neue Gewalt. Das ist vielleicht ein Mist!

Am 17. März 2014 schieb willi:

Irgendwas ist ja immer, man merkt das oft nur nicht so.

Mit den Altachtundsechzigern bin ich quasi aufgewachsen. Habe ich im TV verfolgt. Zu uns kam das alles zeitversetzt. Da war das schon irgendwie etabliert.

Revoluzzertum und so. Jeans und Parka. Mein großer Bruder trug damals interlektuelle Cordhosen. Manchesterhosen, wie mein Vater sagte. Solche Nietenhosen wollte der Vater mir dann doch selbst schneidern. Dieses gekaufte Zeuch taucht doch nix, so war sein Urteil.

Also Nähmaschine raus. Der konnte sowas. Legendär die Karnevalsausstattung als Texas-Ranger. Alles in der Küche produziert. Aus Teppichresten die Colt-Tasche und der Hut wurde mit Wasserdampf ein echter Cowboy-Hut. Und ich: der Star. Aber eine Nietenhose? Das war nicht amtlich. Man hatte doch einen Ruf zu verlieren. Nietenhose!

Eine echte Levis musste es schon sein. Und ein US-Parka à la Woodstock. Schließlich war das Leben ja kein Karnevalsumzug! In unserer Stadt wurde sogar einmal eine Straßenbahn blockiert. So sagte man. Sowas geht doch nicht in Nietenhosen. Wenn, dann nur in US-Jeans. Und zwar die Echten! Jawohl.

Vorher: Die Luft war so zäh. Über allem lag so eine Grundangst. Die Angst vor der verletzten Etikette. Jeder benutze das „Sie“, sogar die Studenten untereinander. Selbst der Protest der Halbstarken drohte zu ersticken. Es knirschte überall. Statt Frivolität zu versprechen waren die Nylons der Frauen muffig.

Sonntags wurde den Jungen kratzende Hosen angezogen und die weißen, stylischen Nyltesthemden waren bügelfrei. Dafür stanken sie nach kurzer Zeit bestialisch. Dem Himmel sei Dank, wir hatten einen Küchenherd.

Die Großen hatten in der Küche Wichtiges zu erörtern. Die Hände in den Taschen tat ich erwachsen. Ich kam dem Herd dabei zu nahe, und hatte unversehens ein Loch ins Sonntagshemd geschmolzen. So wurde die Ära Nyltesthemd beendet, ganz ohne Revolution.

Im Nachhinein kommt es mir so vor, als wären die swinging sixtees eine Erfindung des Fernsehns. Die Ermodung der Kennedys, die 13 Tage der Cuba-Krise, den Chrustschow, Muhammed Ali und Martin Luther King. All die hat es doch gegeben. Kann man doch alles nachlesen. Trotz des Vietnam-Krieges oder den Beatles, das Leben ging einfach so seinen Gang.

Da konnten die Kommunarden in Berlin oder Frankfurt noch so habermasen und dutschken. Die Revolution fand für uns doch nur im Fernsehen statt. Und Sonntags? Da kamen dann sechs Journalisten aus aus fünf Ländern und schwadronierten über die Weltlage. Es wurde ihnen eingeschenkt und sie rauchten. Alles öffentlichrechtlich.

Wenn es dunkel wurde, hatte man trotz allem ins Bett zu gehen. Morgen war schließlich auch noch ein Tag. Vielleicht war ja dann der Umbruch da.

Nachsatz: An diesem Tag habe ich einen reizenden Film im TV gesehen. Das war auf EinsFestival. Das war ein französisches Märchen und spielte in Paris. Der Name der Leute war der Titel. Es trafen willi und ernst aufeinander. Also eine halb-algerische wilhelmine und ein halb-jüdischer Franzose den ich nur als ernst bezeichnen kann. Eine Gesellschaftssatire, die als Liebeskommödie daherkommt. Wunderbar.

Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues. S. Beckett

Michel Leclerc: Der Name der Leute. Film, Frankreich 2010.

