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Oben ist es still 2

Eigentlich sollte der Artikel ja ‚Spaß‘ heissen.

Spaß ist aber soo laaangweilig.
Mit dem Spaß gibt es nämlich keinen Spass.

Benjamin Blümchen ist in die Jahre gekommen. 40.
Jetzt kommst du.

Und nun zu den Tagesthemen.
Nein: besser zu Gebrand Backer!

Oben ist es still.
Das lese ich jetzt noch einmal.

Der erste Leichnam, der mich betraf, war auch der schlimmste. Die Jugendliebe hatte sich umgebracht.
Das brachte mich in Bedrängnis. Ich hatte sie verdrängt aber nicht vergessen. Danach wurde es merkwürdig still.

Dann starb mein Schwiegervater, plötzlich. So unerwartet als wollte er ewig leben. (Dabei war er schon ein alter Mann.) Er war mein Mentor geworden. Den hatte ich mir ausgesucht als das Bauernhaus abbrannte. Ich wusste, was ich tat.

Im Grunde starb er einen Bilderbuchtot. Er hatte sich in einer Kneipe mit einem spaßigen Spruch noch ein Gläschen genehmigt. Dann fiel er um. Besser: er kippte nach hinten. Seitdem sind Martinshörner für mich ein Graus. (Für ihn war es wohl das beste, wie später einhellig festgestellt wurde.)

Mein Vater hatte es nicht so eilig. Hatte wohl noch etwas zu erledigen. Den habe ich fast zehn Jahre begleitet bei seinem letzten Gang. Glücklicher Weise habe ich mit ihm noch vorher ein paar Fahrten ins Blaue unternommen. Da war er noch halbwegs gesund.

Der vorerst letzte, in dieser Reihe, ist mein Freund. Der einzige mir noch verbliebene, seit der Schulzeit. Die anderen Leichen, mit denen ich zu tun hatte, haben mich nicht annähernd so berührt wie diese.

Jedesmal hatte ich etwas weg- oder aufzuräumen. Aber fertig geworden bin ich irgendwie nie. Das ist nicht so einfach. (So kommt es mir jetzt vor.) Vielleicht ist es besser wenn ich mehr nach vorne schaue. Nur die Richtung  muss ich noch finden.

Jetzt werde ich ‚Oben ist es still‘ lesen. Nochmal, zugegeben.
Versprochen ist versprochen.
Es wird mir keinen Spass bereiten. Nicht einmal Spaß.
Der Unterschied zwischen ‚Spaß‘ und ‚Spass‘ ist ein Qualitativer.

(Keine Frage der Rechtschreibung.)

  1. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich ordentlich zu verabschieden.
  2. Ich habe gelernt, dass des einen wohl noch lange nicht Komfort-Gefühle in allen auslösen muss, auch wenn man für sich das beste aus einer Situation macht.
  3. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sein Haus zu bestellen. Sonst hat man ein Problem.
  4. Ich habe gelernt, dass Freundschaft immer auch beudetet sich auszutauschen.

Heute Morgen hörte ich im Haussender passendes, das will ich auch noch mitteilen: Rag’n’Bone Man – Human (Official Video)
Apropos Spass: Helge Schneider & Michel Petrucciani bei Willemsen oder aber Helge Schneider bei Schmidteinander.

Schon wieder

…ein voller Mond.

Das passiert doch monatlich. (Nicht, dass wir das vergessen.)
Um es mit Jochen Malmsheimer zu sagen: Früher war nicht alles besser.
Vieles war aber immerhin brauchbar.

Das nette ist ja, dass unsere Vorurteile nichts mehr Wert sind.
Geiz ist eben geil.
Denkste!

So ist es aber auch umständlicher. Auf nichts scheint mehr Verlass.
Außer dem Vollmond (den kaum einer mehr wahrnimmt).
Statt dessen sind wir alle verlassen.
Wir sind ja so beschäftigt.

War der Prüfauftrag einstmals die Kür
ist er nun verbindlich für alles und jeden.

PS.: Dazu gibt es nochmal Jochen Malmsheimer. Dieses Mal im ICE unterwegs.

