Und im Herbste ja, dann sterbs’de

Etwa vor einem Jahr starb mein Freund. Ich weiß nicht mehr den Tag. So etwas lerne ich nicht auswendig. Ich weiß auch nicht, wann er mir genau das sagte mit der Krankheit. Nur das wie weiß ich noch. Uns das wo, also wo wir waren und mit wem. Dann ging alles so schnell. Im Nachhinein geht alles immer schnell.

Warum begreift man eigentlich nie, wieso alles so geht, wie es geht?

Man glaubt die Erde müsse doch anhalten und dabei geht alles munter weiter. Immer weiter. Und nichts und niemand kann es aufhalten. Nicht das Lachen und Lieben und auch nicht das Vergessen. Manchmal steht man so neben sich und denkt etwas. Dabei wird man angerempelt. Nicht mit Absicht. Man wurde schlicht übersehen als man da so rum stand.

Kann sich ja schließlich keiner denken, das man denkt.

Plötzlich steht da einer. Hält den Fluß auf. Das ist doch alles nicht wahr. Der kann doch nicht bei Trost sein. Hält mich auf, der Tölpel. Es ist zu spät zum Ausweichen. Der musste doch sehen, dass ich da lang musste. So kommt sowas. Macht man doch nicht extra. Also wirklich!

Im Grunde blieb dem doch gar nichts anderes übrig.

Es ist ein Irrtum zu glauben, man würde auch nur etwas an Tempo mindern. Der Fortschritt, das Leben als solches lässt sich nicht aufhalten. Und doch ist es immer das gleiche, wenn auch nicht dasselbe.

Niemandsland.

9/2015

Alles mit Links.

War mal: Das Usambaraveilchen, mein Freund und ich – höchst subjektiv, wie alles hier.

Get back*, vielleicht. Das trifft es im Moment.

Mein Freund ist tot. Er hat es nun geschafft. Das war anstrengend. Für Ihn mehr als für mich. Schlußendlich mußten wir beide verlieren. Er mehr als ich. Dabei wollte ich noch über Udo Lindenberg erzählen, als er noch englischen Rock sang. Frumpie nicht zu vergessen und Inga Humpe. Über unsere gemeinsame Zeit in der Ausbildung. Damals hörten wir Bap und den jungen Grönemeier, Georg Danzer. Alles obsolet, jetzt.

Normalerweise schreibe ich solche Texte selbst. Aber in diesem Fall habe ich für den Anfang die Erzählung von Wolfgang Neuss über seinen Freund Wolfgang Müller abgewandelt. Zu groß ist der Schmerz über das, was da vor mir stand – immer noch. Er passt so gut auf uns. (F) wird es mir bestimmt nachsehen:

Ich lache oft und gern über ihn…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.208 weitere Wörter

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2 Gedanken zu „Und im Herbste ja, dann sterbs’de

  1. kaetheknobloch

    Im Nachhinein geht immer alles schnell. Ja, leider. Und dennoch gut so. Was wäre endlos langsames Sein und Bangen und Warten.
    Ich grüße Sie ganz herzlich angetan und denke einen ganzen langen stillen Moment an Sie und Ihren Freund, herzvoll zugeneigt, Ihre Käthe.

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Ja, leider. Und für einen ganzen langen stillen Moment dachte ich an meinen Freund.. Ich danke für Ihre guten und herzlichen Gedanken, Ihr mick.

      Antwort

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