Archiv des Autors: mickzwo

zu A-B-C Etuden 39.17

Das würde ein ergebnisoffenes Wochenende werden. Aber so was von ergebnisoffen. Postfaktisch gesehen. Schließlich hatten die Kontrahenten einen Ruf zu verlieren. Es war zwar nicht der beste, das war allen klar, aber so war das nun mal.
Er würde sich der Herausforderung trotzdem stellen und bei einem oder einer dieser Quadrartscheißer sein Kreuzchen machen. Soviel Zeit musste sein.

Wortspende von https://wortsonate.wordpress.com 39.17

Advertisements

Fundstück

Wir alle haben zwei Leben.
Das Zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur Eins haben.

Tom Hiddleston *

Diesen Spruch habe ich im Urlaub vor einer Kneipe gesehen. Der war wohl als Hingucker gemeint. Das hat funktioniert. Am Ende konnte ich den Spruch auswendig. So oft habe ich die Tafel angesehen.
So habe ich jetzt ein Mitbringsel.

* Thomas „Tom“ William Hiddleston (* 9. Februar 1981 in Westminster, London) ist ein britischer Schauspieler. Wikipedia

Holma ’nen Doppelzentner Anthrazit von Humpert, Jung.

Nach und nach wurde aus der Braunkohle Steinkohle und mit nochmals mehr Druck Anthrazit. Deshalb ist die wirtschaftliche Qualität der Kohle umso besser, je tiefer sie in der Erde liegt und je älter sie ist.
aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Kohle#Anthrazitkohle

„Unser Wissen ist nichts, wir horchen allein dem Gerüchte.“ Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel

Der willi war so einer. War schon in Ordnung. willi hatte große Ideen und kleine Absichten. Manchmal konnte willi auch gescheit sein. Meistens aber liebte er lange Spaziergänge. Und wenn willi ging, hielt ihn nichts an. Im Grunde tat willi nichts anderes. Spazierte durch die Gegend und besah sich alles. Immer wenn willi unterwegs war, nahm er sich Zeit. willi betrachtete die Dinge und war froh, wenn er bemerkte, wie wunderlich alles war. Er wunderte sich gern. Und wenn willi sich so über ein Ding wunderte, dann war es seins. Es gehörte ihm und er konnte es mitnehmen. Mitnehmen auf einen Spaziergang. willi hatte Spaß, wenn er es dann drehen und wenden konnte und wenn er immer neue Seiten entdeckte, die ihn staunen machten.

willi war ein Sammler. Er sammelte Orte, sammelte Begegnungen, Augenblicke. Wenn willi müde war, setzte er sich irgendwo hin und betrachtete seine Sammlung. Er ließ sich dann treiben und fand auch Geschichten in seiner Sammlung. Die schrieb er dann auf. willi war stolz auf seine Geschichten. willi wußte, dass seine Geschichten alltäglich waren, genauso wie seine Sammlung, das wusste er. Manchmal kam es vor, dass willi in seiner Sammlung etwas fand, was er besonders mochte. Dann bekam er oft Sehnsucht danach. Er machte sich dann auf den Weg, es wieder zu entdecken. Das war ein Fehler und willi wusste es.

Er durfte nicht suchen. Obwohl willi klar war, was auf ihn zu kam, ging er dann und suchte. Niemals hatte willi je etwas entdeckt, wenn er auf der Suche war. Weil willi auch ein unverbesserlicher Fatalist war, studierte er dann seine Enttäuschung. Das war nicht schwer, denn willi wusste ja, das er sich täuschte. Aber sogar hier fand willi manchmal noch Erstaunliches; oft jedoch viel Langweiliges. Am Ende lachte willi über sich selbst, oder kratzte sich vor Verlegenheit am Kopf.

willi lieferte sich seinen Eindrücken aus. Manche Wege wiederholte er, um herauszufinden, ob die Eindrücke sich gleichen würden. Dann war willi wieder gefährlich nah daran, etwas zu suchen. willi wollte das nicht, aber er fand auch, dass dieses Suchen fest in seine Sammlung gehörte. Er sagte sich oft: Man lebt so vor sich hin und stolpert über manches. Mitunter geht man auf Dinge zu, oft ist das aber auch umgekehrt.

Der mit dem Roller war, glaube ich, Heinzi D.

Heinzi D. – für den Betrachter ganz rechts, etwas erhöht postiert – schien die Situation zu dominieren. Ob willi (das war der mit der Schüppe, ganz links aussen) in diesem Moment seine Position schon für sich deutlich vor Augen hatte, mag bezweifelt werden.

Es drängt sich dem Chronisten eher der Gedanke auf, dass unser willi noch an seinem Standpunkt arbeitete. In jedem Fall ließ sich aber schon zu diesem recht frühen Zeitpunkt mit Sicherheit sagen, dass willi sich spröde zeigte auch und gerade(!) gegenüber zweirädrigen Fahrzeugen.