Gestern Abend war schon wieder Vollmond

Um es mit Jochen Malmsheimer zu sagen: Früher war nicht alles besser. (Das Wurstbrot)

Vieles war immerhin brauchbar.

Das nette ist ja, dass unsere Vorurteile
nichts mehr Wert sind.
Geiz ist eben geil.

So ist es aber auch umständlicher.
Auf nichts ist mehr Verlaß.
Statt dessen sind wir alle verlassen.
Oder werden es.

War der Prüfauftrag die Kür
ist er nun verbindlich für alle und jeden.

PS.: Dazu hatte ich Leonard Cohen im Ohr. Er singt Dance Me to the End of Love

Nicht schon wieder Stau!

Ein Treffer

Das Buch könnte auch verpaßte Gelegenheiten, displaced Persons oder schilcht Warten zum Titel haben. Denn gewartet wird genug in den Geschichten: auf Leute, auf Gelegenheiten. Und immer sind Hoffnungen und Menschen im Spiel. ….

Nicht schon wieder Stau! war als Joke gedacht. Mein Mitfahrerin brachte es mir, von ihren posturlaublichen Einkaufsbummel mit. Es war ein schöner Urlaub an der See aber dort hatte sie nicht das richtige Gefunden. Ich hatte mir vor dem Spiegel unserer Ferienwohnung – quasi als Resümee der Reise – vorgenommen nie mehr auf bessere Zeiten zu hoffen. Statt dessen sollte alles so genommen werden, wie es war.

Und so kam es denn, daß wir direkt von einem Stau zum nächsten fuhren. So ruhig war ich selten angesichts der erwartbaren Zeitverschwendung. Unsere Verweildauer auf der Bahn verdopplte sich. (Gefühlt war es das vierfache!)

Auf der S.23 las ich später bei John Irving folgenden Satz:
„Die Gefühle am frühen Morgen gehören zu den Illusionen, denen wir uns hingeben müssen, wenn wir je irgendetwas schaffen wollen.“

Die Geschichten waren vielleicht als Entschädigung gedacht, für das was hinter uns lag. Pottendorf war das Ende von allem. Ich habe diesen Ort nie gesehen. Der Name, in Echt war er etwas anders, ich wollte niemandem zu Nahe treten.

So wurde aus Wut Spaß. Auf jeden Fall standen wir in der Nähe dieses Ortes in einer Schlange, mit den anderen von der Autobahn… um zu warten. Nahe der Heimat, auf sog. Schleichwegen ist das besonders schlimm.

„Die Leute lernen in Wirklichkeit nur sehr wenig über sich selbst, als würden sie es in Grunde genießen, sich fortwährend preiszugeben.“ S.36 (Irving)

Gewartet wird immer… und wenn es nur auf den Bus zur Arbeit ist. Solange man das Gefühl hat, es ginge irgenwie weiter, ist noch Hoffnung da; so hält es die Geister scheinbar wach.
Warten trägt dann.

>>Reisen ist eine arge Beschäftigung. Das moderne Unterwegs ist womöglich noch schlimmer als das vergangene. Früher wurde man von unkonzessionierten Räubern überfallen und ausgezogen, und man hatte immerhin das Gefühl, dass einem Unrecht geschähe. Das hat sich geändert<<, so Erich Kästner. Statt Raubüberfällen gibt es heute Flugverspätungen, verlorene Gepäckstücke und verstopfte Straßen. Da kann man froh sein, wenn man überhaupt ans Ziel der Reise kommt. Nicht schon wieder Stau! versammelt wunderschön hinterhältige Reisegeschichten von John Irving, T.C. Boyle, Martin Suter, Doris Dörrie, Anna Gavada und vielen anderen. *

Nicht schon wieder Stau! Hinterhältige Reisegeschichten. Diogenes TB. Zürich 2009. ISBN 978 3 257 23949 2

* Text vom Umschlag hinten, ebenda.

Im Bus, morgens (Herbst 2016)

(Nun ist es wieder Herbst und ich fahre wieder mit dem Bus. Nichts scheint sich geändert zu haben. Doch! Einige fehlen auf dieser morgendlichen Prozession. Sind irgendwie abhanden gekommen.

