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Willemsen, Steinbeck, Beuys und so

Forensiker aller Länder vereinigt euch!

– Haben die doch längst. Die sind auf dem Vormarsch.

Ok. Die Forensiker haben es also fast geschafft? War denn der Steinmeyer auch so einer?

– Den kenne ich nicht. Steinbeck, den kenne ich. Und das war keiner.

Ahh, Du meinst so einen Satz wie: Vielleicht ist ein Begreifen immer erst hinterher möglich. S.120*

Politik ist lustig. Stammt, soweit ich informiert bin, von Josef Beuys. Grandios aber auch kein ausgesprochener Forensiker, obwohl? Nein, eher nicht.

Und wer war jetzt einer, Deiner Meinung nach?

– Roger Willemsen (zum Beispiel). Er beobachtet ein Ehepaar, offensichtlich haben sie sich längst arrangiert. Er sieht den Ehemann an und spürt, was er denkt.
Im Grunde aber, schießt es ihm durch den Kopf, ist es aber noch schlimmer: Wenn das Leben nicht aus Dingen bestünde, die einem das Leben erleichtern sollen und hinter denen man lebenslänglich her ist, man wüsste gar nicht, warum man leben sollte. (S.12)
Dafür könnte ich ihn heute noch drücken, knutschen. So etwas in der Art. (Was er sich – aus gutem Grund – sicherlich verbeten hätte, wir kannten uns doch gar nicht.)

Das Ehepaar hat sich abgefunden und aufgegeben.

– Genau. Und mit solchen Sätzen hantierte der ständig. Willemsen erklärt den Gedanken kaum. Gibt aber die Situation wieder, in der er es fühlte. Das gilt für viele Zusammenhänge. Und Zusammenhänge konnte er sehen. Er seziert, breitet aus, lässt die Leser dann selbst (be)urteilen.

Eine poetische Reportage, so zu sagen.

– Ein anderes Beispiel. Der Heller schrieb einmal: mit welchem tonarm sie diese platte abspielen ist uns scheißegal **

Du bist davon überzeugt, das war ernst gemeint?

– Natürlich war das ernst gemeint.

Du meinst, denen war allesamt wichtig, dass sie sich erst ein mal selbst zurechtfanden. Wenn dabei noch ein paar ihrer Erzeugnisse verkauft wurden, umso besser?

– Man könnte es auch so sagen: Wer je von der Atmosphäre alter Bahnhöfe berührt wurde, auf denen Menschen, noch ganz mit Fremde behangen, ankommen, um ihren ersten Blick auf das Neuland zu werfen, der sieht der Umwandlung dieser sozialen Umschlagplätze von Hoffnung und Elend in Zentren des Erlebnis-Shoppings mit Widerwillen zu. (S.40)

Roger Willemsen: Deutschlandreise Fischer-TB, Fankfurt am Main April 2004. Hier: 12. Auflage 2016

* John Steinbeck: Die Reise mit Charley. Auf der Suche nach Amerika. Wien, 2002. Paul Zolany Verlag. Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von B. Kroeber. (Die Originalausgabe erschien 1962.)
ISBN 3 552 05190 2

** André Heller: Platte (1970). AVRS 9265 St

PS.: Forensik meint hier die Art wie jemand seine Gedanken formuliert. Es ist von einem Qualitätsurteil sehr weit entfernt. Wie überall gibt es solche und solche.

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Die Welt ist dumm

Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,
Wird täglich abgeschmackter!
Sie spricht von dir, mein schönes Kind,
Du hast keinen guten Charakter.

Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,
Und dich wird sie immer verkennen;
Sie weiß nicht, wie süß deine Küsse sind,
Und wie sie beseligend brennen.

                                Heinrich Heine

Aus: Gedichte, die glücklich machen. ISBN 978 3 458 35997 5

Ein Mirabellenbäumchen soll es sein -wird es!

Erstens kommt es anders und zweitens als man…

Seit gestern Morgen um 04:02Uhr sind sie zu 4. 🙂

Sie haben einen kleinen Riesen (4260g und 56cm; KU 36cm) bekommen: „Er heißt E… E trägt später Bart und spielt Football, so oder eben anders.“ 😉 Sie werden es sehen. „Auf jeden Fall bringt er N schon gut aus der Fassung. Wenn der Kleine weint, hyperventiliert der Große mit. Ansonsten findet N den kleinen Bruder ganz cool und der Ausflug in der Nacht war auch ein Abenteuer, also kann so ein Baby gar nicht so schlimm sein.“

