Medizin, gute ** (that is the message)

Kaum ist man mal für sich, da machen die schon Theater.

Stimmt, ich war wirklich irgendwo unterwegs. Sicher nicht mit dem Professor in Triest. Was der da wollte, das kann man sich ja denken. Abhaken, einfach abhaken.

Hilft gegen fast alles:
All You Need Is Love

Diese Gefühltheit, ein Trauerspiel.

Und Pottendorf? Lachhaft. Als ob mich so ein Stau bei Bielefeld interessiert.

Ach ja, aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr heraus.. ich gebe auch meinen Senf dazu. (Wenn denn die andern zwei mich lassen.)

Jeder hat so seins: Herr Kettler

Gut goan! – Ist westfälisch und bedeutet soviel wie: „Lasst es Euch gut gehen!“
So isset. Gruß ernst.

** Klekih-petra frei nach Karl May, Winnetou I.

Warum das hier so heisst, und nicht anders!

Nochmal: über den Nachbarblog!

Alles mit Links.

Als ich etwa acht oder neun Jahre alt war bekamen wir Besuch von ein paar Damen mit Hängetasche auf dem Unterarm. Es war Werkunterricht. Die Damen waren geschminkt und rochen so nach Kölnisch Wasser. Für uns war es ein Schulmorgen wie jeder andere. Wir waren emsig bei der Sache, wollten wir doch der Lehrerin imponieren, an die wir so fest glaubten. Was das für Damen waren und warum die unseren Unterricht besuchten, wurde uns nicht gesagt.

Uns störte das nicht, wir waren das nicht anders gewohnt. Ich war gerade damit beschäftigt ein Männlein aus Filz aus zu schneiden um es auf zu kleben. Da war ich schon geschickt drin. Schließlich hatte ich zu Hause ja ein gutes Vorbild, dem ich natürlich nacheifern wollte. Ich bemerkte erst gar nicht, wie so eine Dame mir dabei zusah. Doch dann brachte die den etwas hysterisch klingenden Ausspruch: Nein wie geschickt, und alles mit…

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I never need to get old

Ich kenne so’n Dier.

Eine etwas rheinisch angehauchte Dame würde jetzt sagen: Man kann sich auch verkünzeln. Dabei würde sie leicht, fast unmerklich den Kopf schütteln.

Wer weiß das schon so genau.

mick bezeichnete so jemanden gern als Perfektionisten. Quasi als ein penibler ‚Durchschnittsmensch‘ *.

Immer weiter, immer weiter/ jeder guckt durch Fenster, und hält sich für gescheiter/ … singt da der Dichter in meinem Ohr. Ganz leise singt er so etwas (und doch so eindringlich).

ernst sieht einen, der genau das heraufbeschwört, was er niemals wollte. Beharrlich, stur, konsequent.

Darauf erläutert der willi: Ich kenne so’n Dier!

* Mir fällt gerade auf: dieser Ausdruck kommt bei Hanns Dieter Hüsch ständig vor. (Mehr oder weniger offen tritt das zu tage.) Offensichtlich hat er seine Philosophie danach gebaut. Der Niederrhein ist überall. Und Menschen sind so. Alles geht so seinen Gang.

Oben ist es still 3

Am meisten erinnere ich mich an die Krähen dieser Geschichte.

Komisch, was man so alles mit sich herumträgt. Mein Vater war gestorben. Und ich las von diesem holländischen Bauern: Helmer van Wonderen räumt auf. Er verfrachtet seinen Vater ins Obergeschoß des elterlichen Bauernhauses und richtet sein Leben neu ein. Doch die ländliche Ruhe währt nicht lang, … *

Mein Vater wurde einundachtzig. Er ist also im Herbst 2011 gestorben. Es war in der Nacht von 3. zum 4. Oktober als er mit dem Notarzt in die Klinik gefahren wurde. Von da an lag er halbseitig gelähmt für mehr als neun Jahre im Bett und starrte mehr oder weniger an die Decke. Das konnte ihm nicht recht sein. Niemandem war so richtig klar, was er noch erkennen konnte. Der Fernseher lief nun ohne Unterbrechung. Er war noch nicht fertig mit dieser Welt. Und immer rieselte dieser Fernseher.