Vielleicht haben sie sich noch nicht eingefunden ins Alltägliche oder sie sind in Rente gegangen. Möglicherweise haben sie alles hinter sich gelassen.
Anyway, der Bus ist genauso voll, wie immer. Manche von ihnen sind älter geworden…)

Überall wo ich hinsehe grinsen mich Plakatgesichter an, während Menschen mit Trauermasken sich zu den Orten ihrer künftigen Niederlagen karren lassen. Es ist eine äusserlich stumme Prozession.

Es ist kaum zu ertragen. Alle sind sie irgendwie verkabelt und hören scheinbar Individualmusik. Oder sie daddeln auf ihren Handys (auch individual, versteht sich). Graufärbung herrscht vor.

Selten lassen sie jemanden mitspielen oder teilen sich die Kopfhörer mit einem Sitznachbarn. Vielleicht wollen die auch nur cool sein. (Ich denke sie verwechseln da was.) Manchmal kichert ein Paar. Ein Highlight.

Die Menschen unterhalten sich dann kurz und die Gesichter werden heller. Sie haben offenbar ihre Masken dafür abgelegt. Kurz darauf wieder nur noch grinsende Plakatgesichter. Die Niederlagen warten weiterhin beharrlich; alles ist wieder graugefärbt, als sei nichts vorgefallen.

In welchen Realitäten man sich zeitgleich so bewegen muss. Auf Dauer geht ignorieren nicht. Zu ändern ist es nicht aber so sein will auch nicht funktionieren – da kann man sich noch so abmühen. Wenn man nicht krank daran werden will, hat man zu lernen damit um zu gehen.

Als Zuschauer und Eckensteher seit je her. Das ist nicht ausgesucht. Es gibt so viele Geschichten zu erfahren. Warum erzählen die Menschen nicht davon (oder hören zu).

Statt dessen wird die Zeit erschlagen. Man glaubt gar nicht, wie anstrengend der öffentliche Nahverkehr mitunter sein kann. Wenn die Tage schon so beginnen, wo soll das nur hin führen?

Die Zwiebacktüte – aus gegebenem Anlass

Die Bäckersfrau gibt es seit etwa dreißig Jahren nicht mehr. Jetzt wollen die schon wieder einen neuen Kopf für die Werbung bringen. Sanft versteht sich. Die Kundschaft soll sich daran gewöhnen können.

Das Gute ist der Feind des Besseren, sagt man und man sagt auch, dass das Neue das Alte ersetzen muss. Immer. Als ich feststellte, dass die Bäckersfrau abgelöst war, habe ich den Text von Hüsch hervorgeholt und im Schwesterblog ‚AllesmitLinks‘ veröffentlicht. Eine davon war etwa im März 2014, also reichlich spät.

Irgendwo und irgendwann, subjektiv.

Und dann habe ich mal von einem Projekt gelesen. Es sollte eine Stunde dokumentiert werden. Das war doch … egal. Man ist, glaube ich, nicht fertig geworden, hat sich verfranzt in der Endlosigkeit. Es gibt so viele Informationen, zeitgleich, auf engstem Raum. Und dann die ganzen anderen Räume. Daneben. Darunter und darüber…

Das kann Tage, Wochen oder Jahrzehnte dauern. Es bleibt nurmehr der Weg ins Subjektive. Auch das: Tage, Wochen oder Jahrzehnte. Das gibt dann wieder Raum für Interpretationen, Einschätzungen, Bewertungen, die wiederum selbst kommentiert und einsortiert werden können.

