Schlagwort-Archive: Fingernagel

zu A-B-C Etuden 39.17

Das würde ein ergebnisoffenes Wochenende werden. Aber so was von ergebnisoffen. Postfaktisch gesehen. Schließlich hatten die Kontrahenten einen Ruf zu verlieren. Es war zwar nicht der beste, das war allen klar, aber so war das nun mal.
Er würde sich der Herausforderung trotzdem stellen und bei einem oder einer dieser Quadrartscheißer sein Kreuzchen machen. Soviel Zeit musste sein.

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Fundstück

Wir alle haben zwei Leben.
Das Zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur Eins haben.

Tom Hiddleston *

Diesen Spruch habe ich im Urlaub vor einer Kneipe gesehen. Der war wohl als Hingucker gemeint. Das hat funktioniert. Am Ende konnte ich den Spruch auswendig. So oft habe ich die Tafel angesehen.
So habe ich jetzt ein Mitbringsel.

* Thomas „Tom“ William Hiddleston (* 9. Februar 1981 in Westminster, London) ist ein britischer Schauspieler. Wikipedia

Medizin, gute ** (that is the message)

Kaum ist man mal für sich, da machen die schon Theater.

Stimmt, ich war wirklich irgendwo unterwegs. Sicher nicht mit dem Professor in Triest. Was der da wollte, das kann man sich ja denken. Abhaken, einfach abhaken.

Hilft gegen fast alles:
All You Need Is Love

Diese Gefühltheit, ein Trauerspiel.

Und Pottendorf? Lachhaft. Als ob mich so ein Stau bei Bielefeld interessiert.

Ach ja, aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr heraus.. ich gebe auch meinen Senf dazu. (Wenn denn die andern zwei mich lassen.)

Jeder hat so seins: Herr Kettler

Gut goan! – Ist westfälisch und bedeutet soviel wie: „Lasst es Euch gut gehen!“
So isset. Gruß ernst.

** Klekih-petra frei nach Karl May, Winnetou I.

Oben ist es still 3

Am meisten erinnere ich mich an die Krähen dieser Geschichte.

Komisch, was man so alles mit sich herumträgt. Mein Vater war gestorben. Und ich las von diesem holländischen Bauern: Helmer van Wonderen räumt auf. Er verfrachtet seinen Vater ins Obergeschoß des elterlichen Bauernhauses und richtet sein Leben neu ein. Doch die ländliche Ruhe währt nicht lang, … *

Mein Vater wurde einundachtzig. Er ist also im Herbst 2011 gestorben. Es war in der Nacht von 3. zum 4. Oktober als er mit dem Notarzt in die Klinik gefahren wurde. Von da an lag er halbseitig gelähmt für mehr als neun Jahre im Bett und starrte mehr oder weniger an die Decke. Das konnte ihm nicht recht sein. Niemandem war so richtig klar, was er noch erkennen konnte. Der Fernseher lief nun ohne Unterbrechung. Er war noch nicht fertig mit dieser Welt. Und immer rieselte dieser Fernseher.

Er wurde wunderlich, oft war er griesgrämig, selten zu Scherzen aufgelegt schien er sich zunehmend mit sich selbst zu beschäftigten. Mit Geschichten von damals und mit seiner Verdauung. Wenn ich zu ihm kam, einmal die Woche nahm er mich schon mal mit auf seine Reisen, im Kopf. Häufig war ich öfter bei ihm – unangemeldet, aber das machte ihm kaum Freude. Wenn ich jedoch an dem Tag, an dem ich frei zu haben hatte, zu ihm kam, dann war er schon den ganzen Morgen damit beschäftigt, mich zu erwarten.

