Flohmarkt (vormals: A saturday morning in spring)

Mai 2013, sorglos treibend.

Nachdem der Frühling doch noch gekommen war und in einer furiosen Aufholjagd versuchte den Sommer zu erreichen, wurde es ihm plötzlich mulmig und er hielt inne. So geht das nicht, dachte er, nacher gewöhnt man sich an diesen Zustand und ich? Habe mein ganzes Pulver verschossen, und die fahren sowieso wieder in den Süden.

Auf jeden Fall kamen wir auf dem Weg zu der wunderschön verschlafenen Stadt durch einen Flohmarkt. Es war nicht zu vermeiden. Unvorbereitet wie wir waren, versperrten uns Menschenmassen den einzigen und gewöhnlich so schönen, verträumten Weg. Da mussten wir jetzt durch oder umkehren. So fügten wir uns in unser Schicksal und betraten diese Ansammlung von Wohlstandsmüll, gespickt mit verborgenen Dingen, die sich als Raritäten entpuppen könnten.

So ganz ist man ja nicht gefeit, zu tief sitzt der Jagdinstinkt. Außerdem kann man die Sachen ja immer zu den Anderen stellen, in den Keller. Wenn man schon mal da ist, und überhaupt, watt willse machen?! Nachdem sich der eine Teil bei dem Angebot an Dekorationsmaterialien informierte blieb mir nichts anders übrig das Angebot an Büchern und Tonträgern zu sichten.

Der Markt zog sich doch länger hin als gedacht. Er war voll und so war an ein zügiges Durchkommen nicht zu denken. Auf etwa der Hälfte eröffnete sich dann doch ein Fluchtweg, der dankend angenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon neun Dekokuglen erworben – die, von weihnachtlich, mit etwas Geschick auf Frühling noch irgendwie umgemodelt werden sollten.

Dazu kamen diverse, etwas gebrauchte Bücher, eine Vinylscheibe von George Harrison, eine von Leonard Cohen und eine von Bap. Diese alle ohne Kratzer. Ach ja, ein Bild für das Schlafgemach durfte ich auch noch tragen. Es war etwas angestaubt und passte nicht mehr in die Tasche.

In der Stadt war es auch voll. Ein wenig unbequem waren die Schätze vom Flohmarkt schon zu transportieren. So verzichteten wir auf weitere, reguläre Käufe in den – nur mehr als flüchtig inspizierten – Geschäften. Wir aßen ein Eis in unserer Eisdiele und hatten ein letztes Mal Gelegenheit unser Bild für das Schlafgemach bewundern zu lassen. Es fand Anklang. Auf dem Rückweg wurde der Flohmarkt schon abgebaut. Zum Glück.

Die Dekokugeln habe ich nie wieder gesehen. Unter den Büchern ist eins ganz vielversprechend. Ich sichte noch. Das Bild hat einen neuen Rahmen samt Passpartout bekommen. Es macht sich wirklich gut an seinem neuen Platz. Die Lieder auf den Vinylplatten kannte ich selbstverstädlich alle schon. Es musste eben sein. Wer Spaß hat, der höre ein Stück von Bap: Müsli Män. Die Sprache ist für manche gewöhnungsbedürftig. Textlich und musikalisch brauchen die sich nicht zu verstecken. Einfach nur klasse.

Nachsatz:  Am einundzwanzigsten Juni ist der International Flip Flop Day.

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8 Gedanken zu „Flohmarkt (vormals: A saturday morning in spring)

  1. saetzebirgit

    Müsli Man – das habe ich schon 20 Jahre nicht mehr gehört. Danke…und für die wunderbare Flohmarkt-Beschreibung. Man sieht die Szenen förmlich vor sich.

    Antwort

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