Bei allem, falle ihm immer aus seiner Jugendzeit die Geschichte mit der Zwiebacktüte ein, die Zwiebacktüte, auf der immer eine Bäckersfrau abgebildet gewesen sei, die auf ihrem Kopf eine Zwiebacktüte getragen, und eben auf dieser zweiten Zwiebacktüte sei wieder eine Bäckersfrau abgebildet gewesen, die eine weitere, schon wesentlich kleinere Zwiebacktüte auf ihrem Kopf getragen habe, und auf dieser schon wesentlich kleineren Zwiebacktüte sei wieder eine weitere, aber immer die gleiche Bäckersfrau abgebildet gewesen, die eine weitere, schon winzig kleine, aber immer die gleiche Zwiebacktüte auf ihrem Kopf getragen habe, und nun habe man diese letzte Zwiebacktüte nur noch mit der Lupe erkennen können, gleichviel habe aber immerfort eine weitere, immer kleiner werdende Bäckersfrau eine immer kleiner werdende Zwiebacktüte auf ihrem Kopf getragen, und auf einmal wären weder Bäckersfrau noch Zwiebacktüte auszumachen gewesen, aber in seinem Kopf habe er die Geschichte weiterverfolgt bis zur Schlaflosigkeit über die Endlosigkeit der Bäckersfrau mit der Zwiebacktüte, bis zum Wahnsinnigwerden und heute habe er große Lust, über sein ganzes Tun und Lassen DIE ZWIEBACKTÜTE zu schreiben. *

Es gab genau diese Tüte. In meiner Jugend hatte ich eine Phase, da wurde ausschließlich Milch und Zwieback verzehrt. Alternativ dazu manchmal auch nur Zwieback. Das war diese Zeit. Aus Langeweile habe ich die Tüte studiert und dabei das Bild irgendwann entdeckt.

Mit seiner Geschichte hat der Hüsch mich daran erinnert. Später. Dann habe ich aber auch noch festgestellt, dass ein Verantwortlicher – und man kann ihn nur ‚unachtsam‘ nennen – das Bild ausgetauscht hat. Da strahlt mich jetzt ein Kind an.

Man soll sich nicht in anderer Leute Belange einmischen. Denkbar wäre es allerdings dem Menschen, der dafür verantwortlich zeichnet, in den, gewiss weitläufigen, Kellergewölben der Firma ein neues Wirkungsfeld einzurichten. Mit allem was dazu gehört.

Er könnte dort Schrauben sortieren oder alte Akten ordnen. Bis zur Rente, bei vollen Bezügen. Niemals müsste er irgendwo und irgendwann auch nur ein Bild austauschen. Vielleicht würde er dort glücklich werden. Sein Glück sei ihm gegönnt. (Ihr natürlich auch!)
________
Nachsatz:
a:) Ich habe mich gefragt, ob man ein Inhaltsverzeichnis in diesem Buch schlicht vergessen hat. Soll ja vorkommen. Sie haben es nicht vergessen. Man braucht es nicht. Man kann jede Geschichte, jeden Text nehmen. Es ist ein Gesamtkunstwerk. Wie ein Mantra.

Trotzdem: Manchmal möchte man etwas zitieren, so wie heute. Es ist erstaunlich, weil sofort zu finden.

b:) Objekt ist, allgemein gesagt, eine Sache oder ein Gegenstand. Es gibt Objekte und dazu gehören auch dann wieder Situationen. Die können von Menschen geprägt sein. Deren Betrachtung nimmt jedoch immer ein Subjekt vor. Anderen ist das piepe.

c:) Einen wunderbaren Artikel zum Thema ‚Originalität‘ findet zum Beispiel man im lesenswerten Blog ‚buzzaldrins Bücher‘ unter https://buzzaldrins.wordpress.com/2013/07/05/die-falschung-der-welt-william-gaddis/
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* Hanns Dieter Hüsch: Den möcht‘ ich seh’n… Satire Verlag, Köln 1978.
ISBN 3 88268 005 9
Ebendort, Seite 197: Die Zwiebacktüte.

So Tage – auch in Bielefeld!

Bielefeld hat etwa die Ausmaße von Palma de Mallorca, der Schönen im Mittelmeer. Niemand käme wohl auf die Idee Bielefeld mit dieser Metroplole zu vergleichen. Warum eigentlich nicht? Bielefeld bietet seinen Bewohnern viele schöne Quatiere, die man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann. Den üblichen Verkehrsstau hat Palma auch.