Das war die erste Lektion, die ich von dem alten Mann empfangen durfte. Es sollten noch viele folgen. Wir hatten plötzlich Zeit. Viel Zeit. Die verbrachten wir mit einander. Ich lernte ihm die Haare zu schneiden und war sein Chauffeur. Er bestimmte die Richtung. Die Pfleger taten ihres. „Jeder Tag mehr, ist ein Tag weniger.“ Dieser Satz stammt nicht von ihm, den habe ich von meinem Lieblingsdichter. Er könnte von ihm sein. Wenn ich es recht überlege, der war ein echter Niederrheiner. Der konnte alles erklären, wusste aber nichts, verstand doch so viel und war manchmal einfach nur sprachlos. Ein Mensch, der nur aus Gefühl bestand mit dem Quäntchen Bauernschläue und dem Willen sein Ziel – welches das auch sei – zu erreichen, das war er.

Mein Vater war es auch, der mir in Verkleidung eines Freundes daher kam. Diesen Mummenschanz tat er als Vater, freundlich zwar, aber als Vater. So hat er mich erreicht und das war die letzte Lektion, die er mir erteilte: Respekt der sich aus Liebe speist.

Als ich Trost brauchte habe ich die Geschichte von Bakker gelesen. Und nicht verstanden. Da lag mein Vater schon vier Jahre immer auf einer Stelle… und es dauerte nochmal fünf Jahre bis er loslassen konnte. Ich glaube fest, er hat es mit Bedacht getan. Jetzt ist mir der Bakker wieder ins Auge gefallen. Ich kann ihn noch nicht lesen. Aber ich habe es versprochen.

Aber die Krähen, sie begleiten mich. Und es ist mir, als ob sie lächeln.

Gerbrand Bakker: Oben ist es still. Roman. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Suhrkamp TB. 2010.
ISBN 978 3 518 46142 6
* Ebendort: Umschlag, hinten.

Nachtrag: Die ganze Welt paßt auf den Fingernagelrand meines rechten Daumens. Immer gerade dann, wenn ich glaube dies begriffen zu haben, steht neben mir so ein Bademeister mit zwei, drei Helfern. Mit Wurzelbürsten bewaffnet lächeln sie…

Wirklich gute Besprechungen findet man über diesen Weg: Nederlandstalig! Gerbrand Bakker – Oben ist es still

Zimmermänner und andere Gentlemen (war: Sir P. McCartney zum 75sten)

Sir P. McCartney zum 75sten* In jedem Fall hilft es. Ich schließe mich den guten Wünschen natürlich an. Aber es soll aus diesem Anlass keine Beatles-songs geben.

Was anderes soll es sein:
willi beginnt dieses Mal wieder. Und zwar mit dem Hanse Song Festival 2017. Schön.

Der mick, auch nicht faul, hat dieses Mal wieder zwei Lieder als Vorschlag: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Kennst du Werner Enke?. Und ausserdem schlägt er noch Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – It’s OK to love DLDGG vor, weil das eben auch so schön klar, eindringlich, und voll von Lebensfreude ist.

Kaum verwunderlich ist ernst. Er hat dieses Mal die Zimmermänner als Vorschlag: Die große Sporadische (official).

Laßt es Euch gut gehen!

* Ob die nur spielen wollten oder dezidiert eine Geschichte zu erzählen hatten, Klekih-petra hätte das sicherlich als Gute Medizin bezeichnet. Frei nach Karl May, Winnetou I. Der Haussender hat gesten an den 75. Geburtstag eines wirklich großen Musikers erinnert.

Sir P. McCartney zum 75sten*

In jedem Fall hilft es.
Ich schließe mich den guten Wünschen natürlich an.
Aber es soll aus diesem Anlass keine Beatles geben.

willi beginnt dies Mal wieder. Und zwar mit dem Hanse Song Festival 2017.
Schön.

Der mick, auch nicht faul, hat dieses Mal wieder zwei Lieder als Vorschlag: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Kennst du Werner Enke?. Und ausserdem schlägt er noch Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – It’s OK to love DLDGG vor, weil das eben auch so schön klar, eindringlich, und voll von Lebensfreude ist.

Nicht verwunderlich ist ernst. Er hat dies Mal die Zimmermänner als Vorschlag: Die große Sporadische (official).

Laßt es Euch gut gehen!

