Anyone

Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst.

Da ist was dran.

Friedrich von Schlegel wird dieser Satz zugeschrieben. Er war ein deutscher Schiftsteller und Philosoph. Er lebte von 1772 bis 1829, einer im Nachhinein sehr aufregenden Epoche. Beispiele dazu gibt es zur Genüge.

In seine Lebenszeit fällt der Absolutismus, die französische Revolution aber auch Napoleons Aufstieg und seine Schande. Der Geist der Aufklärung hatte sich etabliert..das industrielle Prinzip stand Gewehr bei Fuß.

Teile von Nordamerika werden die Abspaltung von England vollziehen und Europa macht sich daran die Welt zu Vermessen. Ein weiteres Mal sollte aufgeteilt werden, was noch nicht zum Besitztum der Mächte gehörte und also „barbarisch“ und „unkultiviert“ war.

Die Welt sollte ein für alle Male Kolonialisiert werden. Jedes Land verfolgte so seine Strategie. Aber im Grunde war man sich erstaunlich einig. Schließlich war ein Wettlauf um Macht und Einfluss eröffnet worden.

Dieser Friedrich Schlegel fühlte sich der Romantik verbunden, was zu dieser Zeit schon so etwas wie Avantgarde war. Unser Wissen ist nichts, wir horchen allein dem Gerüchte. *

Die sogenanten „Barbaren“ waren ja nicht alle doof und so ein „zivilisiertes“ Reich bestand auch längst nicht nur aus gebildeten Menschen. Andernfalls wäre ein Großteil der Literatur dieser Zeit in der Tat nur Fiktion.

Der Eingangs genannte Satz lautete: Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst.

  • Was bedeutet nun zivilisiert?
  • Und was ist denn ein gebildeter Mensch?
  • Darf man solch eine Aussage über sich selbst äußern?

Anyone?

* aus der Einleitung zu seiner Geschichte der Poesie der Griechen und Römer
Siehe auch den Artikel de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schlegel

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3 Gedanken zu „Anyone

  1. kaetheknobloch

    Hui, interessante Fragen, mein lieber mick. Ich versuche mal, ein paar Antworten zu finden. Für mich allein, natürlich…

    ‚Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst.‘ Ja, weil es in unserem Menschsein verankert ist, uns weiterzubilden. Und wer dies nicht tut, wird zum Schiefbild seiner selbst. Dabei ist es völlig wurscht, ob wir uns akademisch weiterbilden, oder ackerdemisch. Der eine lernt, was Nietzsche kundzutun wußte oder chemische Abläufe in Formeln zu fassen und der andere eignet sich Wissen über Wiesenblumen oder Fruchtfolge an. Das wichtigste ist doch, das Wissen des anderen zu achten und anzunehmen.

    ‚Was bedeutet nun zivilisiert?‘ Vielleicht genau das: Die Achtung vor dem Wissen des anderen. Ob es nun ein einzelner Mensch oder ein ganzes Volk ist, dem wir diese Achtung entgegenbringen. Nicht mit der Keule draufkloppen, weil uns etwas fremd anmutet und nicht etwas verachten, nur weil es uns primitiv erscheint.

    ‚Was ist denn ein gebildeter Mensch?‘ Das würde ich schlicht runterreduzieren auf das wortwörtliche. Gebildet ist ein Mensch, der sich selbst ein Bild macht. Nicht jeden Kwatsch nachplappert oder nur mit Zitaten sich brüstet. Gebildet erscheint mir jeder, der auch mal wagt, den Pinselstrich über den eigenen Bildungshorizont hinauszuziehen und damit riskiert, Fehler zu machen.

    ‚Darf man solch eine Aussage über sich selbst äußern?‘ Das muß wohl jeder für sich entscheiden. Ich wage es mal: Ja, ich bin gebildet. Weil ich ständig meinen Horizont erweitere und meinen Bildungsstand so vergrößere. Und damit meine ich jetzt nicht durch das Lesen und Blödbildaufdrängenlassen eines gewissen Blattes, in dem selbst der Fisch noch eher anfänge zu stinken, wickelte man ihn darin ein…

    Puh, das war ja mal eine bonfortionöse Herausforderung! Vielen Dank dafür, ich liebe Denkapparaturanschwünge.
    Herzliche Samstagsgrüße, Ihre Käthe, schwingschwangschwungvoll zugeneigt.

    Antwort
  2. mickzwo Autor

    Liebe Frau Käthe,
    ich komme gerade von einer ackerdemischen Übung herein, und dann das. Man kann diesen Kommentar nur als bonfortionös bezeichnen. Besonders gefällt mir Ihre Aussage zum Thema ‚Was bedeutet nun zivilisiert?‘ Ich glaube Ihre Denkapparatur benötigt kaum einen Anschwung.
    Danke für Ihren Text und die Samstagsgrüße. Herzlich, Ihr mick.

    Antwort

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