Zu Bielefeld gehört neben der Natur im Teuto und den netten Quatieren auch so etwas wie der Bahnhof von Brackwede. Dort kann man sich genau so verloren und deplaziert fühlen, wie in einem schmutzigen Vorort von Palma oder sonst wo auf der Welt. Oder glücklich, dass man Sinne hat, die etwas fühlen. Das eigentlich Internationale ist der Schmutz und die Schönheit. Sie sind Geschwister. Es liegt alles im Betrachter. Der Ort ist dann gleichgültig.
 

es gibt tage, da träum ich mich
in die schmierigste bahnhofskneipe
im westlichen ruhrgebiet
wo mich keiner mehr findet
und keiner mehr sieht
wo kein spruch mehr landet
und kein spruch mehr zieht
dort kaufe ich mir bier
und dünne zigarren
höre dabei die zugansagen

vielleicht
gehe ich später
auf den bahnsteig und
esse ein stinkendes phosphorwürstchen
ich töte -wennderintercitydurchrauscht-
den widerlichen wurstgeschmack
mit reichlich löwensenf
der fahrtwind macht mir gänsehaut …
dahinten wollen zwei abschied nehmen

ich beobachte
wie sie bedacht ihre netten
lügen austauschen und dabei
von einem fuß auf den anderen treten
mich ekelt
die netten lügen wollen gut plaziert sein
darum
wünsche ich den beiden eine
saftige zugverspätung …
und kotze direkt in den abfalleimer
neben dem kiosk – volltreffer!
erleichtert suche ich mir ein taxi
und fahre irgendwohin …

(manchmal reicht mir auch diese autobahnraststätte
bei castrop-rauxel, dann ergibt sich dieses truckstopfeeling,
was auch nicht zu verachten ist,
wenn das kotzen nicht selbsttätig von statten gehen will.)

Nachsatz: An diesem Artikel ist der Titel geändert und ein paar Kleinigkeiten. Sonst nichts. Eine wilde Gans, eine die Mützen faltet, eine die Sätze findet und noch viele andere haben mich an diese Geschichte im westlichen Ruhrgebiet erinnert. Den Nachsatz hier, wurde selbstverständlich auch umgeschrieben. Ich war noch niemals in Castrop-Rauxel. Und schmierige Bahnhofskneipen sollte es nicht mehr geben, jedenfalls hier nicht. Sonst hat sich wohl nichts geändert. Ich danke sehr.

willi (1987/2016)

Ordnung –>

Wenn alles seine Platz findet, dort
eine Schublade hat, als Ort.
Oder doch besser die daneben?
Ordnung ist..das halbe Leben.

–>Ordnung, die: Im Zweifelfall kann man auch immer bei Herrn und Frau Wikipedia nachsehen. Nach vielem was wir und eh´schon dachten ist hier auch ein Herr genannnt: Carl Ordnung (1927–2012), deutscher evangelisch-methodistischer Laienprediger, Funktionär der DDR-CDU und Autor. https://de.wikipedia.org/wiki/Ordnung

Nun gut, wie es scheint war er ein fleißiger Mensch.

Zur Herkunft des Substantives Ordnung, allerdings, verraten uns Frau und Herr Wikipedia in einer ihrer Abteilungen für Wörter unter anderm dieses:
mittelhochdeutsch ordenunge „Reihe(nfolge), Anordnung, Regel, Vorschrift, Einrichtung, Lebensweise“, althochdeutsch ordinunga „Reihe, Einrichtung“, belegt seit der Zeit um 1000.
Ableitung (Derivation) des Substantivs zum Stamm des Verbs ordnen mit dem Suffix -ung als Derivatem (Ableitungsmorphem); das Verb geht über mittelhochdeutsch ordenen, althochdeutsch ordinōn und ordināre → la auf das lateinische Substantiv ordō → la „Reihe(nfolge), Glied, Stand, Ordnung“ zurück.
(https://de.wiktionary.org/wiki/Ordnung).

Was soll ich
mit der Hälfte nur?
Dem Ganzen bin ich
auf der Spur..

