Geborgenheit

Das kommt von borgen. Geborgenheit hat man nicht. Man bekommt sie. Und weil sie geborgt ist, weiß man nie ganz genau, wie lange man sie hat. Kommt sie abhanden, darf man sich kaum beklagen, denn sie ist kein Eigentum. Gerechterweise kann der Eigentümer sie nicht für sich selbst verwenden. Schlechtenfalls gibt er sie nutzbringend weiter. Er ist dann ein Kaufmann. Widerwärtig. Weil ich nicht einsam sein will, wenn ich allein bin, erzähle ich einer Maschine meine Gedanken. Lieber bekäme ich etwas erzählt; da wird das Borgen schon sehr verwickelt.
Niemand möchte Schulden haben. Das gilt als unfein. Darum nennt man so etwas im Bankgeschäft auch eine Belastung. Dieses Denken ist so tief verwurzelt, daß die Menschen ihre Schulden verheimlichen und rot werden, wenn sie darauf angesprochen werden. Aber die ganze Welt lebt von Schulden. Die größten Reichtümer werden damit produziert. Nicht Brasilien oder die DDR haben die meisten Schulden. die USA, das reichste Land der Erde, hat zugleich den größten Schuldenberg.
Komischerweise kann man nur Schulden machen, solange die anderen glauben, man hätte es nicht nötig.
Wer Kredit will muß erst einmal großzügig sein. Die reichen Leute geben niemals ihr eigenes Geld aus. Sie machen Schulden. Immer wieder werden an der Börse Leute ruiniert, weil es ein Gerücht gab, sie seien in Geldnot. Daraufhin macht niemand mehr ein Geschäft mit ihnen. Bis sie wirklich in Not sind, dauert es dann nicht mehr lange. Kein vernünftiger Kaufmann investiert in aussichtslose Aktien.

willi hat 1987/88 mal über den Begriff Geborgenheit nachgedacht; irgendwie passt das jetzt zu Stand by Me und John Lennon. Das ist alles.

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7 Gedanken zu „Geborgenheit

  1. Susanne Haun

    Wie weise, mick.
    Ist es nicht eigenartig, dass diese Geborgenheit, die man selber nicht erzeugen kann und die ein so hohes Gut ist, nur geliehen ist? Der Mensch braucht Geborgenheit zum Überleben. Es ist ein einmaliges Gefühl. Wichtig ist, sie nicht als selbstverständlich anzusehen sondern sie zu schätzen und zu würdigen.
    Ich kann alleine ohne einsam zu sein sein. Aber kann ich das vielleicht nur, weil es da draußen einige Menschen gibt, die mir das Gefühl von Geborgenheit geben?
    Einen schönen Freitag wünscht dir Susanne

    Antwort
    1. mickzwo Autor

      Schon wieder mick.
      Diesen Kommentar habe ich Dir schon ein Mal gesendet. Aber er ist Futsch. Irgendwie funxte das nicht. Und ich habe es nicht gesichert. So ist das spontane naturgemäß weg.
      In jedem Fall: Dank für Deinen Kommentar.
      Ich denke Geborgenheit ist etwas ähnlich zum Schenken. Beschenkt werden kann man ja auch nicht verlangen und indem ich ein Geschenkt überreiche, geben ich ja auch meinen Besitz daran auf (was ein Unterschied zu Eigentum ist). Nur so funktioniert es (glaube ich). Alles andere ist ein Geschäft, und ist in Bezug auf menschliche Belange oft doch sehr störend.

      Alleine sein ist oft gut, es kann uns produktive Schübe geben (wie auch der Kontakt mit anderen). Einsamkeit ist Mist.
      Niemand ist eine Insel.

      Ich wünsche Dir eine gute Zeit, mick

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Danke, mick. Einsamkeit kann natürlich auch einen kreativen Schub auslösen ….. 🙂 nur der Vollständigkeit halber erwähnt. 🙂
        Dir auch einen schönen Sonntag, Susanne

  2. mickzwo Autor

    Liebe Susanne,

    kann sein, dass mein Begriff von Einsamkeit willkürlich ist. So etwas passiert mir schon mal. Das täte mir hier besonders leid. Ich glaube nämlich, wir meinen dasselbe:
    Der Rückzug eines Menschen kann gewollt sein, um etwa einem kreativen Schub auszulösen. Das kann gut sein und ist oft ungeheuer wichtig. Ob das schön oder leicht ist, spielt hier keine Rolle. Beenden kann ich so einen Zustand nur, wenn andere mir Geborgenheit geben. Also muß ich mich anderen öffnen, denn sie sind es, die mir Gebrogenheit schenken. Wenn so ein Zustand nicht beendet wird, werde ich wohl möglich krank. Das habe ich mit Einsamkeit gemeint. Und die halte ich in der Tat für Mist.
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit, mick

    Antwort
    1. Susanne Haun

      Lieber mick,
      da liegt der Hase im Pfeffer begraben, um es umgangssprachlich auszudrücken.
      Das Öffnen gegenüber anderen Menschen ist nicht einfach, aber ohne ein Öffnen ist kein Vertrauen möglich.
      Aber ich glaube, Geborgenheit kann man auch erhalten, wenn man sich nicht öffnet. Der Schenker der Geborgenheit muss nicht zwangsläufig alles vom Beschenkten wissen.
      Jeder darf seine Geheimnisse haben.
      Einen schönen Wochenbeginn von Susanne

      Antwort
      1. mickzwo Autor

        Das finde ich vollkommen richtig. Ein Mensch, der keine Geheimnisse haben kann, ist zu bedauern.
        Dir auch eine gute Woche!

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