* Ob die nur spielen wollten oder dezidiert eine Geschichte zu erzählen hatten, Klekih-petra hätte das sicherlich als Gute Medizin bezeichnet. Frei nach Karl May, Winnetou I. Der Haussender hat heute an den 75. Geburtstag eines wirklich großen Musikers erinnert.

Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Meine Kerze brennt an beiden Enden. Sie übersteht diese Nacht nicht.
Aber sie spendet meinen Freunden und allen meinen Feinden ein wunderbares Licht.
*

Vor Jahren habe ich den Film im TV gesehen. Meiner Frau zu Liebe. Sie hatte den Film im Kino schon gesehen (Frauentag), da hat so einer wie ich nichts zu suchen. Sie fand ihn bemerkenswert, ich auch.

„Unter der strengen Obhut ihres Vaters, ein presbyterianischer Priester, wachsen die Brüder Norman und Paul in der unberührten Wildnis Montanas der 30er Jahre auf. Zwei Brüder, die gegensätzlicher nicht sein können: Paul, provozierend und aufsässig, Norman, ruhig und besonnen. Ihr Vater erzieht seine Söhne im Einklang mit Gott und der Natur und vermittelt ihnen die mythischen und mystischen Seiten des Lebens. Ihre Gemeinsame Leidenschaft: Das Fliegenfischen am Fluß, der selbst ein Teil der Ewigkeit ist.
Der Kindheit entwachsen ist Paul Journalist geworden, verfällt dem Alkohol, macht Spielschulden und landet wiederholt im Gefängnis. Der intellektuelle Norman hingegen ist zurückhaltend und träumt davon, die Welt ausserhalb Missoulas zu entdecken. Bald muss der eine Bruder die Bedeutung des Wortes Familientreue erfahren, nachdem der andere in größere Schwierigkeiten denn je geraten ist.“ Text aus dem Inlet.

Norman ist am Ende allein übrig. Er sagt: „Am Ende fließen alle Dinge ineinander, und aus der Mitte entspringt ein Fluss. Der Fluß wurde bei der großen Überschwemmung der Welt begraben und fließt aus dem Keller der Zeit über Steine. Auf einigen der Steine befinden sich zeitlose Regentropfen. Unter den Steinen sind die Wörter. Doch einige Worte wird man nie verstehen.. Ich kann mich dem Wasser nicht entziehen.“

Robert Redford: Aus der Mitte entspringt ein Fluss. USA. Spielfilm 1992. Mit Brad Pitt, Craig Sheffer u.a. (DVD)

* Trinkspruch von Norman 😉

Ein wunderbarer Film.

Zeit (war: Tausendfüßer und Regenwurm)

Zeit ist alles was man braucht.

Mist. So sagen die einen (sonst ernst).
Hä?! So die anderen (oder willi).
Mit den Schultern zucken die dritten.

Wenn Menschen mit der Zeit konfrontiert werden, sind sie oft ärgerlich, wütend oder verzweifelt. Manche reagieren zornig, sind aufbrausend. Andere haben vielleicht schon aufgegeben, bleiben scheinbar gelassen. Zeigen sich weise oder haben sich einfach abgefunden.

Natürlich ist Zeit haben leichter als als gedacht und trotzdem ist es schwer es dann doch zu tun. Wir alle glauben ja insgeheim – nur insgeheim – wir glauben also, wir seien unverwundbar und das Leben dauert ewig.

Bemerken wir dann, dass es nicht so ist, sehen wir oft nur noch die Rückleuchten. Der Zug ist längst abgefahren. Wir hadern dann mit dem, was gemeinhin als Schicksal bezeichnet wird.

Dem ist es nämlich vollkommen egal, wie wir Leben. Es hat kein Gewissen. Da geht es nicht um gut und böse. Das sind menschliche Kategorien. Möglich, dass es ein Spiel ist. Die Regeln sind hart und kaum gerecht. Zocker wissen was ich meine.

Leben ist so.
Oder so.
Gerecht ist was anderes.
Dumm gelaufen.

Ein Tausendfüßer überlegte einmal, welches Bein er zuerst.. Genau. Seitdem gibt es den Regenwurm.