Einzig Heinzi D. vermochte es für kurze Zeit einen Tretroller in der Runde zu etablieren – jedoch ohne nachhaltige Konsequenzen, wie es sich später noch abzeichnen sollte. Was Heinzi D. jetzt macht, entzieht sich zum jetzigen Zeitpunkt unserer Kenntnis.

Es sei auch nicht der Rede wert, wie man aus gut unterrichteten Kreisen noch unlängst zu hören bekam. Jedenfalls hätte willi keinen Kontakt mehr zu diesem Menschen. Er suche ihn auch nicht.

Nun, wie sich dieser Sachverhalt entwickeln würde, sollte die Zukunft zeigen. Etwas Genaues wusste man zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Oh man, willi!

Richtungen

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du mußt nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie. *

„Jetzt oder nie“
irgendwann passiert es
„Jetzt oder nie“
ist es wie der berühmte Sprung ins kalte Wasser
„Jetzt oder nie“
ist man schon tausendmal aufgetaucht
„Jetzt oder nie“
werden die Zaunkönige enttäuscht
„Jetzt oder nie“
und dann ist es gut
„Jetzt oder nie“ **
wird die Richtung geändert

„Ich glaube, die Meisten waschen ihre Autos;-)“ war die Antwort von Arabella dazu. **

* https://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_Fabel F.Kafka
** Unter Verwendung des Liedes von H. Grönemeyer auf der LP Bochum

So Tage (nicht in Bielefeld)

Kohlenkastenblues

Fett/Anthrazit Blog

Bielefeld hat etwa die Ausmaße von Palma de Mallorca, der Schönen im Mittelmeer. Niemand käme wohl auf die Idee Bielefeld mit dieser Metroplole zu vergleichen. Warum eigentlich nicht? Bielefeld bietet seinen Bewohnern viele schöne Quatiere, die man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann. Den üblichen Verkehrsstau hat Palma auch.

Zu Bielefeld gehört neben der Natur im Teuto und den netten Quatieren auch so etwas wie der Bahnhof von Brackwede. Dort kann man sich genau so verloren und deplaziert fühlen, wie in einem schmutzigen Vorort von Palma oder sonst wo auf der Welt. Oder glücklich, dass man Sinne hat, die etwas fühlen. Das eigentlich Internationale ist der Schmutz und die Schönheit. Sie sind Geschwister. Es liegt alles im Betrachter. Der Ort ist dann gleichgültig.

es gibt tage, da träum ich mich
in die schmierigste bahnhofskneipe
im westlichen ruhrgebiet
wo mich keiner mehr findet
und keiner mehr sieht
wo kein…

Ursprünglichen Post anzeigen 157 weitere Wörter

Medizin, gute ** (that is the message)

Kaum ist man mal für sich, da machen die schon Theater.

Stimmt, ich war wirklich irgendwo unterwegs. Sicher nicht mit dem Professor in Triest. Was der da wollte, das kann man sich ja denken. Abhaken, einfach abhaken.

Hilft gegen fast alles:
All You Need Is Love

Diese Gefühltheit, ein Trauerspiel.

Und Pottendorf? Lachhaft. Als ob mich so ein Stau bei Bielefeld interessiert.

Ach ja, aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr heraus.. ich gebe auch meinen Senf dazu. (Wenn denn die andern zwei mich lassen.)

Jeder hat so seins: Herr Kettler

Gut goan! – Ist westfälisch und bedeutet soviel wie: „Lasst es Euch gut gehen!“
So isset. Gruß ernst.

** Klekih-petra frei nach Karl May, Winnetou I.

Warum das hier so heisst, und nicht anders!

Nochmal: über den Nachbarblog!

Alles mit Links.

Als ich etwa acht oder neun Jahre alt war bekamen wir Besuch von ein paar Damen mit Hängetasche auf dem Unterarm. Es war Werkunterricht. Die Damen waren geschminkt und rochen so nach Kölnisch Wasser. Für uns war es ein Schulmorgen wie jeder andere. Wir waren emsig bei der Sache, wollten wir doch der Lehrerin imponieren, an die wir so fest glaubten. Was das für Damen waren und warum die unseren Unterricht besuchten, wurde uns nicht gesagt.

Uns störte das nicht, wir waren das nicht anders gewohnt. Ich war gerade damit beschäftigt ein Männlein aus Filz aus zu schneiden um es auf zu kleben. Da war ich schon geschickt drin. Schließlich hatte ich zu Hause ja ein gutes Vorbild, dem ich natürlich nacheifern wollte. Ich bemerkte erst gar nicht, wie so eine Dame mir dabei zusah. Doch dann brachte die den etwas hysterisch klingenden Ausspruch: Nein wie geschickt, und alles mit…

Ursprünglichen Post anzeigen 71 weitere Wörter

I never need to get old

Ich kenne so’n Dier.

Eine etwas rheinisch angehauchte Dame würde jetzt sagen: Man kann sich auch verkünzeln. Dabei würde sie leicht, fast unmerklich den Kopf schütteln.

