Die gute, alte Fee und das Schwein

Die junge Königin saß ein wenig missgelaunt in der Sonne, genau auf der dritten Stufe zum Palast. Sie schälte Kartoffeln. Kartoffeln hasste sie. Beim Schälen hatte sie sich schon zweimal in den Daumen geschnitten. Darum finde ich es auch höchst verständlich, dass sie sich mehr und mehr über ihren Prinzen ärgerte.

Der machte nämlich, ohne auf die Mahnungen der Mutter zu hören, mit grosser Inbrunst seine hochwohlgeborene Prinzenmontur schmutzig. Und so kam es, dass die junge und noch unerfahrene Königin ihren Prinzen in ein Schwein, um genauer zu sein, in ein Ferkel verwünschte.

Nun wissen wir alle, dass junge und besonders unerfahrene Königinnen dazu nicht im entferntesten in der Lage sind. Dummerweise war da aber noch die gute, aber stets besoffene, alte Fee in der Nähe. Just zu diesem Zeitpunkt dämmerte ihr, sie habe noch etwas gut zu machen an dieser Königin (du erinnerst dich möglicherweise).

Dies alles hätte noch glimpflich ausgehen können, wenn nicht jener Schweinehirt des Weges gekommen wäre und in sein Horn gestoßen hätte. So verwandelte sich der Prinz also in ein stattliches Jungschwein und trollte sich vor den Augen der jungen, jetzt nicht mehr so ganz unerfahrenen, Königin zur Herde und war fort.

Ein wenig verstört brachte die Königin so dann den Topf mit den Kartoffeln zum Herd, kochte sie samt der Schalen und wurde Tags drauf unter Protest – wie noch im nachhinein von verschiedensten Seiten wiederholt glaubhaft gemacht wurde – ins Irrenhaus gebracht.

Der König weigerte sich solchen Schweinefraß zu essen. Sie, die Königin, sah sich jedoch nicht in der Lage, ihr Verhalten bezüglich der Kartoffeln plausibel zu machen. Es war wohl zwanghaft. Von Zeit zu Zeit kicherte sie nur vor sich hin. Ansonsten blieb sie stumm. Das war dem Landesherren zuviel. Vom Sohn sprach komischer Weise niemand.

Der Prinz hatte derweil sowieso anderes im Kopf. Er musste fortan erstmal bei der Herde bleiben. So zog er bei Tage als Schwein durch die Lande, musste sich jedoch für die Nächte ein Lager als Mensch suchen. Die besoffene, gute alte Fee war auch diesmal nicht sauber bei der Arbeit gewesen. Der Schweinehirt aber zog weiter und so kam der Borstenprinz zu einer Mühle, wo es keine Müllerstochter gab. Pech für den Hirten, Glück für den Borstenprinzen.

Die Müllersleute waren zwar einfache aber(!) gute Menschen. Sie wünschten sich schon länger ein Kind, ahnten nicht einmal, dass die besoffene, gute alte Fee, nachdem Verzehr einer Flasche Wodka dem Borstenprinzen ein neues Zuhause zu verschaffen suchte. Kurz: Da die Müllersleute so waren, wie sie waren, begnügten sie sich und nahmen das zutrauliche Tier schliesslich auf.

Umso grösser war die Freude, als man des Abends bemerkte, dass das Schwein mit menschlicher Stimme zu reden vermochte und in der Dunkelheit sein Borstenkleid ablegte. Die Nächte hatte es ja als leidlich aussehender Jüngling zu verbringen. Die Jahre gingen ins Land und die Müllersfamilie war es nicht gewohnt sich zu wundern. Sie wollten jetzt auch nicht damit anfangen. Man war’s zufrieden.

So hätte alles ein gutes Ende nehmen können, wäre nicht dem König in diesem Land an einem regnerischen Morgen auch der Kragen geplatzt. Auslöser bei diesem Herrscher war, seine schöne aber verwöhnte Königstochter wollte nicht heiraten. Immer und immer wieder hatte sie etwas an den Prinzen, die vorbeikamen und ihr den Hof machten, zu mäkeln.

Der König gehörte nicht zu der geduldigen Sorte. Er beschloss also, alt, gebrechlich und ungeduldig wie er war, jemandem seine Tochter zwangsweise angedeien zu lassen. Der sollte die drei üblichen Kunststücke vollbringen, und fertig. Weil das Borstentier ja im Grunde immer noch ein Prinz war und sich irgendwie auch insgesamt zunehmend unwohl fühlte – der Dorfmetzger war in letzter Zeit immer häufiger beim Müller und seiner Frau zu Gast gewesen – trippelte er eines Morgens in aller Frühe davon.

Zufälligerweise war die gute Fee dieses Mal nüchtern und halbwegs beisammen, sodass der Prinz mühelos die Prüfungen bestand und die mäkelige Prinzessin heiraten konnte. Es wurde keine glückliche Ehe. Sie wurde überglücklich: Des Abends verwandelte sich das Schwein ja in einen Prinzen, und für Prinzessinnen sind die ja schön, mindestens aber reizvoll, (wenn sie so zu Stande kommen).

Nachsatz:
Da schüttelt der Betrachter ja mitleidig bis zornig den Kopf. Politisch ist das doch vollkommen inkorrekt.

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3 Gedanken zu „Die gute, alte Fee und das Schwein

  1. Pagophila

    Mit Prinzessinnen ist das so: Ob Frosch, ob Schwein, die werden nicht geküsst. Wenn sie sich des nachts nicht in Prinzen verwandeln, werden sie an die Wand geklatscht. Und wenn ihnen dann kein Prinz oder gar ein König entspringt, dann nimmt die politische Unkorrektheit erst ihren Lauf…

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Ich habe so etwas schon seit langem vermutet, war mir aber nie zur Gänze sicher. Irgenwas stimmte nicht an den alten Geschichten. Unwägbarkeiten allerorten. Auf so einer Basis, jedenfalls, lässt es sich weiter forschen. Ich danke auch im Namen aller irregeleiteten Anverwandten, Bekannten und sonstiger Seelen. :-3

      Antwort

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