Er wurde wunderlich, oft war er griesgrämig, selten zu Scherzen aufgelegt schien er sich zunehmend mit sich selbst zu beschäftigten. Mit Geschichten von damals und mit seiner Verdauung. Wenn ich zu ihm kam, einmal die Woche nahm er mich schon mal mit auf seine Reisen, im Kopf. Häufig war ich öfter bei ihm – unangemeldet, aber das machte ihm kaum Freude. Wenn ich jedoch an dem Tag, an dem ich frei zu haben hatte, zu ihm kam, dann war er schon den ganzen Morgen damit beschäftigt, mich zu erwarten.

Das war die erste Lektion, die ich von dem alten Mann empfangen durfte. Es sollten noch viele folgen. Wir hatten plötzlich Zeit. Viel Zeit. Die verbrachten wir mit einander. Ich lernte ihm die Haare zu schneiden und war sein Chauffeur. Er bestimmte die Richtung. Die Pfleger taten ihres. „Jeder Tag mehr, ist ein Tag weniger.“ Dieser Satz stammt nicht von ihm, den habe ich von meinem Lieblingsdichter. Er könnte von ihm sein. Wenn ich es recht überlege, der war ein echter Niederrheiner. Der konnte alles erklären, wusste aber nichts, verstand doch so viel und war manchmal einfach nur sprachlos. Ein Mensch, der nur aus Gefühl bestand mit dem Quäntchen Bauernschläue und dem Willen sein Ziel – welches das auch sei – zu erreichen, das war er.

Mein Vater war es auch, der mir in Verkleidung eines Freundes daher kam. Diesen Mummenschanz tat er als Vater, freundlich zwar, aber als Vater. So hat er mich erreicht und das war die letzte Lektion, die er mir erteilte: Respekt der sich aus Liebe speist.

Als ich Trost brauchte habe ich die Geschichte von Bakker gelesen. Und nicht verstanden. Da lag mein Vater schon vier Jahre immer auf einer Stelle… und es dauerte nochmal fünf Jahre bis er loslassen konnte. Ich glaube fest, er hat es mit Bedacht getan. Jetzt ist mir der Bakker wieder ins Auge gefallen. Ich kann ihn noch nicht lesen. Aber ich habe es versprochen.

Aber die Krähen, sie begleiten mich. Und es ist mir, als ob sie lächeln.

Gerbrand Bakker: Oben ist es still. Roman. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Suhrkamp TB. 2010.
ISBN 978 3 518 46142 6
* Ebendort: Umschlag, hinten.

Nachtrag: Die ganze Welt paßt auf den Fingernagelrand meines rechten Daumens. Immer gerade dann, wenn ich glaube dies begriffen zu haben, steht neben mir so ein Bademeister mit zwei, drei Helfern. Mit Wurzelbürsten bewaffnet lächeln sie…

Wirklich gute Besprechungen findet man über diesen Weg: Nederlandstalig! Gerbrand Bakker – Oben ist es still

Oben ist es still 2

Eigentlich sollte der Artikel ja ‚Spaß‘ heissen.

Spaß ist aber soo laaangweilig.
Mit dem Spaß gibt es nämlich keinen Spass.

Benjamin Blümchen ist in die Jahre gekommen. 40.
Jetzt kommst du.

Und nun zu den Tagesthemen.
Nein: besser zu Gebrand Backer!

Oben ist es still.
Das lese ich jetzt noch einmal.

Der erste Leichnam, der mich betraf, war auch der schlimmste. Die Jugendliebe hatte sich umgebracht.
Das brachte mich in Bedrängnis. Ich hatte sie verdrängt aber nicht vergessen. Danach wurde es merkwürdig still.

