Wundern *

Jemand setzt sich, um sich zu wundern. Sitzen ist gut bei wundern.
Stehen oder Liegen geht auch. Laufen hab ich noch vergessen 🙂
In der Küche oder am Tresen, im Bett, im Auto, zu Fuß oder auf dem Fahrrad. In der Bibo, beim Kaufen oder beim Beten. Wundern ist gut.

Wundern schmutzt nicht und macht kaum Geräusche.
Man kann sich bei jeder Arbeit wundern oder in der Freizeit. Unter der Dusche, beim Essen. Es ist universal.
Es muss keine speziellen Orte geben, wo man sich wundert. Geht überall.

Wenn jemand sagt: „Ich kann sie schnell zum Wundern fahren“,
ist das allerdings Unsinn.
Wundern kommt ohne Werkzeug aus. Ein Kopf reicht zum Anfangen.

Ohne Herz wird das schwierig. Manchmal ist das auch im Bauch.
Wundern zu zweit kann ausserordentlich prickelnd sein.
Es gibt Berichte, danach hilft Wundern auch beim Zahnarzt.

Anmerkung
(in der Form eines ungeschriebenen Briefes an ein Puppentheater):

Vielen Dank noch einmal für den tollen Tag gestern.
Möglicherweise habt ihr Euch ja ein wenig gewundert über uns. Wenn nicht, dann drückt jetzt mal die Löschtaste.

Wenn Ihr doch noch da seid, dann will ich mal. Wir glauben nämlich, dass es mittlerweile Orte geben muss, wo man Wundern lernt. So wie ‚Rad fahren‘ – zum Beispiel – oder ‚Gehen‘. Die Bibliothek ist so ein Ort. Und wenn jemand sich so hinsetzt, um sich zu wundern, wie das gestern der Fall war, dann ist das gut. Wir tun das nicht aus Jux. Geld verdienen ist schön, aber das könnten wir woanders schneller und einfacher haben. (Für einen beschränkten Zeitraum, versteht sich.) Aber wir sind nun mal da gelandet, wo wir sind. Wir wollen das Beste daraus machen. Nicht weil das immer so schön ist, sondern weil wir das so müssen. Wenn wir nach so einem Tag ‚platt‘ sind, dann liegt das nicht daran, dass wir immer so schnell aus der Puste sind. Wir tun das jetzt ja auch schon eine Weile. Das, was wir tun, ist uns immer noch dringend. Wir können manchmal nicht warten, weil: wir das glauben. Es ist wichtig was wir tun. „Wer nicht warten kann, muss hüpfen.“ Vielleicht ist es das 😉

Viele liebe Grüße.

* Diesen Gedanken habe ich vor ziemlich genau einem Jahr hier veröffentlicht. Er trifft es für mich immer noch.

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11 Gedanken zu „Wundern *

  1. Pingback: Karte und Gebiet | Alles mit Links.

    1. mickzwo Autor

      Das eine schließt das andere ja nicht aus. Man kann sich erst mal über alles wundern. Hauptsache ist doch, dass man es tut.
      Klar kann man sich ärgern. Das tun wir auch. (Anlässe gibt es ja genug.) Aber nicht an so einem Tag, an so einem Ort.
      In diesem Fall ist es so, dass wir wirklich ‚platt‘ sind und zwar über die Freude, die wir am Ende des Tages sehen durften. Das ist dann unser ‚Lohn‘. Und diese Gratifikation haben wir selbst, für uns und andere kreiert.
      Sich wundern will geübt sein, genau wie alles andere.
      Vielen Dank für Deinen Kommentar, liebe Grüße, mick.

      Antwort
  2. Pingback: Karte und Gebiet – 2 | Alles mit Links.

      1. Karin

        es ist auch etwas für große Kinder zum Vorlesen an ein Enkelchen und es schließt mit der herzerwärmenden Aufforderung: …“der kleine goldene Zauberschlüssel, der alles öffnet, ganz weit, weit öffnet die Augen, ganz weit den Mund, die Ohren ganz weit, und vor allem
        vor allem….. meine Arme ganz weit, für Dich meine kleine unschätzbare Schatzhändlerin.“

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