Im Bus, morgens (Herbst 2016)

(Nun ist es wieder Herbst und ich fahre wieder mit dem Bus. Nichts scheint sich geändert zu haben. Doch! Einige fehlen auf dieser morgendlichen Prozession. Sind irgendwie abhanden gekommen.

Vielleicht haben sie sich noch nicht eingefunden ins Alltägliche oder sie sind in Rente gegangen. Möglicherweise haben sie alles hinter sich gelassen.
Anyway, der Bus ist genauso voll, wie immer. Manche von ihnen sind älter geworden…)

Überall wo ich hinsehe grinsen mich Plakatgesichter an, während Menschen mit Trauermasken sich zu den Orten ihrer künftigen Niederlagen karren lassen. Es ist eine äusserlich stumme Prozession.

Es ist kaum zu ertragen. Alle sind sie irgendwie verkabelt und hören scheinbar Individualmusik. Oder sie daddeln auf ihren Handys (auch individual, versteht sich). Graufärbung herrscht vor.

Selten lassen sie jemanden mitspielen oder teilen sich die Kopfhörer mit einem Sitznachbarn. Vielleicht wollen die auch nur cool sein. (Ich denke sie verwechseln da was.) Manchmal kichert ein Paar. Ein Highlight.

Die Menschen unterhalten sich dann kurz und die Gesichter werden heller. Sie haben offenbar ihre Masken dafür abgelegt. Kurz darauf wieder nur noch grinsende Plakatgesichter. Die Niederlagen warten weiterhin beharrlich; alles ist wieder graugefärbt, als sei nichts vorgefallen.

In welchen Realitäten man sich zeitgleich so bewegen muss. Auf Dauer geht ignorieren nicht. Zu ändern ist es nicht aber so sein will auch nicht funktionieren – da kann man sich noch so abmühen. Wenn man nicht krank daran werden will, hat man zu lernen damit um zu gehen.

Als Zuschauer und Eckensteher seit je her. Das ist nicht ausgesucht. Es gibt so viele Geschichten zu erfahren. Warum erzählen die Menschen nicht davon (oder hören zu).

Statt dessen wird die Zeit erschlagen. Man glaubt gar nicht, wie anstrengend der öffentliche Nahverkehr mitunter sein kann. Wenn die Tage schon so beginnen, wo soll das nur hin führen?

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5 Gedanken zu „Im Bus, morgens (Herbst 2016)

    1. mickzwo Autor

      Wir fahren im gleichen, wohl nicht in demselben Bus. Da liegen sicher schlappe 500 Kilometer dazwischen.
      Ich danke Dir! mick.

      Antwort
  1. hafenmöwe

    ich hoffe, dass es mal weder einen umschwenk geben wird. Dass es wieder „in“ sein wird, miteinander zu reden bzw leute und handlungen zu beobachten. Bestensfalls ohne den großen stromausfall vorher. Fürs Busfahren: Immer einen guten anschluss wünsch ich dir..

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Ich glaube nicht an den großen Umschwenk. Die Leute werden sich schon was Einfallen lassen, damit sie bloß nicht dem anderen in die Augen sehen müssen.
      Ich danke für die guten Wünsche! mick.

      Antwort
  2. Ulli

    Nahverkehr kenne ich kaum noch, ich vermisse auch nichts! Ich habe an meine Zeit in Berlin gedacht, da schnürte es mir manchmal den Hals zu, vor lauter angestrengter Wegschau in Bücher (Handys gabs noch kaum und schon gar keine Smartdings) oder Bücher oder unter sich, nur eben nicht an, selten und dann folgte ein Lächeln dem Tag …
    nee, ändern geht kaum, aber damit umgehen, das hast du treffend gesagt-
    herzliche Grüsse
    Ulli

    Antwort

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