Geborgenheit

Veröffentlicht am 23. Mai 2012 von mickzwo in willi
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Das kommt von borgen. Geborgenheit hat man nicht. Man bekommt sie. Und weil sie geborgt ist, weiß man nie ganz genau, wie lange man sie hat. Kommt sie abhanden, darf man sich kaum beklagen, denn sie ist kein Eigentum. Gerechterweise kann der Eigentümer sie nicht für sich selbst verwenden. Schlechtenfalls gibt er sie nutzbringend weiter. Er ist dann ein Kaufmann. Widerwärtig. Weil ich nicht einsam sein will, wenn ich allein bin, erzähle ich einer Maschine meine Gedanken. Lieber bekäme ich etwas erzählt; da wird das Borgen schon sehr verwickelt.
Niemand möchte Schulden haben. Das gilt als unfein. Darum nennt man so etwas im Bankgeschäft auch eine Belastung. Dieses Denken ist so tief verwurzelt, daß die Menschen ihre Schulden verheimlichen und rot werden, wenn sie darauf angesprochen werden. Aber die ganze Welt lebt von Schulden. Die größten Reichtümer werden damit produziert. Nicht Brasilien oder die DDR haben die meisten Schulden. die USA, das reichste Land der Erde, hat zugleich den größten Schuldenberg.
Komischerweise kann man nur Schulden machen, solange die anderen glauben, man hätte es nicht nötig.
Wer Kredit will muß erst einmal großzügig sein. Die reichen Leute geben niemals ihr eigenes Geld aus. Sie machen Schulden. Immer wieder werden an der Börse Leute ruiniert, weil es ein Gerücht gab, sie seien in Geldnot. Daraufhin macht niemand mehr ein Geschäft mit ihnen. Bis sie wirklich in Not sind, dauert es dann nicht mehr lange. Kein vernünftiger Kaufmann investiert in aussichtslose Aktien.

willi hat 1987/88 mal über den Begriff Geborgenheit nachgedacht; irgendwie passt das jetzt zu Stand by Me und John Lennon. Das ist alles.

Stand by Me

Veröffentlicht am 16. Mai 2012 von mickzwo in willi
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John Lennon singt hart, fordernd und bedingungslos. Gerne auch schon mal schmutzig. Da ist nichts schmusiges, nichts schnulziges. Es ist dringend. Der singt von Verlangen. Nicht der Sound, nicht die Instrumentierung, nicht mal das Rauschen ist zufällig. Gefühlig ist das alles, jedoch niemals abgeklärt. Ich glaube, wenn er singt ist John Lennon so. Dabei ist das doch Konserve. Der Mann ist 1980 erschossen worden. Die Musik ist frisch wie heute.
Greatful: (Just like) Starting over, Woman; sentimental: Beautiful Boy (Darling Boy); pathetisch: Imagine; entschlossen: Watching the Wheels; verletzlich: Jealous Guy; zärtlich: Love. Und so fort. Es gibt so viele Lieder (mit und ohne Yoko Ono).
Vielleicht ist das getrieben und zerrissen. Der glaubt das genau in dem Moment, wenn er es von sich gibt. Mit Sicherheit konnte der gut Lügen und natürlich hat er das auch eingesetzt. Jeder Mensch tut das. Aber nichts davon ist künstlich oder gar unwahr, gar nichts.
Stand by me ist die x-te Coverversion eines älteren Songs. Das Lied ist sowieso gut, aber was dieser Künstler daraus macht, mich haut das jedes mal um. Es geht hier um Nuancen, die man spürt. Man muß kein Fan von John Lennon sein um das zu verstehen.

Nachsatz: Möglicherweise ist das alles auch Quatsch. De nada. Was zählt ist doch, ob es dich trägt, oder nicht? Um das zu verstehen muß man auch kein Fan von John Lennon sein. (Schadet aber nicht.)

willi.

Stand by Me stammt von Ben E.King (1961). Der Song wurde oft gecovert, darunter 1970 von John Lennon.
[S.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Stand_by_Me_(Lied)]

Sommermärchen, kühl.