Das mit der Zeit sagt sich sehr leicht. Es ist schwer getan. Doch ich glaube, trotz allem, es geht nur so.
——————-
Siehe dazu die guten Artikel Die letzten Worte von guinness44 oder Deine Reise von marga auwald.

Von Tina Dickow habe ich dazu Musik gefunden: So http://www.youtube.com/watch?v=Kkw3R8Qotro oder so http://www.youtube.com/watch?v=Z6ZeqDEHg_M.

Paul von der Querstraße

Don Quijote

Don Quijote träumt von besseren Zeiten (Sancho Panza, nicht im Bild)


Der allseits bekannte Don Quijote wie auch der mehr von Kennern geschätzte Paul von der Querstraße konnten als Hagestolz in neuerer Zeit reüssieren.

Es ist zwar keine Frage des Alters oder der geschlechtlichen Ausprägung, aber älteren Individuen männlicher Provinienz wird so eine Neigung durchaus häufiger nachgesagt.

Das Ministerium zur Rettung alter Sprache hatte hier wieder einmal ganze Arbeit geleistet. S.d.a.u.a. den Lexikoneintrag in der so beliebten Wikipedia.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Hagestolz).

Bravo 🙂

Der Eintänzer

Die wilden Tage sind
natürlich nicht gestorben.
Wir erleben sie
vielleicht
nicht mehr so.
Andere schon…
Wir haben
uns verändert.
Der Zeit ist das herzlich egal.

Dazu vielleicht noch ein Video: Für immer jung. Es mag aber auch so gehen.

Papa was a rolling stone

Papa was a rolling stone *

Er ist seit gestern im Krankenhaus; Papa hat Fieber, und ist sehr schlapp. Vermutlich eine Lungenentzündung, kann aber auch mit dem Harnweg zusammenhängen. Gegen Fieber bekommt er was, ansonsten wird noch untersucht. Heute Nachmittag kann ich mehr erfahren.
Das kam sehr plötzlich. Bis Mitte der Woche war er eigentlich wie immer drauf.
29. März 2010

Ich war heute wieder im Krankenhaus:
Dieses Brüder-Krankenhaus ist doof. Man muss da weg. Oder ins Bett. Oder beides. Wenn die junge, nette Schwester kommt, dann geht es. Wo bin ich? Gestern war Erwin da. Der wollte wieder kommen. Wie geht es Mama? Ich bin müde.

Wenn ich ein Chinese wäre, aus der hinter-westlichen Provinz und nur so einen Dialekt spräche, aber den flüssig; wenn ich also solch ein Chinese wäre, könnte es sein, dass ich mich über einen Begriff wie Panoptikum wunderte.
Zehn Minuten im Krankenzimmer, in diesem Krankenhaus, und ich als Chinese wüsste sofort, was die Langnasen mit Panoptikum meinen.

Der Papa ist nur noch Instinkt: Irgendwas war besser als das hier. Und da muss ich hin. Nur nicht hier bleiben. Nur nicht stehen bleiben. Oder die nette Schwester kommt. Dann ist gut.
Da sind fast nur solche. Und ich – ernstzwo – möchte dort auch nicht enden. So schön kann keine Schwester sein.

Der Papa hat heute kein Fieber mehr, nur noch eine Bronchitis. Keine Lungenentzündung. Er ist müde, besonders, weil der blöde Pfleger oder die hässliche Schwester mich in den Rollstuhl gesetzt hat. Der Mensch, der sich als mein Sohn ausgibt, hilft mir nicht hier weg zu kommen. Unglaublich. Wahrscheinlich ist das gar nicht mein Sohn. Möglicherweise bleibt der Papa bis zum Wochenende dort. Keine Ahnung.