N hat ihr in der Nacht gut zugeredet: „Mama, alles klar?“; „Mama, das ist nicht so schlimm!“; „Heute wird ein schöner Tag.“ Kinder wissen eben Bescheid 🙂

„Die Geburt verlief schnell. Hatte die 26Std wohl schon vorgearbeitet, davon hab ich aber wenig mitbekommen. Um 02:30Uhr bin ich dann wach geworden, um ca 03:00Uhr hab ich V und die Hebamme geweckt. Gegen 03:30Uhr waren wir im Geburtshaus und um 04:02Uhr war er dann da. Seit 06:30Uhr sind wir wieder zu Hause und es ist alles gut. Kind trinkt und pinkelt, Mama liegt soviel wie es geht (leider ist der Damm gerissen, was bei der Geschwindigkeit wohl nicht ausbleibt) Der Papa bändigt N. Überschuss an Energie und Euphorie.“

Ihre Hebamme ist Gold wert. …

„Also, liebe Grüße aus dem Wochenbett! Wenn uns jemand sucht, wir sind hier.

V, N, E und P“

N ist drei und jetzt der Große. Und Oma freut sich und ist mit Opa furchtbar stolz, glücklich und zufrieden. Die Brüder der jungen Mutter auch. Die Schwiegereltern haben schon mehr Erfahrung mit dem Großeltern sein. Sie haben sofort und prompt reagiert. Das war gut!! Danke.

Jetzt soll es also ein Mirabellenbäumchen sein -wird es!

Dazu: Listen to the man.

Spass

Die wollen nur spielen.

Schön. willi beginnt diesmal mit Katzenjammer. Dieses geht letztlich auf den unvergleichlichen Zweitesselbst’s Blog zurück:
Tea With Cinnamon.

mick hat das St-Petersburg ska-jazz Review einmal von der unvergleichlichen wolkenbeobachterin anempfohlen bekommen:
Too good to be true.

…während ernst sich mit Nathaniel Rateliff and the Night Sweats – I Need Never Get Old beschäftigt. (Wie ich an den gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Gut ist er trotzdem.)
I Need Never Get Old.

Einen guten Start in die Woche Euch allen. Lasst es euch gut gehen!

Jet zum affrocke, aff un zo (zwo)

Zorro? Dä pisst höchtsten ä ‚Zett‘ in dä Schnie.. * Zeile aus Kristallnacht, Bap.

Schön. willi beginnt diesmal widder:
Niedeckens BAP – Anna.

Während mick sich mit dem Clueso & Wolfgang Niedecken bei Zimmer frei verlustiert..

..ist ernst mal wieder tiefer in die Geschichte eingetaucht: Der Niederrheiner kann ja – folgt man dem Hüsch – alles erklären.
In jedem Fall aber sagte Klekih-petra frei nach Karl May in Winnetou I: „Gute Medizin.“ Und der war ja bekanntlich Sachse 🙂 (Der andere wohl auch?)

Wo die sich auch überall rumtreiben. Da machse nix!

Und manchmal, nur manchmal, kommt so’n Zorro um die Ecke..Aff un zo.

willi, mick und ernst grüßen.

Nicht schon wieder Stau!

Ein Treffer

Das Buch könnte auch verpaßte Gelegenheiten, displaced Persons oder schilcht Warten zum Titel haben. Denn gewartet wird genug in den Geschichten: auf Leute, auf Gelegenheiten. Und immer sind Hoffnungen und Menschen im Spiel. ….

Nicht schon wieder Stau! war als Joke gedacht. Mein Mitfahrerin brachte es mir, von ihren posturlaublichen Einkaufsbummel mit. Es war ein schöner Urlaub an der See aber dort hatte sie nicht das richtige Gefunden. Ich hatte mir vor dem Spiegel unserer Ferienwohnung – quasi als Resümee der Reise – vorgenommen nie mehr auf bessere Zeiten zu hoffen. Statt dessen sollte alles so genommen werden, wie es war.

Und so kam es denn, daß wir direkt von einem Stau zum nächsten fuhren. So ruhig war ich selten angesichts der erwartbaren Zeitverschwendung. Unsere Verweildauer auf der Bahn verdopplte sich. (Gefühlt war es das vierfache!)

Auf der S.23 las ich später bei John Irving folgenden Satz:
„Die Gefühle am frühen Morgen gehören zu den Illusionen, denen wir uns hingeben müssen, wenn wir je irgendetwas schaffen wollen.“

Die Geschichten waren vielleicht als Entschädigung gedacht, für das was hinter uns lag. Pottendorf war das Ende von allem. Ich habe diesen Ort nie gesehen. Der Name, in Echt war er etwas anders, ich wollte niemandem zu Nahe treten.

