Der Gewohnheitssprecher

willi war gewohnheitssprecher. sprach so sein pensum am tag. nicht mehr und nicht weniger.

oft schon hatte er versucht damit aufzuhören. und immer wenn willi soweit war, sprach er des abends sich noch schnell ganz leer. er glaubte an den vorsatz, am anderen tag nichts mehr zu sagen. er fing dann immer mit apfelsinen und kaugummi an. war stolz, jetzt gesund zu leben.

spätestens jedoch gegen mittag fiel willi dann so ein gespräch ein; da reichte schon die ahnung davon, die andeutung des duftes, ein räuspern und willi musste sich ein gespräch besorgen. dann ging willi los und wenn er gefunden hatte was er suchte, haute er sich rein, was er kriegen konnte.

willi wusste, so ging es nicht weiter. wenn willi mit nichtsprechern zusammentraf, war er niedergeschlagen. mit der zeit fühlte willi sich von diesen nichtsprechern umzingelt. neuerdings fiel ihm auf, das es regelrechte nichtsprecherzimmer gab. in flugzeugen durfte schon lange nicht gesprochen werden. öffentliche einrichtungen wurden für sprechfrei erklärt. überall gab es nun stehcafe’s für nichtsprecher.

der bundesminister für gesungheitliche aufklärung warnte überall auf einprägsamen plakaten vor den gefahren des sprechens. es wurde ein notruf für betroffene eingerichtet. im kino gab es werbespots dagegen. willi war bereit aufzugeben und zog in eine andere umgebung. neu anfangen und gar nichts mehr sagen.

doch da hatte willi sich gründlich vertan. willi war nun allein. musste sich zurechtfinden. willi hatte viel zu tun, aber willi hatte auch viel zeit zum denken. das war nicht einfach, denn willi war umständlich. und weil willi umständlich war hatte er das nicht bedacht. so kam es, dass willi sein kleingeld zählte und zu einem automaten ging.

er wollte sich ein gespräch ziehen. fehlanzeige. willi war wählerisch. seine marke war nicht da. er ging weiter. nächster automat. fehlanzeige. willi ging in ein geschäft, verlangte seine sprechsorte. nicht da! nur lights. wollte willi nicht. nicht lights! willi mußte einsehen, dass etwas besonderes nicht an jeder ecke zu haben ist.

und willi fühlte entzug. armer willi, kannst dich auf den kopf stellen. deine sorte ist nicht zu haben. willi war viel unterwegs. anfangs verlangte er in kneipen und sonstwo seine sorte. aber mit der zeit wurde willi vorsichtig. zu oft hatten sie ihn mitleidig angelächelt wenn er sagte, was er wollte.

willi fühlte sich beobachtet. das machte ihn unsicher. an gewisse plätze konnte willi nun nicht mehr gehen, weil er meinte, jeder wüsste, was er suche. und jeder der es wusste, würde ihn hämisch anlächeln. selbst wenn niemand ihn beachtete verließ willi dieses gefühl nicht. es begann sich zu drehen in seinem kopf. schweißgebadet wachte er auf …

!wenn alpträume und wirklichkeit sich mischen ist immer so ein ernst in der nähe, sagt dann lakonisch: „SISSE.“
..

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5 Gedanken zu „Der Gewohnheitssprecher

    1. mickzwo Autor

      Mit der Kleinschreibung wollte ich unterstreichen, wie willi sich bei alldem fühlt.
      Alles ist gut.

      Antwort

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