Was ist eigentlich Mut

Auf nette Art hatte es jemand geschafft, den mick in einen ‚Award‘ zu verwickeln.

willi konnte da nicht helfen. ernst hatte davor gewarnt wusste aber auch keinen Rat. Die Eitelkeit vom mick war zu groß. Dieser mick! Doch so etwas wollte er auch nicht. Die Fragen bezogen sich auf Sex. (Das war ihm dann doch zu privat.)

Wie aus der Nummer herauskommen? Einfach ignorieren? Das ging nicht.

Die Macher dieses Kettenbriefes gaben den Teilnehmern die Möglichkeit auch über das Thema ‚Mut‘ zu schreiben. Das war dem mick doch lieber:

Ich könnte es mir einfach machen. So in der Art: Darüber ist man ab einem gewissen Alter weg. Oder so. Auf meiner Seite des Meeres hört so etwas allerdings niemals auf. – Jetzt kokettiert der auch noch! – gleiches gilt übrigens auch für den Mut.

Aber was ist eigentlich dieser ‚Mut‘?

‚Alles ist machbar, Herr Nachbar.‘ Natürlich nicht. Ist denn alles denkbar? Ja, denn es ist ja schon einmal gedacht. Spätestens in diesem Moment. Es läßt sich nicht unterdrücken. Aber wie einige Chinesen schon sagten: Zwischen dem Wort und der Tat ist oft ein Ozean.

Am meisten habe ich gezögert, als die den Titel der Liste wahrnahm. Ich bin doch Dilettant und will es auch bleiben. Dilettant ist ja kein Schimpfwort. Gut, es wird oft abschätzig gebraucht. Und hier guckt der Mut schon verstohlen um die Ecke. Die Wikipedia ist nun nicht mein Lieblingslexikon, aber es ist so schön einfach daraus zu zitieren:

Ein Dilettant (italienisch dilettare aus lateinisch delectare „sich erfreuen“) ist ein Amateur oder Laie und unterscheidet sich somit von einem Fachmann. Der Dilettant übt eine Sache um ihrer selbst willen aus, also aus Interesse, Vergnügen oder Leidenschaft. Dabei kann er vollendete Kenntnisse und Fertigkeiten erlangt haben; solange er die Tätigkeit nicht beruflich bzw. für seinen Lebensunterhalt ausübt oder eine anerkannte einschlägige Ausbildung absolviert hat, gilt er als Dilettant. *

Damit läßt sich vorerst Leben. Also: wenn alle besoffen Auto fahren, wird es dann richtig? Es ist ein schmaler Grat mutig zu sein. Da steckt auch viel Sturköpfiges drin. Sektiererisches auch. Zumindest wird oftmals so etwas unterstellt. Oder ‚Blauäugigkeit‘.

Was ist die ‚Realität‘? Davon gibt es so viele. Welche nehmen wir? Welche passt gerade? Darum geht es: die Realität anzusprechen, die der Subjektivität der Angesprochenen entspricht. Und wenn man nur für sich denkt? Soll man dann die Klappe halten oder ist man dann ein Eigenbrötler?

Vielleicht besteht der Mut ja darin, niemandem etwas Beweisen zu müssen. Man wird ja ständig auf den Prüfstand gestellt. Wenn nicht von den anderen, dann von sich selbst:

Fast beträchtliches Erlebnis mittels beträchtlicher Erscheinung (unter Fortfall jeglicher Sublimität).
Unvermittelt;

fast zu schön war

dieser fast zu lange blick auf
dieses fast zu langbeinige mädchen mit
diesen fast zu üppigen formen unter
diesem fast zu leichten kleidchen in
dieser fast zu milden abendluft.

und wie

dieses fast zu langbeinige mädchen mit
diesen fast zu blonden haaren und
diesem fast zu schnellen schritt auf
diesen fast zu hochhackigen schuhen
diesen fast zu langen blick hinter sich ließ

war schier unglaublich!

