[Jer, 17]

Wenn du so fummelst, unablässig, scheinbar das Selbe wiederholst. Zwischen Wut, Enttäuschung und Hoffnung pendelst. Irgendwann bist du zu erschöpft, um auf zu hören. Das ist vielleicht eine Scheiße!

ES IST DAS HERZ EIN TROTZIG UND VERZAGT DING; WER KANN ES ERGRüNDEN? [Jer,17]

Man hört in Wirklichkeit auf zu denken, weil man immer nur ein Ziel sieht, und am Ende verschwimmt es vor den Augen. Ausgerechnet dann ist willi unterwegs. Sterne zählen, oder nachsehen, ob es doch vielleicht Bäume auf dem Mond gibt.

Die niederträchtigste Erfahrung, die ein Mensch in seinem Leben machen kann ist die, dass er ein einzelnes Wesen ist. Manche merken es nie. Die meisten ahnen es, aber wie das mit den schlechten Ahnungen so ist. Wer will darüber schon genauer Bescheid wissen.

Einige sterben an solchen Erfahrungen. Andere saufen oder joggen, oder beides und wissen oft gar nicht, warum sie es tun. Kinder, die beginnen die Dinge zu begreifen, also alles anfassen müssen, um es zu erfahren, wissen zu Beginn dieser Phase nicht, dass die Hände, die da rumtatschen ihnen gehören.

Neulich sah ich ein Kunstwerk, so eins von Josef Beuys (wo die Leute gerne mal mit dem Kopf schütteln, wegen so einem Quatsch!). Dieses Kunstwerk, jedenfalls, war eine verzinkte Kiste, etwa fünfzig Zentimeter lang, breit und hoch. Halb voll war die Kiste mit Schwefelpulver angefüllt. Darauf lagen drei Orangen, einfach so. Die lagen dort schon Monate oder Jahre und sahen vollkommen frisch aus. Das Ding hieß:

WIR FRüCHTE GEHEN SELTSAME KOALITIONEN EIN, DAMIT WIR ÜBERDAUERN.

Adam und Eva wußten gar nicht, dass sie zu zweit waren. Den Unterschied bemerkten sie erst als man sie fragte, was sie eigentlich getan hätten. Da schämten sie sich vor einander(!) und beschuldigten sich gegenseitig. Darum sind sie aus dem Paradies geflogen. Nicht wegen eines lächerlichen Apfels. Als ihnen klar wurde, dass sie einzeln waren, nahmen sie Blätter und verbargen ihre Scham.

Wozu? Vor wem? Weiß eh jeder was dahinter steckt, oder?! Wohl doch nicht: siehe oben. Sie froren plötzlich und fürchteten sich, denn sie waren nun ganz allein und alles war anders. Was tut ein Mensch in so einer Situation? Er versucht die alte Ordnung wieder herzustellen, denn das war ja wohl besser. Einssein, Wärme finden, Geborgenheit. Verdammt schwer, wenn man sich fürchtet.

Wenn man sich nur mit einem Auge verlieben kann, weil das andere die Scham im Blick hat, fängt man irgendwann an zu schielen. Zumindest macht es Kopfweh. Auf diese Art wird man nur lauwarm. Wer sich verliebt, macht sich was vor. Das ist wunderschön und nicht zu verachten!

Diese Hitze ist ja die Ahnung davon, wie es sein sollte, aber nie sein kann, weil ein Auge ja immer noch wachsam die Umgebung kontrollieren muss. Wenn das dann auffällt, ist die Enttäuschung groß. Ich finde das wirklich überflüssig.

Gerade kommt willi vorbeigeflogen, setzt sich eine Weile auf meine Fensterbank und sieht mir zu. Er hat mir einen Vers mitgebracht und läßt schön grüßen:

das glück
hat eine komische gestalt.
darum lächeln die,
die es gesehen haben.

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3 Gedanken zu „[Jer, 17]

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