Ich glaube, der Papa wird wenigstens 81, wie sein Vater. Vielleicht stirbt er auch nächste Woche. Möglicherweise verrät er mir noch, wie er das mit dem Tiger** hingekriegt hat. Ich weiß es nicht.
So war das.
** vergl. Pi Patet: Schiffbruch mit Tiger
31. März 2010

Heute beginnt der Tag wie ein Kitschgemälde. So ein blauer Himmel. Auf den Dächern und Wiesen haben sich kleine Inseln von Rauhreif gebildet, die die Sonne zunehmend verscheucht. Der Qualm steigt fast senkrecht aus den Kaminen.

Dass mein Vater ungeduldig ist, habe ich vor einiger Zeit mit Erstaunen festgestellt. Wir hatten uns angewöhnt ab und zu eine Fahrt ins Blaue zu unternehmen. Der war noch ziemlich fit, aber fahren lassen wollte ich ihn nicht mehr.

Das war nicht so einfach, weil er ja immer alles geregelt hat, für alle da und so unheimlich stark war. Und optimistisch war der, und Witze hatte der drauf. Manchmal haben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes krank gelacht, so weh tat dann der Bauch.

Sich fahren zu lassen ist peinlich für so einen Mann – mindestens aber die Einsicht, dass es notwendig ist. Kochen konnte der immer schon gut. Also machte er die Verpflegung und sagte meistens, wo es lang ging. So rollten wir dahin, Richtung alte Zeiten, und hatten viel Spass.

Einmal kam eine rote Ampel. Ich hielt. Das passte ihm gar nicht. Nicht, dass ich hielt. Es gibt ja schließlich Regeln. Aber warum hat ausgerechnet hier jemand eine Ampel hingestellt. Und dann war die noch rot, so lange! Unglaublich, wo wir doch durch das Land rollen wollten.

Ich habe nicht verstanden, warum der sich so aufgeregt hat.

Heute Morgen stehe ich am Fenster und sehe wie dieser herrliche Tag beginnt.
Es stimmt, dass die Zeit mit zunehmendem Alter schneller vergeht. Und trotzdem werden die Winter immer länger. Die Kälte scheint niemals aufzuhören.
Die Bauern sagen hier: Am 1. Mai ist der April vorbei. Recht haben sie. Ungeduldig sind wir trotzdem.
2. April 2010

Eine gute Geschichte am Tag, die reicht. Statt dessen versuchen sie dich am laufenden Band mit Stories zu zu texten.
4. April 2010

Papa ist wieder in seinem Zimmer, und grummelig wie immer. Wer soll da nicht grummeln, nach acht Jahren. Es geht ihm gut, so weit man das bei seinem Zustand behaupten kann. Als er meine Hose sieht gefällt sie ihm nicht, und ich sehe schlecht aus.

Eigentlich kann er nichts sehen aber so eine blöde Hose hat er noch nie gesehen. So weit geht es ihm also gut und er ist froh, dass ich da bin.

Bei seinem Auszug ins Krankenhaus war sein Bild runter gefallen und ich soll den Rahmen reparieren. Mama hat gesagt, ich kann das. Er hat das Bild lange nicht gesehen. Er konnte sich nicht umdrehen. Es war ihm auch egal.

Ich habe es bei seinem Einzug dahin gehängt. Ein dicker, fetter Clown. So bratzig und so fröhlich. Hinter seiner Clownsmaske konnte man die Glatze von Papa sehen. Und in der Tat, es ist fast vierzig Jahre her, da hat er an einem lauen Sommerabend in Gelsenkirchen-Buer auf einem Flohmarkt diesen Clown entdeckt.

Für fünfzig Mark hat er der Malerin dieses Bild abgekauft. Ich muss etwa sechzehn gewesen sein. Manchmal habe ich ihn begleitet, wenn er bei einem Zwischenmeister etwas auszubügeln hatte. Darin war er so klasse.

Nach dem Kauf sind wir in eine Kneipe und haben den Fang würdig gefeiert und da saßen sie. Neben uns waren zwei Bauarbeiter, die hatten auch Feierabend, und sinnierten über schöne Schüppen: Nee, wirklich! Bei uns kannse anfangen. Wir haben nur schöne Schüppen.. Das wurde so ein running gag für uns, all die Jahre.