Nachsätze (to whom it concerns):
In diesem Moment wurde mick geboren. Ich war 16 und schon eine Weile in diesem unsäglichen Kaff. Oma Frieda hatte mich schon lange so genannt. Früher war ich wohl auch so. Aber nach diesem Umzug war alles kaputt. Alles, und nur noch ernst war da.

Diesem Moment werde ich nie vergessen. Wie das Lächeln wiederkam. Dieses Mädchen habe ich nie mehr gesehen. Ich weiß auch nicht wie sie genau aussah. Das war auch nicht der Punkt. Dieses Bild war kurz da und hat mir geholfen. Ich glaube, in diesem Moment habe ich für mich gelernt, dass der kürzeste Weg zwischen A und B nicht wirklich eine gerade Linie ist. Wenn das doch so wäre, wozu dann der ganze Aufwand in der Mathematik?

Klar muss man immer auch schmökern und die Zeit vergessen. Wie sonst sollte man Neues entdecken. Das Große und das Ganze holt Dich ja doch wieder ein. Es ist nicht vergesslich. Überdies hat es seine ganz eigenen Ziele.

Kurz nach der Geburt von mick traf ich noch willi und wir wurden von da an mit ernst ein Trio. In guten und in schlechten Zeiten. **

Ein ‚award‘ ist so eine Art Urteilsspruch. Mein Kopf sagt nein, der Bauch stimmt zu. Ob einer mutig ist, besser man weiß es nicht. Wirklicher Mut erfordert doch immer eine brenzlige Situation, vor der einer steht. Deren Lösung hat sehr selten etwas mit Kraft oder Überlegenheit zu tun. Öfter jedoch mit klugem und besonnenem Verhalten.

Viele sind hier, die den Mut haben, zu ihrer Subjektivität zu stehen. Diese Überzeugung macht mich reich und froh. Jeden Tag.

* https://de.wikipedia.org/wiki/Dilettant
** https://ernstzwo.wordpress.com/2013/04/14/fast-betrachtliches-erlebnis/

© mick (1971/2013)

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19 Gedanken zu „Was ist eigentlich Mut

  1. Laure

    Mir fällt dazu ein, dass Mut und Waghalsigkeit gepaart mit Selbstdarstellungswillen oft verwechselt werden. Mut muss weder laut noch auffällig sein, es ist nicht wichtig, ob andere ihn bemerken. Und in der Tat, es gibt ein Motto in meinem Leben, besser eine Weisheit, an die ich mich immer erinnere, wenn ich verzagt werde: Das Geheimnis der Freiheit ist? Der Mut!

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Zu den Geheimnissen der Freiheit gehört auch sicherlich der Mut. Und der zeichnet sich wohl nicht unbedingt durch Lautstärke aus. Aber zur Kenntnis genommen sollte der Standpunkt schon irgendwo werden. Sonst wird er zur Selbstbeweihräucherung. Spannend. Ich danke für Deine Anmerkung.

      Antwort
  2. Ulli

    ich habe deinen grossartigen Text schon gestern Abend gelesen – das erste war meine Dankbarkeit, dass ich nun endlich eine Bezeichnung für mich habe: Dilettantin 😉 und das mit dem Mut … ist schwieriger, als ich zunächst dachte, mir gefällt deine Frage dazu, niemanden etwas beweisen zu müssen und auch nicht sich selbst, mir gefällt es deswegen, weil genau das allgemein als Mut bezeichnet wird, ähnlich wie der Sprung über den eigenen Schatten …
    ausserdem mag ich das Gedicht sehr-
    herzliche Grüsse
    Ulli

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Die Situation, die das Gedicht beschreibt, ist mir sehr wichtig. Danke und herzliche Grüße auch an Dich. mick

      Antwort
      1. mickzwo Autor

        „Niemanden etwas beweisen zu müssen“ ist schon schwer. Am Schwierigsten aber ist es sich selbst zu beobachten und dabei das „Achten“ so in den Vordergrund zu stellen, dass nicht Hochmut entsteht (und beobachten müssen wir uns schon zwangsläufig). Eine Verhaltensweise, die man bei anderen sehr leicht diagnostizieren kann. Mit anderen Worten: Demut ist das schwerste überhaupt und kommt für mich noch vor der Weisheit, und hat nichts mit Religionen zu tun sondern gehört für mich zum Menschsein dazu.

