Im Bus, morgens

Überall wo ich hinsehe grinsen mich Plakatgesichter an, während Menschen mit Trauermasken sich zu den Orten ihrer künftigen Niederlagen karren lassen. Es ist eine äusserlich stumme Prozession. Alle sind sie irgendwie verkabelt und hören scheinbar Individualmusik. Oder sie daddeln auf ihren Handys (individual, versteht sich). Graufärbung herrscht vor.

Selten lassen sie jemanden mitspielen oder teilen sich die Kopfhörer mit einem Sitznachbarn. Vielleicht wollen die auch nur cool sein. (Ich denke sie verwechseln da was.) Manchmal kichern Menschen. Ein Highlight. Die Menschen unterhalten sich dann kurz und die Gesichter werden heller. Sie haben offenbar ihre Masken dafür abgelegt. Kurz darauf wieder nur noch grinsende Plakatgesichter. Die Niederlagen warten weiterhin beharrlich; alles ist wieder graugefärbt, als sei nichts vorgefallen.

In welchen Realitäten man sich zeitgleich so bewegen muß. Auf Dauer geht ignorieren nicht. Zu ändern ist es nicht aber so sein will auch nicht funktionieren – da kann man sich noch so abmühen. Wenn man nicht krank daran werden will, hat man zu lernen damit um zu gehen. Man ist Zuschauer und Eckensteher seit je her. Das ist nicht ausgesucht. Es gibt so viele Geschichten zu erfahren. Warum erzählen die Menschen nicht davon (oder hören zu). Statt dessen wird die Zeit erschlagen. Man glaubt gar nicht, wie anstrengend der öffentliche Nahverkehr mitunter sein kann. Wenn die Tage schon so beginnen, wo soll das nur hin führen?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s