Der willi und Batman

Diese Geschichte ist mir unlängst von einer weisen, alten Frau zugetragen worden. Sie mag alt sein, aber ich halte sie für richtungsweisend (gilt für die Frau, wie für die Geschichte).

Immer, wenn der willi sich vergewissert hatte, dass seine Aufgabe erledigt sei, kam etwas eilfertig der böse Hofmarschal des oberbösen Königs daher und brachte ihm, – dem willi – nicht ohne Häme, immer neue Aufgaben und Rätsel. Die hatte er dann zu lösen. Unser willi wäre beinahe ob seiner Aufgabe verzagt.

So trug es sich zu (es trug sich zu war eine Redewendung, die in fernen Zeiten oft gebraucht wurde), also: es trug sich zu, dass der böse Hofmarschal dieses oberbösen Königs abermals* hämisch neue und schwere Rätsel brachte. Als aber unser willi wieder allein mit sich und seiner Genius-Maus war, brach er laut schluchzend in sich zusammen.

Er wünschte sich nun doch sehnlichst in diesen tiefen, tiefen Wald mit dieser herrlichen Lichtung zurück. Dort war ihm dereinst – als er noch jung, schön und ungestüm war – geweisssagt worden, dass er später überall als good-old willi Bekanntheit erlangen könne. Bitterlich flossen seine Tränen. Als aber – wie damals in dieser weltberühmten Froschgeschichte(!) – eine dieser Tränen seine gute und treue Genius-Maus berührte, geschah etwas wundersames.

An dieser Stelle wäre jetzt ein Prinz oder mindestens Batman fällig. Ganz schön triefend, diese Geschichte. Vielleicht versucht die alte Frau es ja mit Physik. Etwa so: willis Tränen ergossen sich über seine gute und treue Genius-Maus. Da aber vernahm er ein Geblitze, Gezische und Getose, wie es in den schönsten Kindermärchen nicht hätte besser sein können.

Der Computer hatte durch die übergroße Feuchtigkeit einen Kurzschluß erlitten und war einfürallemal hinüber! Wie ein Blitz durchschoss es plötzlich willis Hirnwindungen: Es war der Schlüssel zu seiner Freiheit. Er hatte sich selbst wiedergefunden. Mit der unbändigen Kraft seiner neuen Leidenschaft riss er sich seine Kleidung vom Leib und zum Vorschein kam seine gute alte Montur. BATMAN! **

Batman war wieder da, und er wußte genau, was zu tun war. Da draußen war eine Prinzessin und die mußte – wie so manche wahre und wirkliche Prinzessin auf dieser Welt – vor Ungemach beschützt werden. Eins nach dem anderen. Die wichtigen Dinge zuerst. Danach ließe sich alles regeln.

So flog er denn also mitten in den Sternenhimmel von halblinks auf den Vollmond zu, um der Stadt mitzuteilen, dass er – also Batman – sich wieder auf seinem Posten befände. Alle computergeschädigten Freaks, deren Freunde, Freundinnen, Kinder, Kegel und sonstige Anverwandte sollten von nun an aufatmen können.

Leider sah ihn kein Schwein. Ein Stadtfest ging gerade zu Ende und das Feuerwerk hatte ihm gründlich die Tour vermasselt. Die wahre und wirkliche Prinzessin musste warten. Darüber schlief sie aber ein. Man glaubt sie schläft heute noch. Von Batman hat man nie wieder etwas gehört.***

* abermals, auch dies so eine etwas überkommene Art zu Reden.
** ‚tschuldigung, der mußte jetzt wohl doch da hin 🙂
*** abgesehen von einigen eher mäßigen Batman-Filmen, die zu allem Überfluß auch noch erstunken und erlogen sind.

Zusatz: Ich fürchte nach dieser Begebenheit werden wir auch unsern willi eine Weile suchen müssen. Wird schwer, aber irgendwie wird es schon gehen.