Das bringt mich aber wieder zu dem Herrn Ordnung, dem Carl, zurück. Logisch. Man kommt da leicht vom Hundertsten ins Tausendste. (Diese Redewendung kam im ausgehenden Mittelalter auf und hat widerum auch sehr etwas mit Ordnung zu tun.) Alles noch im grünen Dings, äh.. grünen Bereich, meine ich.
In so Lexika tun sich dann doch schon mal spannende Bezüge auf. Quasi von jetzt auf gleich. So.

Schiffbruch mit Tiger

Schiffbruch mit Tiger
Diese Rechnung ist für mich noch offen. Die Frage begleitet mich. Es ist die Frage wie jemand das mit dem Tiger geregelt hat. Da nutzt auch kein Spruch, jedenfalls ist mir noch keiner begegnet, der plausibel die ganze Mühe erklärt, die so ein Leben verursacht. Vielleicht ist es einfach nur erstaunen über das, was passiert..

Im Spiegel sehen sich die Menschen noch seitenverkehrt. Sie haben immer nur ein Näherungsbild von sich. Vom anderen geht es nur über diesen Umweg. Die Welt besteht aus Mimikry. Jeder – also auch ich – kann gar nicht anders, als sich die Menschen vorzustellen. Das heißt, sie sind dann vollständig, wenn ich sie sehe. Wer kann schon guten Gewissens Casting betreiben?

Man könnte genauso gut Abenteurer werden oder Lebemann oder Intellektueller. Stattdessen endet es vielleicht und meist im Mittelmaß. Was heißt hier schon ehrliche Einordnung der Ereignisse?

So etwas ist spannend bis man es herausgefuden hat. Es erinnert mich doch sehr an ‘Stoner’ von John Williams (https://allesmitlinks.wordpress.com/2014/11/15/stoner/).

Die beste Ordnung taugt nix. Als willi sich aufmachte, um die Welt abermals zu retten, war ihm dieser Gedanke schon geläufig. Die Zeiten ändern sich, aber die Menschen? (https://ernstzwo.wordpress.com/2013/04/26/fruhlingsfest-2/)

Systeme, die Ordnung versprechen sind ja dazu da, Übersichtlichkeit herzustellen – für wen auch immer. Eigentlich sieht das hier nach einer Buchbesprechung aus. Aber es ist auch ein willi-Text. Der Zweifel nagt. „Ordnung ist das halbe Leben“, sagt man. Wer, bitteschön, begnügt sich mit der Hälfte?

Das ist tatsächlich ein willi-Text, keine Besprechung.

Ich lebe jetzt fast vierzig Jahre mit dieser Frau zusammen, lange genug, um herauszukriegen welche Talente wo versteckt sind.

Und, was bringt uns das jetzt? fragte mick. Nichts, war die fast gleichzeitige Antwort von ernst und willi. Wenigstens dies, dachte mick. Dann ging er los, und ließ die anderen hinter sich. Dabei summte er Jealous Guy von John Lennon. Business as usual.

Kommentar im Anhang:
Da die ästhetische Stimmung des Gemüts der Freiheit erst die Entstehung gibt, so ist leicht einzusehen, dass sie nicht aus derselben entspringen und folglich keinen moralischen Ursprung haben könne. Ein Geschenk der Natur muss sie sein; die Gunst der Zufälle allein kann die Fesseln des physischen Standes lösen und den Wilden zur Schönheit führen. Der Keim der letztern wird sich gleich wenig entwickeln, wo eine karge Natur den Menschen jeder Erquickung beraubt, und wo eine verschwenderische ihn von jeder eigenen Anstrengung los spricht – wo die stumpfe Sinnlichkeit kein Bedürfnis fühlt, und wo die heftige Begier keine Sättigung findet. Nicht da, wo der Mensch sich troglodytisch in Höhlen birgt, ewig einzeln ist und die Menschheit nie außer sich findet, auch nicht da, wo er nomadisch in großen Heermassen zieht, ewig nur Zahl ist und die Menschheit nie in sich findet – da allein, wo er in eigener Hütte still mit sich selbst und, sobald er heraustritt, mit dem ganzen Geschlecht spricht, wird sich ihre liebliche Knospe entfalten.

