Augenblick zum Gruseln

Ein alter Mann steht am Fenster; nein, er steht eher hinter dem Fenster. Und wie es scheint, ist der alte Mann schon angezogen für den Tag.

Er beobachtet die Leute auf der lauten und geschäftigen Durchgangsstraße. Das Ganze findet in einem hässlichen Haus an einer hässlichen Kreuzung statt. Die Ampel hat zufällig gerade rot.

Dort stehe ich mit dem Fahrrad und warte auf grün. Wenn der alte Mann – dort oben – irgend etwas in diesem Zimmer erledigen wollte, hätte er wohl das Licht an geknipst. Es ist morgens, kurz nach sieben.

Zum nach draußen gucken reicht die Helligkeit allemal. Der alte Mann fühlt sich unbeobachtet. Es ist nicht anzunehmen, dass der alte Mann bemerkt, wie er beobachtet werden kann. Vielleicht ist es ihm ja auch gleichgültig.

Anzunehmen hingegen ist, dass der alte Mann länger dort steht und beobachtet. Ob er allein ist, weiß ich nicht. Ich glaube aber, der ist einsam. Der Mai ist gekommen.

Doofe Ampel.

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