Haare und die Diskretion

jahrzehntelang
habe ich diese leute beneidet,
die den rand ihrer ohrmuschel diskret
– diskret!
unter dem dezent geschnittenem haaransatz verbergen
können.
wie selbstverständlich und liebevoll vertraut
die haare auf diesem ohr ruhen.
sie schmeicheln dem ohr.
innig umgeben sie es schamlos mit zuversicht.

warum hassen meine haare meine ohren?

manchmal, des abends, in weinstuben,
wenn ich solche haar-ohr beziehungen betrachte
überfällt es mich schlagartig.
tiefe schwermut überkommt mein haupt
und die erde beginnt sich
mit mir zu drehen.
in ihr möchte ich versinken und
nie wieder!
auftauchen. ohnmächtig hadere ich
mit der schändlichen natur.
oh,
wie verlassen kann dich ein einzelnes ohr machen!

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2 Gedanken zu „Haare und die Diskretion

  1. Pagophila

    Da hilft nur eins: Der Schamlosigkeit das Ohr bieten. Das einzelne Ohr mit Stolz zur Schau stellen. Das verleiht der Verlassenheit immerhin Würde. In diesem Sinne: Ein gutes Neues Jahr!

    Antwort
  2. mickzwo Autor

    Das ist wohl wahr. ernst hat mir gerade erzählt, er habe soetwas mal gelesen. Es ging damals um einen jungen Menschen, den sein übergroßer Adamsapfel zur Verzweifelung gebracht hatte. Der hat sich dann eine Fliege mit Bommeln darunter gebunden, oder so. Von da an ging es. Wir haben wieder und wieder auf diesen willi eingeredet. Nix! Da ist der stur. Sieht wohl seine Felle dahinschwimmen, wie man so schön sagt. Vielleicht hilft ja Dein Kommentar. Vielen Dank dafür,
    für die guten Wünsche natürlich auch … Alles Gute, mick.

    Antwort

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