Wer weiß das schon so genau.

mick bezeichnete so jemanden gern als Perfektionisten. Quasi als ein penibler ‚Durchschnittsmensch‘ *.

Immer weiter, immer weiter/ jeder guckt durch Fenster, und hält sich für gescheiter/ … singt da der Dichter in meinem Ohr. Ganz leise singt er so etwas (und doch so eindringlich).

ernst sieht einen, der genau das heraufbeschwört, was er niemals wollte. Beharrlich, stur, konsequent.

Darauf erläutert der willi: Ich kenne so’n Dier!

* Mir fällt gerade auf: dieser Ausdruck kommt bei Hanns Dieter Hüsch ständig vor. (Mehr oder weniger offen tritt das zu tage.) Offensichtlich hat er seine Philosophie danach gebaut. Der Niederrhein ist überall. Und Menschen sind so. Alles geht so seinen Gang.

Oben ist es still 3

Am meisten erinnere ich mich an die Krähen dieser Geschichte.

Komisch, was man so alles mit sich herumträgt. Mein Vater war gestorben. Und ich las von diesem holländischen Bauern: Helmer van Wonderen räumt auf. Er verfrachtet seinen Vater ins Obergeschoß des elterlichen Bauernhauses und richtet sein Leben neu ein. Doch die ländliche Ruhe währt nicht lang, … *

Mein Vater wurde einundachtzig. Er ist also im Herbst 2011 gestorben. Es war in der Nacht von 3. zum 4. Oktober als er mit dem Notarzt in die Klinik gefahren wurde. Von da an lag er halbseitig gelähmt für mehr als neun Jahre im Bett und starrte mehr oder weniger an die Decke. Das konnte ihm nicht recht sein. Niemandem war so richtig klar, was er noch erkennen konnte. Der Fernseher lief nun ohne Unterbrechung. Er war noch nicht fertig mit dieser Welt. Und immer rieselte dieser Fernseher.

Er wurde wunderlich, oft war er griesgrämig, selten zu Scherzen aufgelegt schien er sich zunehmend mit sich selbst zu beschäftigten. Mit Geschichten von damals und mit seiner Verdauung. Wenn ich zu ihm kam, einmal die Woche nahm er mich schon mal mit auf seine Reisen, im Kopf. Häufig war ich öfter bei ihm – unangemeldet, aber das machte ihm kaum Freude. Wenn ich jedoch an dem Tag, an dem ich frei zu haben hatte, zu ihm kam, dann war er schon den ganzen Morgen damit beschäftigt, mich zu erwarten.

Das war die erste Lektion, die ich von dem alten Mann empfangen durfte. Es sollten noch viele folgen. Wir hatten plötzlich Zeit. Viel Zeit. Die verbrachten wir mit einander. Ich lernte ihm die Haare zu schneiden und war sein Chauffeur. Er bestimmte die Richtung. Die Pfleger taten ihres. „Jeder Tag mehr, ist ein Tag weniger.“ Dieser Satz stammt nicht von ihm, den habe ich von meinem Lieblingsdichter. Er könnte von ihm sein. Wenn ich es recht überlege, der war ein echter Niederrheiner. Der konnte alles erklären, wusste aber nichts, verstand doch so viel und war manchmal einfach nur sprachlos. Ein Mensch, der nur aus Gefühl bestand mit dem Quäntchen Bauernschläue und dem Willen sein Ziel – welches das auch sei – zu erreichen, das war er.

Mein Vater war es auch, der mir in Verkleidung eines Freundes daher kam. Diesen Mummenschanz tat er als Vater, freundlich zwar, aber als Vater. So hat er mich erreicht und das war die letzte Lektion, die er mir erteilte: Respekt der sich aus Liebe speist.

Als ich Trost brauchte habe ich die Geschichte von Bakker gelesen. Und nicht verstanden. Da lag mein Vater schon vier Jahre immer auf einer Stelle… und es dauerte nochmal fünf Jahre bis er loslassen konnte. Ich glaube fest, er hat es mit Bedacht getan. Jetzt ist mir der Bakker wieder ins Auge gefallen. Ich kann ihn noch nicht lesen. Aber ich habe es versprochen.

Aber die Krähen, sie begleiten mich. Und es ist mir, als ob sie lächeln.

Gerbrand Bakker: Oben ist es still. Roman. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Suhrkamp TB. 2010.
ISBN 978 3 518 46142 6
* Ebendort: Umschlag, hinten.

Nachtrag: Die ganze Welt paßt auf den Fingernagelrand meines rechten Daumens. Immer gerade dann, wenn ich glaube dies begriffen zu haben, steht neben mir so ein Bademeister mit zwei, drei Helfern. Mit Wurzelbürsten bewaffnet lächeln sie…

Wirklich gute Besprechungen findet man über diesen Weg: Nederlandstalig! Gerbrand Bakker – Oben ist es still