Man kann nicht an Nichts denken.

Ich liege in einem Zimmer und denke Gedanken auf Vorrat.

Sie kommen auf mich zu. Lange dünne, breite platte, schwere monströse, leichte, harte und weiche, schmiegsame Gedanken. Angebrochene Gedanken, fertige, krause und aalglatte. Es werden immer mehr. Der Platz wird schon knapp.

Nein, nicht plötzlich; eher wie eine langsam aber unaufhaltsam anwachsende Lawine. Schon seit langem und von weit her sichtbar schwillt der Gedankenmüll an.
Schon ist die Fensterbank erreicht.

Schnell, das Bild abgenommen! Der Rahmen hätte zu viel Platz beansprucht, die Gedanken hätten sich verkanten können. Licht angemacht! Das Fenster ist zugepackt mit Gedanken. Gleich ist die Decke erreicht. Jetzt die Lampe. Wieder ist es dunkel.

Ich will aufstehen. Schnell jetzt, sonst … zu spät. Schon liegt ein klobiger, schwerer Gedanke auf meinen Beinen. Die Brust wird eingedrückt von einer schmalen, spitzen Gedankensäule. Ein stechender Schmerz macht sich bemerkbar.

Versuche mich aufzubäumen, die Säule kippt. Schnell jetzt, die Beine. Jetzt alle Kraft zusammennehmen. Es geht nicht. Der Klotz ist zu schwer. Es kommen immer neue Gedanken dazu. Aussichtslos.

Auch auf der Brust liegt schon wieder ein neuer, diesmal behäbiger, runder Gedanke. Die Säule verkeilt seit ihrem Sturz sowieso die Tür. Gleich ist das Zimmer ausgefüllt. Zugepackt. Festgekeilt.

Fast ist ein Spalt in der Türe zu bemerken. Licht fällt hindurch, dünn und stechend. Draußen, davor sind Menschen. Der Tonfall ihrer Stimmen verrät Besorgnis. Worüber nur? Sie sprechen so undeutlich, oder ist es eine andere Sprache?

ernstzwo

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7 Gedanken zu „Man kann nicht an Nichts denken.

  1. kaetheknobloch

    Da kann nur der ernst draufkommen! Gedanken auf Vorrat zu denken?! Das kann nur im Tohubawohu enden. Ich hinterlege nur flugs einen Gedanken für ihn: Glückskieselgestadezurückrieselgeräusch. Er könnte ja willi fragen…
    Diesesprachewohlkennende Grüße, Ihre Frau Knobloch.

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Sehr geehrte Frau Knobloch,

      da bin ich mit Ihnen vollkommen einig. Da konnte wirklich nur der ernst draufkommen. Tohubawohu beschreibt sehr treffend das, was in dem vorgeht. (Und das schon seit Jahren.) Klar, er hätte den willi fragen können. Der hätte gewiss vom ‚Glückskieselgestadezurückrieselgeräusch‘ erzählen können. Das wäre das Einfachste gewesen. Aber die sprechen ja so selten miteinander. Der willi war wohl wieder gerade unterwegs. Den Mond angucken, oder so. Die können beide so starrsinnig sein. Wenn man mal nicht aufpasst!
      Ihr Gedanke von dem ‚Glückskieselgestadezurückrieselgeräusch‘ ist schön. Dieser Begriff hätte der Situation an Schärfe nehmen können. Ich danke Ihnen.
      Einen schönen Gruß auch an das Vergnüglichkeitsbeenebaumelgör, alles wird gut. Bestimmt;-)

      Ihr mick.

      Antwort
      1. kaetheknobloch

        Lieber mick, diese Starrsinnigkeit, ach, die kenne ich von meiner inneren Mischpoke. Da will auch oft die eine nicht auf die andere hören. Nehmen wir das Beispiel mit diesem Alleswirdgutspruch. Da ist das innere Wildweib regelmäßig mit dem nackten Arsch dem Dieszuihrsager in’s Gesicht gesprungen. Bis es endlich einmal auf das Beenebaumelgör hörte, was immer ergänzte: Denn wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!
        Ich grüße mitbestimmend zurück, nebst Schönstsonntagsgrüßen, Ihre Frau Knobloch.

  2. Pagophila

    In der Tat. Und ehe man es sich versieht, hat man sich selbst in einen Gedanken verwandelt, auf dem Rücken liegend, mit den Beinen zappelnd und nicht mehr hochkommend…

    Antwort

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