Eine nicht gehaltene Rede

..eure Söhne und Töchter sollen weissagen; eure Ältesten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.. Joel 3,1

Zum Brautaltar Sie führen, um Sie dem Bräutigam zu überlassen, dass wollte ich sowieso nicht. Schließlich haben sie sich schon lange vorher ausgesucht. Und das haben sie gut gemacht! (Wie so vieles.)

Von dem einen Anrecht allerdings, das dem Brautvater zu steht, will ich nun doch Gebrauch machen: Ich werde hier also einen kurzen Abriss über unser Kind im Besondern abgeben.
Alles Folgende wird sich also um mindestens drei Stunden und zweiundvierzig Minuten verschieben. Unterbrechnungen gehen also alle von Ihrer Zeit ab!

So, nun wäre das schon mal geklärt. Das hat man also aus dem Kopf und wir können uns einen schönen Abend machen.

Erster Satz, oder Schwank aus ihrer Kindheit:

wenn des morgens, in der frühe,
das kind durch die küche schreitet,
stumm und würdig sich die augen reibt,
dann gilt nur eines: nicht am kind packen!
das gilt dann aber auch immer und in jedem fall.

Zweitens habe ich begonnen – wenn es denn sein musste – in den frühen Abendstunden, den ein oder anderen väterlichen Ratschlag Ihr zu gegeben. Manchmal aber war ich durch diverse äußere Umstände gezwungen, dies auf die späteren Abendstunden zu verlegen.

Und wenn dann dieses Kind, oder diese junge Frau – wenn man es denn so will – mich mit ihren unglaublichen Augen so ansah und mir entgegnete, “Ich weiß, Papa… ich weiß.” Ja, spätestens dann wusste ich, diese junge Dame macht es doch so, wie sie es will.

Herrlich, nicht herrisch. Diese junge Dame hier ist so ziemlich das Beste, was ich einem Bräutigam geben könnte. Du, lieber V., hast es verdient!

Und nun noch etwas Allgemeingültiges:

von den kindern können wir lernen, was und wer wir sind.
sie fühlen wie sie sind und teilen es uns sofort mit.
ganz und gar gehören sie sich, bis die großen
versuchen, ihnen manieren beizubringen.
lächerlich!

Aber wem sage ich das. 🙂

Liebe S. lieber V., wir danken ausdrücklich für alles, was wir mit Euch schon erleben durften und freuen uns auf das, was noch vor uns liegt.

Liebe Brautleute, alles Gute und Liebe zu Eurem Weg, in guten und in weniger guten Zeiten. Den Segen des Standesamtes habt ihr ja jetzt. Unseren Segen habt Ihr sowieso. *

Oh! jetzt bin doch schon durch. Immerhin, schlappe dreieinhalb Stunden gespart.
Das ist doch auch schon was, oder?
___________________________________
* Die Namen der Brautleute sind der Redaktion bekannt.

Wenn man liebt, kann man alles in der Schöpfung sein. Paulo Coelho, Der Alchimist.

Die Rede wurde übrigens nicht gehalten. Das passte nicht ins Konzept. Jetzt regen die sich was auf, der willi und der ernst.

Das war eine prima Hochzeit, alles gut gelaufen. Nur vor dem willi und dem ernst, da muss ich mich jetzt mal etwas in acht nehmen aber die beruhigen sich schon wieder. Ungeschrieben ist diese Rede ja nicht, nur ungehalten.

https://allesmitlinks.wordpress.com/2015/11/11/wie-war-das-nochmal/

Der Kompass

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Epistola-de-magnete.jpg?uselang=de-formal#filelinks

Ein Kompass, gemeinfrei.

Links, rechts, geradeaus?
Irgendwo da
ist ein Weg.

Dem Kompass
ist es egal,
wo man hingeht.

Er zeigt uns
nur die
Himmelsrichtung.

Sehr präzise.
Hilfreich, oft
oder lästig.

Braucht man ihn,
wird es schnell
erstaunlich.

Links, rechts, geradeaus?
Irgendwo da lang.
Blackbird fly…