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10 Gedanken zu „Der willi und Batman

  1. toutde5uite

    Jetzt bin ich aber mal gespannt wie ein Flitzebogen (auch eine früher gerne verwendete Wendung …), wieso dieser nette Artikel mit „Fingernagel“ verschlagwortet ist 😀 Um auch die hierher zu locken, die selbst permanent über Nagellack schwafeln? Aber ich folge Deinem Blog doch sowieso schon … ;)))

    Antwort
  2. mickzwo Autor

    ‚Fingernagel‘ ist ja ein zentraler Begriff in dem Blog. So ähnlich wie ‚Friemeln‘. Nur etwas anders. Also ‚Fingernagel‘ entstammt wohl dem Artikel ‚Was wäre die Kultur ohne die Badewanne‘ ( https://ernstzwo.wordpress.com/2013/03/15/was-ware-die-kultur-ohne-die-badewanne-2/ ) Seit dem verfolgt es den willi eben. ‚Flitzebogen‘ ist ein schöner Ausdruck. Er kommt auch irgendwo vor, ist aber nicht verschlagwortet. Warum nicht? Ich werde willi fragen 🙂

    Antwort
  3. mickzwo Autor

    Hat dies auf Fett/Anthrazit Blog rebloggt und kommentierte:

    Heute ist ein guter Tag zum Stromern. Das Wetter ist warm, trocken, es gibt viel zu sehen in der Stadt und nachher muss ich eh‘ arbeiten.
    Die Schafe am Wegesrand wissen von alldem nichts. Sie haben gerade wieder ihren Schlaf unterbrochen. Die fünfte Jahreszeit – wie es sie in vielen Orten gibt – neigt sich fast dem Ende zu.

    Die Busse sind so früh noch leer. Ihr Festtagsschmuck wirkt daher besonders prächtig. Die Stadt nimmt langsam Anlauf zum Finale. Morgen Abend kommt das grosse Feuerwerk. Und, obwohl ich es nur von der Umgehungsstrasse kenne (ich habe es auf der Heimfahrt von der legendären Spritztour nach Südfrankreich gesehen), möchte ich es nicht missen. Es hat in der folgenden Geschichte eine „tragende“ Rolle.

    Ach ja: Erich Kästner, der grosse Mahner und Tröster, hatte in dieser Stadt ein paar Verwandte. Einem alten Schild zufolge hatten die dort – früher – ein Café. In dem Haus war auch mal eine Buchhandlung untergebracht. Das passt ja noch. Jetzt ist dort eine Anwaltskanzlei. (Vielleicht haben sie deswegen das Schild geändert. )

    Na ja, immerhin ist es ein schönes Haus. Wenn die fünfte Jahreszeit vorbei ist, muss ich es nochmal genauer inspizieren – der besseren Sichtbarkeit halber. Schaulaufen und abshanen. Muss wohl so sein.

    Morgen besuche ich wieder meinen Sohn. Seine Frau hat mich mit einer Enkelin gesegnet. Alles ist gut! Das ist doch mal ein Grund. Dieses Feuerwerk werde ich wohl wieder verpassen 🙂

    Antwort
    1. kaetheknobloch

      Mein Vergnüglichkeitsbeenebaumelgör‘ flüstert mir gerade zu, daß ich Ihnen abermals schreiben soll, wie gernst es den willi mag. Und Schafe mag es auch, wenn es keine verkleideten Einhorne sind. Und wir beide gratulieren zur Enkelin. Fetzt! Alles Liebe, Ihre Frau Knobloch.

      Antwort
      1. mickzwo Autor

        Jetzt habe ich schon derer zwo. Ein wunderbares Gefühl. Danke für die guten Wünsche und liebe Grüße auch an das Vergnüglichkeitsbeenebaumelgör. Ich denke, der willi mag das auch 🙂
        Herzlichst, Ihr mickzwo.

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