Athlet

Diese Athleten!
Ein Bild für zwei Akteure und drei bis vier Zuschauer.

Mitten im Ahornsportpark, in der großen Kampfbahn steht eine Mauer. Schön weiß verputzt hebt sie sich ab vom satten Grün des kurz gehaltenen Rasens. Diese Mauer misst etwa vier Meter in der Länge, zwei Meter und fünfzig in der Höhe und exakt dreißig Zentimeter in der Tiefe.

Auf der Schattenseite sitzt eine Schöne mit einem Cocktail und fächelt ein wenig gelangweilt kühle Luft auf ihren dezenten Freizeitdress. Es ist heiß. Da taucht am Ende des Platzes der Athlet auf. Mit vollkommener Sicherheit geht er den kleinen Hang hinunter und durchmisst die sportliche Weite, direkt auf die Schöne zu.

Er geht gemessen, so wie einer, der sein Ziel genau kalkuliert hat und die Bedingungen kennt. Er weiß, dass er gut trainiert ist. Sein Zeitpunkt ist da! Während dessen vergisst die Schöne das Fächeln und es wird ihr noch etwas wärmer als es den Temperaturen entspricht, was sie aber keineswegs als unangenehm empfindet.

Als der Athlet die Schöne erreicht, lächelt er sparsam sein Siegerlächeln. Die Schöne glaubt es ihm, denn er ist ein Sieger. Ohne zu zögern geht er an ihr vorbei, um die Mauer herum, auf die Sonnenseite. Er hat sein Ziel.

Irritiert und neugierig zugleich steht die Schöne auf, um dem Athleten zu folgen. Dabei stößt sie an ihren Cocktail. Der fällt um, was sie aber erst später registrieren wird. Auf der anderen Seite – in der Sonne – macht sich unterdessen der Athlet startklar, genau siebzehn Meter fünfzig von der Mauer entfernt.

Und, während er sich konzentriert, mit leicht angewinkelten Beinen und ebenso leicht tänzelnd, um die richtige Startposition zu ertasten, lehnt die Schöne an der Außenkante der Wand.

Langsam beginnt sie etwas von der Kraft und Überlegenheit des Athleten in sich aufzunehmen. Sie genießt dieses Gefühl, während sie alle Regionen des Athleten mit ihren wunderbaren Augen abtastet.

Jetzt werden auch seine Hände ruhig.

Sein Blick ist vollkommen klar und wie eine Raubkatze, die zum Sprung ansetzt, löst er sich aus seiner Position, um mit der Geschwindigkeit eines Pfeiles auf die Wand zu zulaufen. Die Erregung der Schönen ist in diesen Bruchteilen von Sekunden mehr als vulkanisch zu bezeichnen. Da klatscht der Athlet mit seiner Stirn an die Wand.

Das sieht sehr unappetitlich aus. Die Schöne ist aus ihren vulkanischen Gefilden längst wieder im Ahornpark, an jener – ehemals weißen – Mauer, als sie den Athleten, der jetzt für die Schöne nurmehr ein Amateur ist, akklamieren hört, dass er glaube, der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten sei eine gerade Linie, und dass er die Genialität dieses Gedankens bestechend fände.

Weiterhin glaube er, dass sich die Gesetzmäßigkeiten der logischen Geometrie nicht von Mauern unterbinden ließen; und, dass er, sollte es ihm jemals vergönnt sein, dieses Loch in diese Mauer mit seinen Mitteln zu praktizieren, wessen er vollkommen sicher sei – er wiederholt diesen Teil zweimal – sollte es ihm also gelingen dieses Loch herzustellen, werde er es der Schönen zu Füßen legen, als Zeichen seiner Wertschätzung.

Das, so fügt er schwächer werdend hinzu, habe er jetzt begriffen.

Die Schöne, ihrerseits vernimmt von all dem nur den geringsten Teil. Das mag einerseits an der schlechten stimmlichen Verfassung des Athleten – der jetzt nurmehr Amateur ist – liegen. Andererseits scheint es in der Tatsache begründet, dass sich die Schöne bei dem Stichwort Genialität fasst, und ihre ursprüngliche Ruheposition wieder aufsucht.