(Über die ästhetische Erziehung des Menschen – 26. Brief) Gefunden im Friedrich-Schiller-Projekt # https://friedrichschillerprojekt.wordpress.com/2015/07/25/philosophische-schriften-26/

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So banal wie es aussieht ist es auch, nach meiner Auffassung. Doch als trivial wurde ich dies keineswegs bezeichnen. Naturgesetze können nicht ausser Kraft gesetzt werden. Selbst der Harlekin und seine Freunde müssen das anerkennen. Alles was sich denken lässt, wird gedacht. Irgendwann. Und alles was möglich ist, wird auch gemacht. Garantiert.

Es gibt nichts Neues auf dieser Welt. (Pred 1,9) Es war immer schon irgendwo da. Es sieht ganz nach einem Hase-und-Igel-Spiel aus. Alter Wein in neuen Schläuchen, so zu sagen. Vom musikalischen Standpunkt aus gesehen ist Wiederholung ja kaum als verwerflich anzusehen. Im Gegenteil. Erzeugt sie doch Geborgenheit durch eine gewisse Vertrautheit. Das Simple, etwas was sofort plausibel ist, kann durchaus beglückend wirken. Gleichfalls kann man das ein oder andere ausblenden.

Wer hat Angst vor Rot, Blau, Gelb? Diesen Text, den ich am 17. März 2013 veröffentlich habe, widme ich allen, die ihn Lesen wollen.
* https://allesmitlinks.wordpress.com/2013/03/17/wer-hat-angst-vor-rot-blau-gelb/ Und jetzt?

Ich habe mir ein Buch von Rafik Schami besorgt. Darin las ich wieder über das Wesen der Märchen. Toll! Man will nichts verbergen. Man will was rauskriegen und verfällt oft in den Jargon dessen, was man anspricht. Um etwas heraus zu finden. Manchmal denke ich, es ist doch die pure Lust etwas zu erzählen. Im Winter geht so etwas, für Gartenhaber ist das natürlich etwas besser. Möglicherweise Konjunktiv

https://gazelleblockt.wordpress.com/2015/06/13/der-schrei/ :

Edvard Munch_Der Schrei

Oder: Gustav Sack (1885 – 1916)_aus der Sammlung “Die drei Reiter” 1912/1913

Und: Philosophicum Lech »Ich« – Der Einzelne in seinen Netzen. Herausgegeben von Konrad Paul Liessmann – Paul Zsolnay Verlag, Wien – 2014

Und: https://www.youtube.com/watch?v=71D8cRYioXc

Und: Monika Offenberger: Symbiose – Warum Bündnisse fürs Leben in der Natur so erfolgreich sind. Deutscher Taschenbuch Verlag dtv 2014 ISBN 978-3-423-26055-8

Usf…

Alltäglich, nicht einfach.

Alles mit Links.

Ein Junge verliert seine Familie bei einem Schiffsunglück. Er treibt letztlich allein mit einem Tiger über den stillen Ozean. Nun ist so ein Tiger nicht gerade das, was man als Kuscheltier bezeichnen würde. Dieses Tier ist ausgewachsen und frisst alles, was ihm in die Quere kommt.

Zu den Überlebensstrategien des Jungen gehört es fortan, den Verdauungsapparat dieses Tieres aus gewisser Distanz im Blick zu haben, und Futter für die Bestie zu besorgen. Umbringen geht nicht, der Tiger ist einfach zu stark. Auf der anderen Seite würde man den letzten Gefährten auch noch verlieren.

Für einen kontinentalen Betrachter ist so ein Ozean oftmals nur Wasserwüste. Schnell von a nach b kommen, um dann wieder an Land und seiner Wege zu gehen; das geht noch in Ordnung. Wasser und Wellen genießt man lieber mit festem Grund unter den Füßen.

In der Regel reicht es für ein Erinnerungsfoto mit Möwen. Das Meer aber…

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Spatenforschung

Still crazy after all these years. P. Simon

Weil willi sich der Tragweite dieses, und auch ähnlicher, Gedanken bewusst war, hatte er beschlossen, in aller Stille sich dieses Themas zu widmen. Schließlich war er ja privat unterwegs. willi wurde jedoch an seinem Projekt gehindert. willi war kein Systematiker. Im Gegenteil.