An die schönen Farben des Bildes konnte er sich erinnern. An den Betrieb in Gelsenkirchen-Buer und an die schönen Schüppen. Da hat er gelächelt.
Der Rahmen wird repariert. Darauf kannst Du einen lassen.
12. April 2010

Der Rahmen ist repariert. Sonst: nix.
17. April 2010

auf dem dachboden habe ich einen spatz gefunden, der aus dem nest gefallen ist. jetzt ist er gerade eingeschlafen. ich habe ihm ein nest gebaut und er hat sogar etwas gefressen.
armer spatz. hast keine chance. um diese zeit fallen viele vögel aus dem nest und gewöhnlich sterben sie unbemerkt. man nennt das wohl die natürliche auslese. es gibt schon prachtvolle fachausdrücke!

jetzt versucht er sich selbst zu wärmen. oh sülzwilli! ist nicht das erste küken, das du durch bringst. auch nicht das letzte, dass sterben will. geh ins bett, junge! der spatz will auch schlafen.

ich werde etwas darstellen müssen. davor fürchte ich mich. bis jetzt war das noch nie nötig. jedenfalls habe ich es nicht bemerkt. stimmt nicht. manchmal bin ich dem aus dem weg gegangen, und es war gut so. aber jetzt fürchte ich, kommt etwas auf mich zu, das wird nicht gehen.
5. August 2010

Bestandsaufnahme:
entweder er kommt, oder er kommt nicht
aber wenn er kam, dann war er da.
man weiß es nicht.

31. August 2010

mit dem rad gefahren. gegenwind. landschaft genossen auf einer bank (mit aussicht). kartoffelfest auf reiterhof besucht. schön. dorf, alme. bratkartoffeln an romantischer scheune. zurück: den berg hinab. wieder gegenwind. der hatte sich gedreht. sonnenschein, buntes laub, eichelhäher. zuhause erstmal gepennt, wg. gegenwind. auch was gegessen.
die letzten äpfel gepflückt, sortiert und den baum geschnitten. nix passiert.
den ganzen sonntag im goldenen oktober vertrödelt. muss man können. herrlich.
10.10.2010

am main gewesen. rad gefahren, fränkisch gespeist, in kultur gemacht. zurück in das scheiß wetter gefahren und am edersee geblitzt worden. der penner vor mir war zu lange zu langsam. dumm von mir! wirklich dumm. die zeit vergeht sowieso. warum beeilt man sich eigentlich?
zuhause noch gras gemäht und dann rief das heim an. mist.
14.10.2010

[rumpelstielzchen]
ich glaube, das rumpelstielzchen war wirklich verliebt! dann wird auch das allerbeste
stielzchen zum blödmann. die müllerstöchter wissen das nicht zu würdigen, sind jung und unerfahren, einfach überfordert. sie glauben an prinzen auf weissen pferden.
im fernsehen passt ja immer einer auf – und hilft zum schluß. ich vermute, der ist nur da, damit die zuschauer zum schluß nicht so ratlos ins bett fallen, wie willi das immer tut. schon allein wegen dem bruttosozialprodukt.
28.10.2010

Heute wieder Kraniche gesehen. Flogen wie die sprichwörtliche Eins. Leider von Nord-Ost kommend. Scheiße. Da hilft auch kein buntes Laub: der Winter kommt.
07.11.2010

Erstmal durch. Ist gut.
Mein Vater braucht mal wieder einen neuen Rasierer. Meine Mutter weiß nicht, was sie mit all dem zu tun hat und morgen fangen wieder tausend Tage an.
Ich höre gerade Norah Jones. Ist gut. Alles ist gut.
06.12.2010 (Nikolaus – auch gut.)

Ps.: Neun und ein halbes Jahr hat es gedauert bis der Mann gehen konnte. Dann, mit einundachtzig, hat er sich von allen verabschiedet und konnte endlich loslassen. Auch er fehlt.

* The Temptations: Papa was a rolling stone. tamla-motown is hot, hot, hot! volume 4. EMI-Electrola.Papa was a rolling stone