Dort angekommen bemerkt sie den umgestoßenen Cocktail und ärgert sich ein wenig, um sich dann jedoch auch noch zu entschließen, sich für den Rest des Tages nicht mehr – und zwar unter gar keinen Umständen – aus der Fassung bringen zu lassen!

Wenn wir als Kinder mal was angestellt hatten, so etwas wirklich Blödes, dann hieß man uns immer Athleten.

Athlet (altgr.: ἀθλητής respektive neugr.: αθλητής athlētēs, lat.: athleta = „Wettkämpfer“) bezeichnet zum einen einen Sportler und Wettkämpfer, zum anderen einen Kraftmenschen mit kräftigem Körperbau und ausgeprägter Muskulatur. Im Altertum war der Athlet ein Wettkämpfer, der an den gymnischen Spielen (siehe: Gymnastik) teilnahm.

Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde das Kampfspiel bei den Griechen mehr und mehr zu einem Beruf und die Athletik zu einer Kunstfertigkeit, deren Erlernung und Ausführung eine besondere Lebensweise erforderte und an spezielle Regeln gebunden war.
(Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Athlet)

© mick (1989/2014)

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6 Gedanken zu „Athlet

  1. mickzwo Autor

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Insomnia:
    Das eine, von dem wir nie genug bekommen können, ist Liebe. Und das eine, von dem wir nie genug geben, ist Liebe.

    „Liebe muß nicht bitten, auch nicht fordern.“ (…) Henry Miller ist nicht nur fünfundsiebzig sondern auch frisch verliebt. Er zitiert Hermann Hesse und schreibt weiter: Man muß durch die Hölle gehen, bevor man eine so ungeheuerliche Wahrheit akzeptieren kann. Der Zyniker wird sagen, das ist etwas für Engel oder Heilige, nichts für sterbliche Menschen. Aber das Schreckliche ist, daß gerade das Unmögliche von uns gewöhnlichen Menschen verlangt wird. Wir sind es, für die Versuchung zur Erlösung führt. Wir sind es, die durchs Feuer gehen müssen – nicht um Heilige zu werden, sondern um vollkommen und für immer menschlich zu werden. Wir sind es, die mit unseren Fehlern und Schwächen die großen Meisterwerke der Literatur inspirieren. Wir sind selbst an unserem tiefsten Punkt noch vielversprechend.

    Insofern hat die Geschichte um Harold Fry etwas athletisches.

    Henry Miller: Insomnia oder Die schönen Torheiten des Alters. rororo. Hamburg 1987. ISBN 980 3 499 1 4087 X

    Antwort
  2. Martina Ramsauer

    Ich kenne zwar den Ausruck Athlet für etwas wirklich Dummes nicht, aber ich finde in sehr passend, wie auch Alter schützt vor Torheit nicht. Danke für eine netten Aufklärungen😄.

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Fritzchen läßt gern einmal die Türen knallen. Seine Oma versucht es etwas ungeduldig: Fritzchen, mußt Du eigentlich immer so die Türen knallen? – Darauf antwortet das Fritzchen: Aber Omi, das mache ich doch freiwillig.

      Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen. In diesen Biotop hießen uns die Altvorderen, schon mal ‚Athleten‘ wenn wir etwas angestellt hatten. Dabei schüttelten sie oft doch etwas mokant mit den Haupte. Besonders die Väter.
      Vielleicht war das auch nur Sprech in unserer Straße, und ist schon ausgestorben. Zumindest hat mich dieser Bregriff lange begleitet. Dann habe ich diesen Text geschrieben und fand ein wenig Linderung. ‚Harold Fry‘ hat mich wieder daran erinnert.
      LG, mick 🙂

      Antwort
      1. Martina Ramsauer

        Herzlich sei gedankt für diese originelle Sonererklärung, die ich genossen habe und jetz habe ich wenigstens eine Ahnung von diesem Wort „Athlet“ Cari saluti aus dem Tessin!:)

      2. mickzwo Autor

        Für so einen ‚Athleten‘ gibt es in deiner Gegend bestimmt eine Entsprechung. Verzeih, dass ich das nicht berücksichtigt hatte.
        Cari saluti auch an Dich! mick.

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