Pause –

Ein Organismus, der nicht mehr innehalten kann, kommt nirgendwo an.
Er dreht sich nur noch im Kreis.

Müde. Ermüdet ist, glaube ich, das richtige Wort. Ich bin weder ernstlich krank, noch habe ich irgend eine andere Einschränkung. Jedenfalls merke ich nichts aus dieser Richtung. Das ist ja schon mal was. Es einfach an der Zeit ist.

Jeder hat so seinen Takt. Manche habe ich erreicht, andere nicht. Umgekehrt ist das natürlich genauso.

Es ist wie im realen Leben. Und das ist hier. Es ist jetzt Frühling, der Garten ruft oder ich suche die Menschen. Von beidem wohl etwas. Wie virtuell ist habe ich immerhin gelernt. Ein wenig, jedenfalls. Dafür danke ich.

Ich komme oft zu dem Punkt, wo ich neben mir stehe und denke: Was machst Du hier eigentlich? Gute Frage. Um diese Frage kommt man eben nicht herum. Oft sind es ja die Fragen, die weiterführen, selten die Antworten.

Es bleibt spannend! Vielleicht habe ich noch genügend Zeit, ein paar Fragen zu stellen. Ich wundere mich. Möglicherweise ist das in dem Zusammenhang hilfreich. Aber wer weiß das schon?

Fast täglich wird ein anderes Schwein durchs Dorf getrieben. Von mir aus auch eine Kuh oder eine Ziege. Die Tierart ist hier wirklich nebensächlich. In jedem Fall hat sich das Ganze sehr verändert. Die Bücher wiederholen sich. Dafür bin ich nicht wirklich geeignet.

Letztlich dreht sich alles irgendwo um Liebe. Nicht um Sex – was, wenn er gut ist, sicher nicht zu verachten wäre. Aber das ist nur ein kleiner Teil der Angelegenheit.

Zwei Bücher muss ich gerade noch erwähnen. Das erste habe ich zu Ende gelesen. Ich fand es ganz hervorragend. Eins* dreht sich um Fragen, die jeder einmal hat: Wie kann ein Mensch existieren ohne einen anderen. Hat er genug Humor um die Liebe zu leben? Ist er stark genug, rechtzeitig loszulassen? Usf.

Das Zweite habe ich jetzt begonnen. Es handelt sich dabei um Die Sehnsucht des Vorlesers ** Es ist auch ein Roman darüber, wie Liebe beginnen kann. Warum es manchmal so lange dauert, und welche Risiken man dabei eingeht.

Zwei absolut konträre Geschichten.. die möglicherweise nur verbindet, dass sie beschreiben was Liebe vermag und woran sie zu scheitern droht usf. Ein vielfältiges Thema.

Für mich ist im Moment wichtiger: Luft und Licht und Zeit. Die Luft zu atmen und zu hören, das Licht zu sehen und zu begreifen und schließlich die Zeit sich darüber zu wundern, was man alles mit seinen Sinnen aufnehmen kann.
Diese Drei gönne ich mir jetzt.

wenn meine geschichten erzählt
und alle lieder gesungen
wenn die neuigkeiten alt
und meine kämpfe ausgerungen
dann will ich mich auf machen
und endlich über diese weite ebene gehen
und lasse alles liegen
und lasse alles stehen
weil ich es nicht mehr brauche.
so soll es sein.

ich werde einfach
nach hause gehen
und meinen schatten
nicht achten.

Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

* Sarah Crossan: Eins. ISBN: 978 3 95854 057 6
** Jean-Paul Didierlaurent: Die Sehnsucht des Vorlesers. ISBN 978 3 423 26078 7

Macht es gut, ihr Lieben und werdet so, wie Ihr sein wollt! Man trifft sich immer zweimal – mindestens. In diesem Sinne 😉

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7 Gedanken zu „Pause –

  1. Mion

    Es muss nicht immer die Liebe zu einem anderen Menschen sein, die die Passion im Herzen anheizt, es kann auch die Liebe zu dem sein was man tut. Oder liebe zu Pflanzen, zum liebevoll gepflegten Garten, die Liebe zur kleinen Fellnase, die einem liebevoll um die Beine streift, oder der Schmetterling der scheinbar ganz subtil seine liebevollen Kreise um deine Nasenspitze dreht. Und da wäre noch die größte aller Lieben, die Liebe zu uns selbst. Wenn man verstanden hat, was dies ist, wird die Welt und das Leben einfacher.
    Dein Beitrag hat mich zum grübeln gebracht ich bin in Sorge, geht es dir gut?

    Herzliche Grüße

    Mion

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Genau das muss ich für mich jetzt herausfinden. (So etwas denke ich jedenfalls.) Das kann nur, wer einigermaßen im Gleichgewicht ist. Mach Dir um mich keine Sorgen. Ich verfasse nur keine Artikel mehr. Alles ist gut 🙂
      Herzliche Grüße, dein mick.

      Antwort
  2. milonga

    Lieber Mick, das liest sich ja sehr wie ein abschiedsbrief; ich weiß gar nich, wie ich das finden soll.
    Es ist ein glück, abschied nehmen zu können, denn nicht immer sind abschiede steuer- und planbar, eher weniger, nach meiner erfahrung.
    Danke für Deine bisherigen beiträge; ich hoffe sehr, es wird weitere geben; sobald es Dich wieder zum schreiben ruft. Das digitale leben ist als sinnliches ereignis insgesamt recht dürftig – ich hoffe, dass es das ist, was Du meintest. ich wünsche Dir eine gute brise frischen wind, eine zeit der erholung und der regeneration. Herzliche grüße, Doris

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Liebe Doris!

      Es geht mir ganz gut jetzt, nachdem ich diesen Entschluss gefasst habe und ich diesen Text veröffentlichen konnte. Pause oder Abschied, das wird sich zeigen. Wenn es mich zum Schreiben drängt, dann schreibe ich. Im Moment eher nicht. Danke für die guten Wünsche.
      Bis dann dann, mick.

      Antwort

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