Er ließ sich all zu oft einschüchtern von der Mächtigkeit der Aufgaben, denen er, von Zeit zu Zeit, gegenüberstand. So auch hier. willi kniff, ließ sich treiben. Schließlich gelangte er – gewiss über Umwege – zu dem Punkt, die semantische Umgebung des Begriffes Spatens näher zu betrachten.

Bei der willi anhaftenden Schluderigkeit konnte auch dies schlechterdings Ergebnisse minderer Qualität zeitigen. Aber willi brauchte dieses Thema. Jetzt! willi sah sich plötzlich gezwungen die Spatenforschung voranzutreiben. Es ist daher für den Betrachter müssig, jedweden Gedanken an willis Gründe zu verschwenden. Das Kind war quasi schon in den Brunnen gefallen. Plumps.

Der Spaten als solcher, so fand willi heraus, ist funktional eindeutig belegt. Er war erleichtert, dass er zu diesem Gedanken gefunden hatte. Gerade, als willi sich selbstzufrieden zurücklehnen wollte, überfiel ihn wieder diese Unruhe. Aber daran war er nicht ganz unschuldig, er musste ja nachschlagen! Für die Ahnung eines Augenblicks zögerte er, um dann auf später zu stossen.

Auf Spaten folgt später! Und damit nicht genug: spät – später – zu spät. So seine Überlegung. Es war infam. willi konnte sich nicht lösen. Und, es sollte noch schlimmer kommen. Das ging wie im Galopp (kommt noch, kommt noch).

Spasmen und Spaß! willi sah sich einem anrückenden Schweißausbruch ausgeliefert. Dann: Spat, was eine – ihm bis dahin unbekannte – Pferdekrankeit ist. willi konnte etwas Luft holen bei der Betrachtung dieses Ausdrucks.

Eine kurze Linderung seines allgemeinen Zustandes, denn was um alles in der Welt war der Zusammenhang zwischen der Sequenz von früh bis spat mit der o.g. Pferdekrankheit und einem gewöhnlichen Haushaltsspaten? willi wußte nicht, wie er das alles unter einen Hut bringen sollte. Er fürchtete ernsthaft um seine Nachtruhe.

Erschöpft ließ er sein Auge nach unten wandern und fand nach Spätgotik und Spätgeburt den Ausdruck Spatikum, was soviel wie Zwischenraum bedeutet. Im Zusammenhang mit dem nun folgenden Spatz, der ihn unweigerlich an eine Spätzin erinnerte, fühlte unser willi die nun drohende Agonie auf sich hereinbrechen.

Da konnte auch ein an sich frohgestimmtes Spätzle auch nichts mehr ausrichten, zumal er Nudeln sowieso nie sonderlich zu schätzen gelernt hatte. Spektabel, was etwa ansehnlich bedeutet, führte willi – schon merklich geschwächt- über Spekulatius zu dem verhängnisvollen Ausdruck: spekulativ. Ermattet ließ Willi den Duden zu Boden gleiten und erklomm mit letzter Kraft das Bett.

Mach Dir nichts draus willi, und schlaf gut!

Anmerkung:
Es fing alles damit an, dass ich im Baumarkt vor dem Regal mit den Spaten stand. Meiner Konstitution folgend habe ich mich dann doch für einen handelsüblichen Damenspaten entschieden. Dieser Spaten ist mir sehr ans Herz gewachsen.

Schließlich hatte ich damit einiges vor. Die Flächen lächelten mich überlegen an. So etwas verbindet. Das Fräulein von damals habe ich längst aus den Augen verloren. Zuletzt hörte ich, sie sei mit ihrem Prinzen sehr glücklich. Das ist auch gut so.

Den Spaten habe ich immer noch. Es war ein guter Kauf. Ich habe sogar einmal eine etwas metaphysisch anmutende Wette wegen ihm gewonnen. (Ich spiele sonst nie.)

mick (1987/2013, 2015)