Spatenforschung

Es gibt sie, die schnarchende Frau!

Weil willi sich der Tragweite dieses, und auch ähnlicher, Gedanken bewusst war, hatte er beschlossen, in aller Stille, ganz privat, dieses Thema anzupacken. willi wurde jedoch an seinem Projekt gehindert. willi war kein Systematiker. Im Gegenteil. Er ließ sich all zu oft einschüchtern von der Mächtigkeit der Aufgaben, mit denen er sich von Zeit zu Zeit konfrontiert sah. So auch hier. willi kniff, ließ sich treiben. Schließlich gelangte er – gewiss über Umwege – zu dem Punkt, die semantische Umgebung des Begriffes Spatens zu betrachten.

Bei der willi anhaftenden Schluderigkeit konnte auch dies schlechterdings nur Ergebnisse minderer Qualität zeitigen. Aber willi brauchte dieses Thema. Jetzt! willi sah sich plötzlich gezwungen die Spatenforschung voranzutreiben. Es ist daher für den Betrachter müßg, jedweden Gedanken an willis Gründe zu verschwenden. Das Kind war quasi schon in den Brunnen gefallen.

Der Spaten als solcher, so fand willi heraus, ist funktional eindeutig belegt. Er war erleichtert, dass er sich zu diesem Gedanken durch gerungen hatte. Gerade, als willi sich selbstzufrieden zurücklehnen wollte, überfiel ihn wieder diese Unruhe. Aber daran war er nicht ganz unschuldig, er musste ja nachschlagen! Für die Ahnung eines Augenblicks zögerte er, um dann auf später zu stossen.

Auf Spaten folgt später! Und damit nicht genug: spät – später – zu spät. Es war infam. willi konnte sich nicht lösen. Es sollte noch schlimmer kommen. Das ging wie im Galopp (kommt noch, kommt noch). Spasmen und Spaß! willi sah sich einem anrückenden Schweißausbruch ausgeliefert. Dann: Spat, was eine – ihm bis dahin unbekannte – Pferdekrankeit ist. willi konnte etwas Luft holen bei der Betrachtung dieses Ausdrucks.

Eine kurze Linderung seines allgemeinen Zustandes, denn was um alles in der Welt war der Zusammenhang zwischen der Sequenz von früh bis spat mit der o.g. Pferdekrankheit und einem gewöhnlichen Haushaltsspaten? willi wußte nicht, wie er das alles unter einen Hut bringen sollte und fürchtete ernsthaft um seine Nachtruhe.

Erschöpft ließ er sein Auge nach unten wandern und fand nach Spätgotik und Spätgeburt den Ausdruck Spatikum, was soviel wie Zwischenraum bedeutet. Im Zusammenhang mit dem nun folgenden Spatz, der ihn unweigerlich an eine Spätzin erinnerte, fühlte unser willi die nun drohende Agonie auf sich hereinbrechen.

Da konnte auch ein an sich frohgestimmtes Spätzle nichts mehr ausrichten, zumal er Nudeln sowieso nie sonderlich zu schätzen gelernt hatte. Spektabel, was etwa ansehnlich bedeutet, führte willi – schon merklich geschwächt- über Spekulatius zu dem verhängnisvollen Ausdruck: spekulativ. Ermattet ließ Willi den Duden zu Boden gleiten und erklomm mit letzter Kraft das Bett.

Mach Dir nichts draus willi und schlaf gut!

Anmerkung:
Es fing alles damit an, dass ich im Baumarkt vor vor dem Regal mit den Spaten stand. Meiner Konstitution folgend habe ich mich dann doch für einen handelsüblichen Damenspaten entschieden. Dieser Spaten ist mir sehr ans Herz gewachsen.
Schließlich hatte ich damit einiges vor. Die Flächen lächelten mich überlegen an. So etwas verbindet.
Das Fräullein von damals habe ich längst aus den Augen verloren. Zuletzt hörte ich, sie sei mit ihrem Prinzen sehr glücklich. Das ist gut.
Den Spaten habe ich immer noch. Es war ein guter Kauf. Ich habe sogar einmal eine etwas metaphysisch anmutende Wette wegen ihm gewonnen. (Ich spiele sonst nie.)

mick (1987/2013)

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