Veröffentlicht am 14. Mai 2012 von mickzwo in mick
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Komm wir machen uns eine Geschichte! Könnte ich die Welt vergessen, entdeckte ich deine Augen.
Komm wir machen uns eine Geschichte: Es war einmal eine kleine dicke Prinzessin mit großen runden Augen und langen dicken Zöpfen.
Oder laß uns diese Geschichte machen: Es war einmal ein kleiner schmächtiger Prinz mit wirren roten Haaren und Sommersprossen im Gesicht.
Ach was, machen wir diese Geschichte – auch wenn die gute alte Fee besoffen war, als sie diese Königskinder schuf: die Prinzessin hatte eine Hakennase und war immer verschnupft und der Prinz hatte ein grünes und ein braunes Auge. Von hier bis zum Horizont hatte der eine König das Lachen verboten, weil die Königin sich eine schöne Prinzessin gewünscht hatte. Und vom Horizont bis da hatte der andere König das Weinen verboten, weil die Königin aus purem trotz über ihr Schicksal sich immer über den mißlungenen Prinzen lustig machen wollte.
Am Horizont aber war ein Berg und darauf saß die gute, alte Fee. Sie war schon wieder besoffen (oder immer noch). Die Sache mit dem Berg, jedenfalls, hatte genau zwei Vorteile:
1. die Luft war kühl dort oben, und das ist gut für eine gute, alte Fee, die ihren Kater ausbrüten muß.
2. konnten die Lachenden die Weinenden nicht sehen, und die Weinenden konnten die Lachenden auch nicht sehen. Sie hätten sich womöglich noch gegenseitig erschlagen. Und sag mal ehrlich: lohnt sich denn das für eine zwar gute, aber sonstig eher besoffene, alte Fee?
Komm wir machen diese Geschichte! Könnte ich die Welt vergessen, entdeckte ich deine Augen.
Wäre die gute, alte Fee nicht besoffen gewesen, hätten wir keine Geschichte.
Eines Tages machte sich der Prinz auf, weil er das ewige Lachen satt hatte. Er hätte auch den König erschlagen können, war aber zu schmächtig. Und die Prinzessin?
Laß mich jetzt nicht allein bei dieser Geschichte!
Natürlich hatte die Prinzessin das ewige Heulen satt. Sie hätte sich einen Müllerssohn nehmen können. Aber irgendwie klapperte das alles auch nicht. Und darum packte auch sie ihr Bündel (früher tat man das noch) und machte sich auf.
Und nach einer sehr langen und sehr mühseligen Wanderschaft – du kannst die Wegbeschreibung in jedem beliebigen Märchen – so in dieser Art – nachlesen: Täler, Schluchten, tiefe Wälder, weite Ebenen, Zwerge, kleine, ganz kleine Zwerge, was du willst! – also: nach einer sehr langen und sehr mühseligen Wanderschaft hatten sie endlich den Berg am Horizont erreicht. Die Prinzessin von der einen und der Prinz von der anderen Seite.
und es ist unsere Geschichte und darum kommen die jetzt auch gleichzeitig an.
Als sie sich sehen lächeln sie, und ohne ein Wort zu sagen ist ihnen klar, daß sie den ganzen Schrott da unten vergessen können. Und so taten sie es dann auch.

Das weinende Land und das lachende Land haben den Fortgang der beiden nicht bemerkt. Man hatte zu tun.
Bleibt noch zu klären, was aus der zwar guten, aber sonstig eher besoffenen, alten Fee geworden ist. Als ihr klar geworden war, was sie da nun angestellt hatte, machte sie sich aus dem Staube, um sich einen neuen Berg zu suchen. Mit schwerem Kopf ist sowas besonders ekelhaft. Sie säuft übrigens immer noch. Aber diese Geschichte sparen wir uns jetzt.

