Ernst und die Abziehbilder

Den Job, den ich jetzt schon so lange mache, habe ich quasi erfunden. Ich bastele noch jeden Tag daran. Manche halten mich für so einen Computerfuzzie, manche für einen Guru und manche für einen bequemen Penner. Ich leite eine Abteilung in einer Stadtbibliothek. Bei mir und meinen Kolleginnen kann man auf verschiedenen Wegen Informationen zu Themen wie Informatik und EDV finden. Letztendlich helfen wir beim Finden.

Um zufrieden zu sein brauche ich keinen Computer. Ein gutes Buch, manchmal ein Film. Mittlerweile bin ich sehr genügsam geworden. Essen, trinken, schlafen, mal ein bisschen die Beine vertreten … Lauter so uncoole Sachen. Man kann sich ja seine Zeit nicht backen.

Lauter uncoole Sachen.

Lauter so uncoole Sachen.

Den Computer benutze ich beruflich. Bin in Facebook und Twitter unterwegs, blogge in verschiedenen Kanälen, google und microsofte etwas. Ich linuxe noch ziemlich und mit Konsolen habe ich zu hantieren. Ob ich apple oder androide, immer versuche ich das zu verstehen. Dazu braucht es mehrere Mailadressen und auch Passwörter, den Zwecken entsprechend. Kurz, ich netzwerke. Man sagt das jetzt wohl so. Viele macht das schon schwindelig. Andere lächeln darüber. Ob ich will oder nicht: dieses Leben hat mich längst übernommen.

Die Onleihe ist gerade ein großes Thema. Plötzlich stehen Menschen vor mir und wollen Rezepte zum Lösen von Problemen. Ja, die Probleme. Oft muß ich die Menschen enttäuschen. Selten weiß ich auf Anhieb, wo etwas steht. Ich suche dann danach, fast immer werde ich fündig. Für die Gehetzten ist das oft zu spät. Rezepte habe ich nämlich nicht. Außer einem: Sich mit den Dingen beschäftigen. Zeit investieren.

Auch wenn es bisweilen so scheint: Wir können das Internet oder den Computer nicht auswendig. Das kann niemand versprechen. Wir haben es auch nie versprochen. So etwas empfinden Menschen häufig schon als den Gipfel der Unverschämtheit. Der Computer verspricht uns Schnelligkeit und Profit. Wir wollen das Jetzt und zwar sofort. – Der kann uns doch schnell mal ein paar Tricks verraten. – Der kann mir das doch eben machen.

Ich glaube, das ist ein Irrtum. Es ist harte Arbeit. Man muss sich beschäftigen. Meistens selber. Ob mit Kindern oder mit Technik. Fast nichts geht von Selbst, und alles birgt zum Überfluss die Möglichkeit des Scheiterns. Nur Zeit geht von selbst. Und der ist es schlichtweg egal was und wie wir es machen. Die Zeit geht immer weiter. Mit uns oder ohne uns. Anders gesagt: Wir kriegen die Zahncreme nicht zurück in die Tube. Das klingt banal. Ist es aber nicht. Die Jugend von heute, war immer schon frech, ungeduldig, blablabla. Egal, es war vor 2000 Jahren so, gestern und morgen natürlich auch.

Siehe dazu die Legende Peter und der Wolf. Oder nimm ein Lied wie Father and Son von Cat Stevens. Überall stößt man darauf. Neulich hatte ich einen Dialog mit meinem Sohn. Es ging um eine Hausaufgabe, bei der er meine Meinung hören wollte. Er: … Dann ist das also ein Generationending. Ich: Das ist es doch immer.
Upps?! Also jetzt auch? Genau.

Bestimmt suchen die sich eine neue Eins..

Bestimmt suchen die sich eine neue Eins..

Natürlich kann man die Kinder einsperren. Fernhalten von allen schädlichen Einflüssen. Es gibt ja einen Jugendschutz. Man kann ihn unter Windows 7 einstellen. Als Admin. Sie wissen alle, was ein Admin ist und wozu man ihn gebraucht. Der Admin kann den Jugendschutz aber auch wieder abstellen. Der Admin darf alles. Auch den Stecker ziehen. Das ist dann ultima ratio. Selbst als Zwischenlösung kaum geeignet, eher so miserabel. Unsere Kinder werden sich dann einfach anders orientieren.

Zurecht. Sie wollen nicht ausgeschlossen sein. Ja, eigentlich ist es ihnen verboten. Das ist ja das Schlimmste. Der gesellschaftliche Erfolg verlangt von ihnen unter anderem auch, dass sie die Technologie benutzen. Bewundern wir sie für ihre Leistungen. Lassen wir uns von ihnen die Technik erklären. Akzeptieren wir ihre Bedürfnisse und zeigen ihnen, wo wir die Grenzen ziehen. Das ist unsere Aufgabe. Grenzen ziehen ist wichtig. Benutzen heißt noch lange nicht Verstehen. Da könnten wir die Experten sein. Es geht nicht um Geschmack, es geht um eine Verantwortung.

Die muß man lernen und vorleben. Klingt einfach, ist es aber auch nicht. Rezepte helfen kaum. Es ist nicht einfach, Kinder zu haben, aber das hat auch niemand versprochen. In so gefühligen Filmen mag das gehen. Leben sieht anders aus. Kinder machen ist fast immer freiwillig und fast immer schön. Kinder erziehen aber müssen wir. Kann sehr spanned sein, aber es geht nicht von selbst. Es ist harte Arbeit, die nie abreißt. Eltern haben da zu sein. Als Eltern die beschützen. Nicht in Watte packen, sondern Kinder stark machen. Dass ist das, wozu Eltern da sind.

Noch peinlicher als peinliche Eltern sind Erwachsene die sich anbiedern. Wir wollten nie so werden wie unsere Eltern. Versuchen wir also auch nicht aus unseren Kindern Abziehbilder von uns zu machen. Liebe und Freiheit wachsen durch teilen. Nicht nur die Kinder wachsen, die Eltern tun es dann auch. Wer will kann auch folgendes Lesen: Unser allerbestes Jahr. Stehen wir dazu aber kokettieren wir nicht damit.

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8 Gedanken zu „Ernst und die Abziehbilder

  1. Pingback: Die Nachhut | Alles mit Links.

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