Dann starb mein Schwiegervater, plötzlich. So unerwartet als wollte er ewig leben. (Dabei war er schon ein alter Mann.) Er war mein Mentor geworden. Den hatte ich mir ausgesucht als das Bauernhaus abbrannte. Ich wusste, was ich tat.

Im Grunde starb er einen Bilderbuchtot. Er hatte sich in einer Kneipe mit einem spaßigen Spruch noch ein Gläschen genehmigt. Dann fiel er um. Besser: er kippte nach hinten. Seitdem sind Martinshörner für mich ein Graus. (Für ihn war es wohl das beste, wie später einhellig festgestellt wurde.)

Mein Vater hatte es nicht so eilig. Hatte wohl noch etwas zu erledigen. Den habe ich fast zehn Jahre begleitet bei seinem letzten Gang. Glücklicher Weise habe ich mit ihm noch vorher ein paar Fahrten ins Blaue unternommen. Da war er noch halbwegs gesund.

Der vorerst letzte, in dieser Reihe, ist mein Freund. Der einzige mir noch verbliebene, seit der Schulzeit. Die anderen Leichen, mit denen ich zu tun hatte, haben mich nicht annähernd so berührt wie diese.

Jedesmal hatte ich etwas weg- oder aufzuräumen. Aber fertig geworden bin ich irgendwie nie. Das ist nicht so einfach. (So kommt es mir jetzt vor.) Vielleicht ist es besser wenn ich mehr nach vorne schaue. Nur die Richtung  muss ich noch finden.

Jetzt werde ich ‚Oben ist es still‘ lesen. Nochmal, zugegeben.
Versprochen ist versprochen.
Es wird mir keinen Spass bereiten. Nicht einmal Spaß.
Der Unterschied zwischen ‚Spaß‘ und ‚Spass‘ ist ein Qualitativer.

(Keine Frage der Rechtschreibung.)

  1. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich ordentlich zu verabschieden.
  2. Ich habe gelernt, dass des einen wohl noch lange nicht Komfort-Gefühle in allen auslösen muss, auch wenn man für sich das beste aus einer Situation macht.
  3. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sein Haus zu bestellen. Sonst hat man ein Problem.
  4. Ich habe gelernt, dass Freundschaft immer auch beudetet sich auszutauschen.

Heute Morgen hörte ich im Haussender passendes, das will ich auch noch mitteilen: Rag’n’Bone Man – Human (Official Video)
Apropos Spass: Helge Schneider & Michel Petrucciani bei Willemsen oder aber Helge Schneider bei Schmidteinander.

Moralische Anatomie

Da hat mir kürzlich mitten im Bett
eine Studentin der Jurisprudenz erklärt:
Jungfernschaft sei, möglicherweise, ganz nett,
besäß aber kaum noch Sammlerwert.

Ich weiß natürlich, daß sie nicht log.
Weder als sie das sagte,
noch als sie sich kenntnisreich rückwärtsbog
und nach meinem Befinden fragte.

Sie hatte nur Angst vor dem Kind.
Manchmal besucht sie mich noch.
An der Stelle, wo andere moralisch sind,
da ist bei ihr ein Loch…

                                Erich Kästner

Entnommen aus: Das Erich Kästner-Buch. Hrsg. R.Hochhut. Artium Verlag AG, Zürich.

Morgens und abends zu lesen

Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Daß er mich braucht

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen könnte.
 

                                Bertolt Brecht

Aus: Gedichte, die glücklich machen. ISBN 978 3 458 35997 5

Die Welt ist dumm

Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,
Wird täglich abgeschmackter!
Sie spricht von dir, mein schönes Kind,
Du hast keinen guten Charakter.

Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,
Und dich wird sie immer verkennen;
Sie weiß nicht, wie süß deine Küsse sind,
Und wie sie beseligend brennen.

                                Heinrich Heine

Aus: Gedichte, die glücklich machen. ISBN 978 3 458 35997 5

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken

Ich habe dir nichts getan
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

                                Joachim Ringelnatz

Im Online-Lexikon Wikipedia gibt es zu diesem Künstler einen umpfangreichen Artikel.