So wurde aus Wut Spaß. Auf jeden Fall standen wir in der Nähe dieses Ortes in einer Schlange, mit den anderen von der Autobahn… um zu warten. Nahe der Heimat, auf sog. Schleichwegen ist das besonders schlimm.

„Die Leute lernen in Wirklichkeit nur sehr wenig über sich selbst, als würden sie es in Grunde genießen, sich fortwährend preiszugeben.“ S.36 (Irving)

Gewartet wird immer… und wenn es nur auf den Bus zur Arbeit ist. Solange man das Gefühl hat, es ginge irgenwie weiter, ist noch Hoffnung da; so hält es die Geister scheinbar wach.
Warten trägt dann.

>>Reisen ist eine arge Beschäftigung. Das moderne Unterwegs ist womöglich noch schlimmer als das vergangene. Früher wurde man von unkonzessionierten Räubern überfallen und ausgezogen, und man hatte immerhin das Gefühl, dass einem Unrecht geschähe. Das hat sich geändert<<, so Erich Kästner. Statt Raubüberfällen gibt es heute Flugverspätungen, verlorene Gepäckstücke und verstopfte Straßen. Da kann man froh sein, wenn man überhaupt ans Ziel der Reise kommt. Nicht schon wieder Stau! versammelt wunderschön hinterhältige Reisegeschichten von John Irving, T.C. Boyle, Martin Suter, Doris Dörrie, Anna Gavada und vielen anderen. *

Nicht schon wieder Stau! Hinterhältige Reisegeschichten. Diogenes TB. Zürich 2009. ISBN 978 3 257 23949 2

* Text vom Umschlag hinten, ebenda.

Medizin, gute ** (ernst jetzt)

Kaum ist man mal für sich, da machen die schon Theater.

Stimmt, ich war wirklich irgendwo unterwegs. Sicher nicht mit dem Professor in Triest. Was der da wollte, das kann man sich ja denken. Abhaken, einfach abhaken.

Diese Gefühltheit, ich kann es nicht mehr hören. Damit es weitergeht erstmal meine Musikauswahl:

Sympathy For The Devil Like A Rolling StoneYou Can’t Always Get What You Want

Hilft gegen fast alles!

Und Pottendorf? Lachhaft. Als ob mich so ein Stau bei Bielefeld interessiert.

Ach ja, aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr heraus.. Und ich gebe auch meinen Senf dazu. (Wenn denn die andern zwei mich lassen.)

Jeder hat so seins: Badesalz – Schön, dass du endlich da bist

Gut goan! – Ist westfälisch und bedeutet soviel wie: „Lasst es Euch gut gehen!“
So isset. Gruß ernst.

** Klekih-petra frei nach Karl May, Winnetou I.

Medizin, gute *

Gegen fast alles.

Schön. willi beginnt diesmal wieder. Und zwar mit Sting – Fragilidad (Buena Vista) Fragile.

Während mick sich mit Stevie Wonder beschäftigt:
Sir Duke..

..ich frage mich die ganze Zeit, wo eigentlich ernst abgeblieben ist? Das Ding hier könnte längst raus sein. ernst ist irgendwo. Vermutlich in Triest – kalt duschen, oder in Pottendorf..

Auf jeden Fall ist er nicht da, wo man ihn gerade braucht. Er muss ja auch nicht immer seinen Senf dazu geben. Jeder hat so seins.

Laßt es Euch gut gehen!

* Klekih-petra frei nach Karl May, Winnetou I.

Nich von Pottendorf

Ok. Also nich von Pottendorf.

  – Nicht von Pottendorf. Und jetzt ist gut!

Aber, die Ähnlichkeit is da. Datt wirse doch wohl nich abstreiten.

  – Wie soll ich? Ich war ja noch nie in Pottendorf.

Also unser Irmi, watt meine Omma mütterlicherseits is, die hatte ja damals einen aus Pottendorf geheiratet.

  – Ist nicht wahr.

Doch. Und so war die mit den halben Dorf irgendwie verwandt..

  – ..und daraus schliesst du jetzt meine angebliche Ähnlichkeit.

Genau. Du has nich zufällig sone Irmi in deine Genealogie?

  – Klar habe ich so’ne Irmi in meinem Stammbaum. Aber die wohnte doch in Äh.., in Dings.

Vor der Ehe! Dann ist die aber nach Pottendorf gezogen. Und jetz komms du.

  – Mutter hol‘ mich von der Zeche, ich kann das Schwarze nicht mehr sehen!!!!
  (Plötzlich kommst du von Pottendorf, da bisse nämlich wech.)