mick

Herrenlose Fahrräder

Veröffentlicht am 10. Mai 2012 von mickzwo in mick
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In den Fluren und Kellern scheint die Anzahl herrenloser Fahrräder seit langem, wie die Hausverwaltung eindringlich – und auch wiederholt – betont, bedrohliche Ausmasse angenommen zu haben. Um die ordnungsgemäße Nutzung der allgemeinen Räumlichkeiten in und vor dem Wohnquartier zu gewährleisten, hat sich eben diese Hausverwaltung dazu entschlossen, nun konsequent durch zu greifen:
Ab sofort sind alle Fahrräder, die im Geltungsbereich der Hausverwaltung abgestellt oder auch nur temporär geparkt werden, mit Namen zu Kennzeichen. Nicht gekennzeichnete (Fahr-)Räder werden, zu einem noch näher zu bezeichnenden Zeitpunkt, abtransportiert und einer artgerechten Verwertung zugeführt.
Ob die artgerechte Verwertung von herrenlosen Damenfahrrädern, von der artgerechten Verwertung von herrenlosen Herrenfahrrädern als grundsätzlich unterschiedlich angesehen wird, steht explizit nicht in der Ankündigung. Auch vermisst man in diesem Memorandum die Erwähnung von Kinderfahrrädern, zu mal die auch schon des Öfteren herrenlos angetroffen wurden. Oder muß es in diesem – zugegebener Weise – speziellen Fall kinderlos heißen? Und wenn man schon mal dabei ist: was wird aus Moutain-, City-, Trekking- oder etwa E-bikes?
Ich meine, das sind doch Fragen. Semantisch ist diese Problematik meines Wissens auch noch nicht betrachtet worden. Oder?!
Ein Abgrund.

Geh mir bloß weg mit dem Fahrrad

Veröffentlicht am 6. Mai 2012 von mickzwo in mick
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- aber ganz weit.

Wenn du jetzt in die Schule gehst, krisse auch ein Fahrrad.

Will ich nicht!
Klingt schon so, wie ausser Atem sein.
Wie unbequem schwitzen bei Gegenwind.
Und dann noch vorwärts wollen.
Überhaupt: Ist Schule genau wie Fahrrad fahren?
Will ich auch nicht!

Na, das kann ja heiter werden.
Wenn du erst mal auf Arbeit bist … hat achtzig Strophen, sonn Lied.
Dann ist aber Schluß. (Denk ich mal.)

Willi grübelt

Veröffentlicht am 5. Mai 2012 von mickzwo in mick
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Willi und der Roller.

Heinzi D. – für den Betrachter ganz rechts, etwas erhöht postiert – scheint die Situation zu dominieren.
Ob Willi – das ist der, ganz links aussen, mit der Schüppe – in diesem Moment seine Position schon für sich deutlich vor Augen hat, mag bezweifelt werden. Es drängt sich eher der Gedanke auf, dass – und dem Chronisten mag es an dieser Stelle nachgesehen werden – also: es drängt sich der Gedanke auf, dass unser Willi noch an seinem Standpunkt arbeitet. Formuliert hat er ihn gewiss noch nicht. In jedem Fall lässt sich aber mit Sicherheit sagen:
Schon in den ganz frühen Jahren zeigte Willi sich spröde auch gegenüber zweirädrigen Fahrzeugen. Einzig Heinzi D. vermochte – kurzzeitig – einen Tretroller in der Runde zu etablieren, was jedoch ohne nachhaltige Konsequenzen blieb.

Augenblick zum Gruseln

Veröffentlicht am 3. Mai 2012 von mickzwo in ernst
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Ein alter Mann steht am Fenster; nein, er steht eher hinterm Fenster. Wie es scheint, ist der alte Mann schon komplett angezogen für den Tag. Dabei beobachtet er die laute und geschäftige Durchgangsstraße. Das Ganze findet in einem häßlichen Haus an einer häßlichen Kreuzung statt. Die Ampel hat zufällig gerade rot. Dort stehe ich mit dem Fahrrad und warte auf grün. Wenn der alte Mann – dort oben – irgend etwas in diesem Zimmer erledigen wollte, hätte er wohl das Licht an geknipst. Es ist morgens, kurz nach sieben. Zum nach draußen gucken reicht die Helligkeit allemal. Der alte Mann fühlt sich unbeobachtet.
Es ist nicht anzunehmen, dass der alte Mann bemerkt, wie er beobachtet werden kann. (Vielleicht ist es ihm ja auch gleichgültig.) Anzunehmen hingegen ist, dass der alte Mann länger dort steht und beobachtet. Ob er allein ist, weiß ich nicht. Ich glaube aber, der ist einsam. Der Mai ist gekommen.
Doofe Ampel.