Möglicherweise Konjunktiv

Inschutznahme eines Praktikanten gegen einen stinkigen Zeitungsredakteur.
Möglicherweise konjunktiv

Ein mittelschwerer Zeitungsredakteur steht in der Westernstraße auf einem Schemel und konjugiert. Dies ist zwar etwas wunderlich, jedoch weder unanständig noch konjunktiv.

Es ist wirklich und von daher indikativ. Sollte dir jemand jetzt erzählen ich sei möglicherweise ein wunderlicher Blödsinnmacher oder Geschichtenbastler, so ist das jetzt wieder konjunktiv, da diese Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt ja erst noch überprüft werden muss (Indikativ).

Aber zurück zu unserem Beispiel: Soeben erzählt mir mein Nachbar (Indikativ), in der Westernstraße stehe ein mittelschwerer Zeitungsredakteur auf einem Schemel und konjugiere (Konjunktiv I).

Wenn also etwas wirklich so ist, wie es ist – und sei (Konjunktiv I) dies auch nur theoretisch so – so heißt das Indikativ, weil es ja wirklich ist. Verhielte (Konjunktiv) es sich allerdings so, dass der Sachverhalt zwar vergnüglich scheint (Indikativ), bei diesen Wetterbwedingungen aber sowieso ausfiele (abermals Konjunktiv I), bedient man sich der konjunktivischen Sprachform.

Sie wird Beizeiten auch Möglichkeitsform genannt. Vollkommen zu recht, denn man zieht (Indikativ) ja immerhin die Möglichkeit in Betracht. So verhält es sich und darum ist je nach Lage der Dinge, die geeignete Berichtsform zu wählen: Mein Nachbar zur Linken ist ein vertrauenswürdiger Mensch.

Und darum kann ich guten Gewissens dem rechten Nachbarn berichten, dass Heinrich – mein Nachbar zur Linken – sagte Doppelpunkt (Gänsefüßchen unten) In der Westernstraße steht ein mittelschwerer Zeitungsredakteur auf einem Schemel und konjugiert. (Gänsefüßchen oben)

Wäre mein Heinrich – du hast sicherlich bemerkt, dass dies Hilfsverb höchst konjunktivisch angewandt wurde – also wäre mein Heinrich ein Hallodri und Lumpensack, bediente ich mich getrost der wohlbekannten indirekten Rede, siehe auch dritter Absatz (schon wieder Konjunktiv I).

Nun drängt sich hier einerseits die Frage auf, ob du schon ohnmächtig bist und andererseits, was macht Konjunktiv II? und da wird es für uns beide sehr interessant. Stutz?!! Grübel! Uns beide??!

Für mich ist das interessant weil sich der blöde Schreiberling Heute im Datum vertan hat und darum alle Leute erst Freitag zu meiner Abendveranstaltung kommen werden, obwohl die doch Donnerstag ist (Indikativ). Für dich ist das interessant, aber das musst du schließlich selbst wissen.

Konjunktiv II wird immer dann gebraucht, wenn es sich um einen Sachverhalt handelt den man sich zwar wünschen bzw. denken kann, der jedoch in der persönlichen Konfrontation weniger angebracht ist.

Ein Satz wie: „Ich wünschte, sie mittelschwerer Zeitungsredakteur, stünden in der Westernstraße auf einem Schemel und konjugierten“, ist Konjunktiv II in Reinkultur und bringt mir persönlich, sofern er flüssig von den Lippen kommt, außerordentlich viel Freude. Den schenke ich dir und hoffe du hast Spass daran!

PS.: Nichts bleibt schön, als das Erfundene!* (Indikativ).

* André Heller. Platte, (1970)

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3 Gedanken zu „Möglicherweise Konjunktiv

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