        Lg, mick.

      2. Ulli

        Achtsamkeit, so hörte ich im Herbst von einem hohen tibetischen Lama, ist die Kür von allen Methoden, ich nickte und übe weiter …
        Demut steht heute in einem sehr seltsamen Licht, nehmen wir es von ihm weg und üben auch die Demut, eine Haltung mit erhobenem Kopf.
        Hab ein schönes und erholsames Wochenende, lieber Mick
        Ulli

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  5. Martina Ramsauer

    Bei diesem Thema Mut kommt mir meine Beziehung mit dem Nachbarn in den Sinn. Dieser versucht seit geraumer Zeit meinen Mann und mich mit seinen verschiedenen Windspielen, die er in nächster Nähe von uns aufgehängt hat, zu provozieren. Wir versuchen das Geklingel zu ertragen, ohne zu reagieren und für mich braucht dieses Vorgehen viel mehr Mut als mit Schimpfwörtern zu reagieren. Wir denken, dass es mit diesem Menschen keinen Sinn hat weiter zu diskutieren und wollen diese Situation freiwillig akzeptieren. Hoffen wir es hilft!!

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Offenbar ein Gutmensch. Er glaubt daran, weil er im einer anderen Realität lebt. Solange du dich provoziert fühlst, wird sich nichts ändern. Er muss ja weitermachen.

      Antwort
  6. kopfundgestalt

    „Viele sind hier, die den Mut haben, zu ihrer Subjektivität zu stehen“

    Das ist doch schon einmal etwas! Ich habe KAUM Mut, das zu posten, was mich AUCH ausmacht: Interesse an experimenteller elektronischer Musik und an Schach; Über meine Ängste und Depressionen zu schreiben ect.
    Es gibt viele Gründe…

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Nelson Mandela, Gandhi oder Jesus sind Leuchttürme. Ikonen , Idole an die ein normaler Mensch kaum heran reichen wird. Warum auch. Man kann sie verehren, ihrer Gedenken, sie als Beispiel nehmen aber selten hat man die Gelegenheit es ihnen gleich zu tun. Es könnte an der Gelegenheit fehlen, ist auch eine Frage von Kraft und Durchsetzungsfähikeit. Man kann es m. E. nicht quantifizieren. Wer Leid sieht, wird darauf in seiner Weise reagieren. So wie er es kann und manchmal wird die Welt ein Stückchen besser, oft wird es aber der Welt scheinbar egal sein. Es ist wie der Tropfen auf den heißen Boden. Aber mal ehrlich: steter Tropfen höhlt doch den Stein. Das ist alles was Zählt… und das ist nicht zu unterschätzen.

      Antwort
      1. kopfundgestalt

        Mancher hat sich (scheinbar) sinnlos vergeudet – und – es gibt handfeste Paramater im Einzelnen, die verhindern, daß er großspurig mutig sein kann – etwa, wenn er psychische Schwierigkeiten hat.
        Wenn jemand ohnehin irrationale Ängste hat, ist es schwer (aber nicht unmöglich).

        Es wird Momente in jedem Leben geben, an dem man ungestraft etwas wagen kann…die muß man finden, jeder für sich!

      2. mickzwo Autor

        Ich glaube nicht, dass man sich sinnlos vergeuden kann. Es wird aber unsinnig, legt man sich die Messlatte zu hoch.

      3. mickzwo Autor

        Ich war noch keine Sufragette. Aber auch die bekommen nichts geschenkt. Jeder so wie er es kann.

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